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Downton Abbey

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Downton Abbey ist ein Kostümdrama, dass mit dem Sinken der Titanic 1912 in North New Hampshire beginnt und das Leben in der Grafschaft Downton aus allen Blickwinkeln zeigt. Diese beginnen bei dem Grafen von Grantham und seiner Gattin, über deren Töchter, die gerade ins heiratsfähige Alter kommen und seiner wunderbar zickigen Mutter (gespielt von Dame Maggie Smith) bis hin zu den vielen Bediensteten des Hauses.

Downton Abbey

Plot

Aufhänger der Geschichte ist die Nachricht um die gesunkene Titanic, auf der der nächste potentielle Erbe der Grafschaft unterwegs war und sich damit vieles in der Familienpolitik verkompliziert, denn seine Lordschaft besitzt keinen Sohn und so muss ein entfernter männlicher Nachkomme gefunden werden, der im besten Fall mit einer der Töchter verheiratet werden kann, damit das Anwesen samt dem daran gebundenen Geld in der Familie bleiben kann.

Sie finden einen entfernten Cousin, Matthew, der aus recht einfachen Verhältnissen stammt und wird samt seiner Mutter nach Downton eingeladen, um ihn in die Familie einzuführen. Dies stößt auf beidseitigen Widerstand, da Matthew zur gehobenen Arbeiterklasse gehört und weder mit den Gewogenheiten der oberen Klasse viel anfangen kann, noch in der Lage ist sich adäquat zu verhalten. Zudem sind die beiden dem Rest der Familie gänzlich unbekannt und so lässt sich eine gewisse Abneigung verstehen, ihm das Familienerbe zu überlassen.

Weitere integrale Bestandteile sind das coming of age der beiden jüngeren Töchter und das intrigierende, sich verliebende und teils aufmüpfige Hauspersonal. Das ganze gepaart mit viel Stil, einer tollen Location und bittersüßem Melodram fügen all das zu einer ganz fantastischen Serie zusammen.

Kritik

Womit wir an dieser Stelle zu meiner Meinung kommen. Downton Abbey ist sicher kein Teil eines Genres, dass ich speziell suchen würde, geschweige denn besondere Affektion dafür aufbrächte. Jedoch macht die Serie neben dem sehr guten Ensemble und technischen Details erzähltechnisch alles richtig. Jede Figur hat ein klar definiertes Ziel und eine klar abgesteckte Rolle in der Geschichte und in der Grafschaft. Dadurch ergeben sich fast automatisch sinnvolle Konflikte und Koalitionen. Nichts wirkt an den Haaren herbeigezogen oder aufgesetzt. Im Gegenteil. Trotz vieler Zeitsprünge zieht sich ein dicker, roter Faden durch die Serie, die einfach hervorragend von Julian Fellowes geschrieben ist, der auch für Gosford Park zuständig war.

Vor allem macht die Serie etwas Besonderes. Man kennt sicherlich von anderen properties, die sich um eine ähnliche Thematik drehen, dass entweder die Eltern, die Kinder oder beide Parteien arrogant, fies oder einfach schlechte Menschen sind und ihren Untergebenen oder niedrigeren Klassen so begegnen. (Bspws. Titanic, Pride and Prejudice) Nicht so hier. Der komplette Cast besteht aus Gutmenschen (die natürlich auch herumzicken), die auch in zweifelhaften Handlungen das Gute sehen und diese ultimativ unterstützen. Es ist so erfrischend, dass hier nicht jeder zweite Charakter zwielichtig ist und es nur dadurch zwischenmenschliches Drama gibt, denn Downton Abbey zeigt, dass man auch positive Geschichten einnehmend erzählen kann, ohne sich in Negativität zu suhlen. An dessen Stelle gibt es nämlich reichliche Komplikationen in Familienverhältnissen oder Politik, die sich lohnen zu beleuchten, ohne die typischen Plotpunkte abzulaufen, die einem in diesem Setting vielleicht in den Sinn kämen.

Das Resultat dessen ist, dass ich (abgesehen von den Bösewichten) jede Figur mag, es unheimlichen Spass macht auch nur weitere 15 Sekunden aus dem Leben der kleinen Küchenhilfe, dem Diener ihrer Lordschaft oder der jüngsten Tochter zu sehen. Alle Storylines packen, interessieren, bringen mich zum Lachen oder Weinen. Die Ehrenhaftigkeit, mit der die Angestellten ihre Arbeit verrichten und der daraus resultierende Respekt, den die Familie ihnen zurück gibt, sind eine helle Freude und lassen viele andere Serien und Filme dagegen alt aussehen.

Sicher ist Downton Abbey im Kern eine Soap Opera, aber das sollte nicht abschrecken, da ich bisher noch keine vergleichbar gut geschriebene gesehen habe — Friday Night Lights, was im selben Kern eine Soap ist, kommt über weite Strecken heran. Nie wird die einfache Wahl getroffen einen Konflikt auszuspielen, nie ist die Serie cheesy und immer ist sie fantastisch gespielt.

Ich kann an dieser Stelle nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Ich bin der Meinung, dass hier jeder etwas findet, an dem er sich festhalten kann, da hier Genregrenzen überschritten werden und die einzelnen Figuren in diesem großen Ensemble so unterschiedlich sind.
Gerade für Fans des britischen Englisch wird es eine Freude sein Maggie Smith dabei zuzuhören, wie sie ihrer Entrüstung über gewisse Personen oder Entwicklungen in der Geschichte freien Lauf lässt. Ich bin jedenfalls nur am Feiern.

★★★★✩

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