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iTunes Match

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Mit einer amerikanischen Kreditkarte kann man ja iTunes Match benutzen. Da ich so etwas besitze, entschloss ich mich diesen Dienst mal auszuprobieren und meldete mich vor ein paar Tagen an. Und was soll ich sagen — es übertrifft meine Erwartungen um Längen.

Was ist dieses iTunes Match überhaupt?

iTunes Match ist ein Dienst von Apple, den man sich für $25 im Jahr buchen kann, der es einem ermöglicht die eigene Musikbibliothek auf Apples Server zu laden und von allen an iTunes angeschlossenen Geräten und mit der zugehörigen Apple ID verbundenen Account auf diese Musik zuzugreifen. Also von anderen Computern und allen iOS Geräten.

Dazu rattert iTunes einmal über die ganze Mediathek, sammelt Daten, schickt diese zu Apple und versucht die eigenen Songs mit denen im iTunes Musicstore zu matchen. Gelingt dies, setzt Apple einen virtuellen Haken hinter den Song und somit ist der Song instantan verfügbar. Ist dies nicht möglich — Gründe dafür sind Bitraten unter 96kBit/sek, das nicht Vorhanden sein im Store, Dateigrößen von über 200MB, das Überschreiten des 25.000 Songlimits oder sehr schlechte Tags bzw. falsche Songlängen usw. Podcasts und Videos lässt iTunes Match auch aussen vor.
Diese unerkannten Songs werden dann hochgeladen, was nach Erkennungsrate, Größe der Bibliothek und Bandbreite natürlich eine Weile dauern kann. Ist dieser Prozess abgeschlossen sind auch diese Musikstücke abrufbar.

Als gematchte Songs bietet einem Apple nun die Version an, die sie im Store haben. Das sind 256kBit/sek AAC, was super ist. Hat man seine lokale Kopie gelöscht, kann man sich also eine im Zweifel bessere Version des Song herunterladen und hat neben dem Mehrwert der überall verfügbaren Musik, mit diesem Dienst auch noch die Qualität seiner Musik verbessert. Bei den ungematchten Songs ist es selbstverständlich die eigene Version, die verfügbar gemacht wird.

Schön ist auch, dass Metadaten synchronisiert werden. Die Übertragung der Sternewertung funktioniert problemlos und die Synchronisation dessen geht innerhalb von Sekunden. Einzige Wehmutstropen sind die nicht aktualisierenden Playcounts und das nicht Übertragen der Lyrics. Ich las, dass diese Features erst vor kurzem entfernt wurden und hoffe, dass sie schnell zurückkommen, da einige meiner intelligenten Playlists mit Playcounts arbeiten.

Was nun?

Ist die Mutterbibliothek erst einmal gematcht, kann man den Dienst auf den anderen Geräten aktivieren. Auf den iOS Geräten ist das eine entweder/oder Sache. Entweder man greift auf den Match-Fundus zu, oder man synct sich seine Musik manuell aufs Gerät. Ein Mix aus Beidem geht nicht. Aktiviert man nun Match, verschwindet alle Musik vom Endgerät, dafür bekommt man in der Musik-App die gesamte Bibliothek zu sehen. Neben allen Alben, die bereits online verfügbar sind, erscheint ein süßes Wolkensymbol, ist das nicht zu sehen, muss der Song noch aus der Stammbibliothek hochgeladen werden.

Möchte man nun etwas Musik hören, tippt man einfach auf den Song, und es geht fast sofort los. Die Musik wird im Hintergrund geladen und während dessen abgespielt. Geht der Song dem Ende zu, merkt der iPod das und lädt schonmal den nächsten Song, so dass es unterbrechungsfrei weitergehen kann. Danach ist das Lied auch lokal auf dem Gerät verfügbar und muss bei erneutem Spielen nicht nochmals geladen werden. Will man den Platz wieder frei haben, löscht man das Lied einfach und die Wolke erscheint wieder neben dem Eintrag.

Auf dem Computer läuft das etwas anders. Hier wird ein aus der Wolke gespielter Song nicht lokal gespeichert, sondern nach dem Spielen wieder weggeworfen, es sein denn, man klickt explizit auf den Wolkendownloadknopf. Dann bekommt man eine lokale Kopie auf die Festplatte geladen und ist nicht von einer Onlineverbindung abhängig. So stört es also bei einer Shufflewiedergabe nicht, wenn die Musik nicht lokal verfügbar ist. Die Musik wird gespielt, verbraucht aber keinen Platz, den man wieder frei räumen müsste, wenn einen das stört. Hier wurde wirklich an alles gedacht.

