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Perfect Sense

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David Mackenzie ist auf meinem Schirm, seit ich Hallam Foe vor einigen Jahren auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe und dort sowohl von Jamie Bell als auch dem Film ganz hin und weg war. Gestern lief nun sein neuer Streifen, also musste ich hin. Aber worum geht’s eigentlich?

Die Welt lebt so vor sich hin als sich nach und nach in Europa Fälle vom Fehlen des Geruchssinns häufen. Susan, gespielt von Eva Green, ist Epidemiologin und beschäftigt sich mit der Untersuchung der Krankheit, ist beziehungsgestört und wohnt über einem Restaurant, in dem Michael (Ewan McGregor) der Chefkoch ist. Langsam lernen sich die beiden kennen und sind zufällig beisammen, als sie erste Symptome zeigt. Dadurch kommen sich beide auch emotional näher und beginnen ihre Beziehung.

Während dessen versucht Michael das Restauranterlebnis interessant zu gestalten, indem er erst das Essen überwürzt, um den fehlenden Geruchssinn zu kompensieren bzw. es durch verschiedene Texturen zu einem klanglichen Erlebnis zu machen, nachdem auch der Geschmackssinn verlorenen wurde.

So sieht man, wie sich langsam die Welt verändert. Mancherorts kommt es zu Aufständen, Ausrastern von frustrierten Menschen, die auf ihre Einschränkungen nicht klarkommen, an anderen Stellen kommen die Menschen zusammen um ihre verbliebenden Sinne verstärkt zu stimulieren. So werden erst Dinge probiert, die nicht schmecken, aber ein interessantes Mundgefühl liefern oder gebannt den vielen Straßenmusikern gelauscht. Das wird natürlich alles immer schlimmer und düsterer, aber ich will nicht zu viel vorweg nehmen.

Der Film richtet in dieser Dystopie sein Mikroskop auf die Beziehung der beiden Hauptfiguren, die arge Probleme neben der eigenen immensen körperlichen Veränderung die nötige Aufmerksamkeit und Verständnis ihrem Partner entgegenzubringen. Natürlich verbindet diese Extremsituation auch, in der man lieber sein Leid mit jemandem Teilen will, nur wird deren Beziehung auf eine sehr ungewöhnliche Probe gestellt.

Am Ende ist Perfect Sense ein Film, wie ich ihn mag. Eine einfache Sci-Fi-artige Prämisse, die die Welt auf eine gewisse Art verändert, und diese bis zum bitteren Ende durchexerziert. Hier ist es eine Liebesgeschichte / Melodrama, auf die diese Welt einwirkt. Und das geschieht auf beeindruckende Weise. So eindringlich, düster, tieftraurig und mitreißend diese Geschichte erzählt wird, hat sie mich schwer mitgenommen. So einen Kloß hatte ich lange nicht im Hals. Und dann macht dieser Film noch etwas sehr beeindruckendes. Er spielt mit den Sinnen des Publikums so, wie Michael mit denen seiner Gäste in seinem Restaurant. Die Situation in einem schwarzen, fast lautlosen Raum zu sitzen, nutzt der Film bis aufs letzte aus. Deshalb wird sich da Erlebnis auch kaum in den eigenen vier Wänden reproduzieren lassen.

Ich fühlte mich etwas an It’s All About Love von Thomas Vinterberg erinnert, indem es auch um eine Liebe geht, die in einer untergehenden Welt spielt. Dort ist es die nahe Zukunft und der kosmische Kollaps, hier ein Virus in unserem Vorgarten. Perfect Sense funktioniert weit besser, weil er straffer erzählt und sich die Prämisse besser zu Ende gedacht ist.

Wer also auf triste, toll erzählte Dramen steht, dem sei dieser wunderbar gespielte und feine Film wärmstens ans Herz gelegt.

★★★★✩

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