Nun möchte man sicherlich trotzdem einen Teil der Mediathek unterwegs dabei haben und nicht alles live aus dem Netz laden, wenn man etwas hören will. Dazu kann man vorbereitend einzelne Musikstücke, ganze Alben oder komplette Playlisten mit einem virtuellen Knopfdruck im heimischen W-LAN herunterladen. Das ist ziemlich super, denn jetzt hat man neben aller Musik auch alle Playlisten auf dem iOS Gerät im direkten Zugriff. Ein späteres Nachladen ist selbstverständlich auch aus dem UMTS Netz möglich und macht iTunes Match zu dem tollen Dienst, der er ist.

Meine persönliche Erfahrung mit iTunes Match

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, aber meine Bibliothek ist viel zu groß, als dass ich sie in Gänze auf meinem iPhone dabei haben könnte. Ich konnte sie bisher nichtmal komplett auf meinem Laptop, der mein einziger Rechner ist, haben. Da ich vor einiger Zeit meine nicht unbeträchtliche CD-Sammlung digitalisiert habe, musste ich das Meiste auf einer externen HDD auslagern und hatte immer nur die wichtigsten und aktuellsten 50-70GB Musik auf dem Laptop. Das ist zwar nicht so wild, weil ich selten den Drang verspürte alte Death-Metal-Scheiben von Ende der 90er zu hören, aber dadurch, dass die ganze Musik auf der Platte im Schrank stand, hab ich sie auch nie angeschlossen und konnte auch nicht mal eben eine alte Blues-Platte hören, die ich zu Abiturzeiten auf Dauerrotationf hatte, die aber nun mal nicht auf meinem Laptop ist.

Diese Zeiten sind nun endlich vorbei. In vier Schwüngen habe ich nun meine Musik von der externen Festplatte importiert, habe sie matchen lassen und die lokale Kopie wieder gelöscht, um Platz für die Nachrücker zu machen. Nach knapp zwei Tagen habe ich nun 14.000 Songs in der Wolke herumliegen und die letzten 2.000 werden gerade hochgeladen. Die externe Festplatte dient noch als Backup für die Originale, die mit höherer Qualität gerippt wurden, als iTunes Match zur Verfügung stellt, aber kann getrost wieder im Schrank verschwinden.

Ziemlich begeistert bin ich von der hohen Erkennungsrate. Sicherlich habe ich eine extrem gut gepflegte iTunes Bibliothek, aber mit so vielen Matches habe ich nicht wirklich gerechnet. Was halt nicht gefunden wurde waren Mixtapes (duh!), komische Sampler, einiges deutsches und einiges unbekanntes. Von einigen Alben wurden auch mal einzelne Songs nicht erkannt, was mich etwas wunderte, aber was weiß ich schon, mit was für einem Algorithmus Apple da rüber geht.

Fazit

Ich bin hellauf begeistert. Nicht nur, dass ich jetzt ein weiteres Backup meiner Musik habe, ich kann endlich immer und überall auf wirklich alles zugreifen. Mit meinem Rechner, ohne die externe HDD anzuschließen, mit dem iPod Touch, der an der Anlage hängt oder mit meinem iPhone unterwegs. Wie oft war ich schon in der Situation, dass ich jemandem ein Song vorspielen wollte und den natürlich nicht dabei hatte. Dies ist nun vorbei und darüber freue ich mich sehr. Die Performance war bisher sehr gut, die Integration in das komplette Ökosysten wie immer superb und bis auf den Playcountsync ist der Dienst wirklich featurecomplete. $25 sind dafür extrem gut angelegtes Geld, was ich wahrscheinlich fast im Monat bezahlen würde, um diesen Dienst nutzen zu können.

Klar gibt es mit Google Music beta ™ einen ähnlichen Dienst für umsonst, aber für den gibt es offen gesagt beschissene bis gar keine Integration für ein mobiles Gerät und nur ne Webview dazu, zudem fehlt das Matching, was den Prozess erheblich verlangsamt.

Wie sich das alles im Alltag bewährt wird sich natürlich noch zeigen, da ich damit noch nicht im UMTS Netz unterwegs war, aber da bin ich zuversichtlich, denn ich weiß nicht wirklich, was daran schief gehen sollte.

Addendum

Sollte jemand Lust auf iTunes Match, aber keine amerikanisch Kreditkarte haben, kann man sich eine Prepaid Kreditkarte bestellen und die benutzen. Was man so liest, funktioniert das ohne Probleme. Man muss sich dann nur eine neue Apple ID anlegen und mit dieser die Geräte verknüpfen. Zu dem Thema findet man sicher anderswo genaue Informationen.

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