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Dexters Endgame (Und Erneute Meckerei)

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Ich bin ja selber das beste Beispiel dafür, dass im Netz negative Stimmen lauter sind, als positive, was ich anprangere. Shame on me!

Trotzdem muss ich ein paar Worte über die jüngsten Entwicklungen von Dexter verlieren.

Massive Spoilers ahead

Was ist also in dieser Staffel mit dem mainarc los? Neben all den kleinen murders of the week gibt es ja die beiden religiös motivierten Serienmörder James Gellar und Travis Marshall, die Dexter versucht zu schnappen. Nun kennen wir Dexter (sowohl ihn, als auch die ganze Serie) mittlerweile ganz gut und wissen (siehe letzter Blogpost zu dem Thema), dass wir die ganze Zeit ganz prima mit allen wichtigen Informationen doppelt und dreifach versorgt werden. Man muss also nur etwas genauer hinsehen und -hören, um das Meiste ein paar Folgen früher vorherzusehen.
Dexters innerer Monolog beschäftigt sich, neben all dem nichts sagenden und belanglosen Blödsinn über Glauben und Religion, schon die ganze Staffel mit den Parallelen zwischen sich selbst und Travis, in dem er bereits in der zweiten Folge von Gellar als Travis’ dark passenger spricht. Na, wer hat noch einen dark passenger? Und, gibt es diesen wirklich? Nun zählen wir eins und eins zusammen und können schließen, die Dummheit der Show vorausgesetzt, dass — surprise, surprise, surprise — Gellar längst tot und eben nur die dunkle Seite von Travis ist.

Ist ja alles sehr schön, dass die Autoren versuchen einen fetten Twist in die Staffel einzubauen, wenn aber seit der zweiten Folge das halbe Internet die komplette Storyline durchschaut hat, kann man die Idee getrost als gescheitert bewerten. Das Problem war einfach, hat man die Idee zu diesem Twist im Kopf, dass das die offensichtlichste Erklärung ist und es keine andere geben kann. Hier hätten die Autoren besser vertuschen können.

Abgesehen davon, wen interessiert das eigentlich? Soll ein Twist, der eine halbe Staffel lang vorbereitet wird, nicht schocken? Die großen Storylines um einen Serienmörder sind schon lange uninteressant, vor allem dann, wenn es keine direkte Interaktion mit Dexter gibt. Dexter ist leider Gottes die einzige halbwegs interessante Figur in dieser Serie. Deshalb hätte mich auch ein perfekt umgesetzter Twist nicht von den Socken hauen. Denn versteht mich nicht falsch. Ein Twist muss nicht immer funktionieren. Im Gegenteil. Es macht ja Spass an einer Serie oder Film herumzuraten und eine Wendung in der Geschichte vorherzusehen. Das wird nur zu einem Problem, wenn man nie die Möglichkeit hatte irgendetwas vorauszuahnen und so von den Schreibern übers Ohr gehauen wird, oder wenn alles auf dieses eine Pferd gesetzt wurde und der Rest der Serie oder des Films nichts darüber hinaus hergibt.
Zum Beispiel funktionieren Fight Club, The Usual Suspects oder The Sixth Sense wunderbar beim zweiten oder zwanzigsten Mal sehen, wohingegen das Wissen um den Twist bei Identity oder Basic den Film einfach lächerlich macht.

Dexters Zukunft

Nun gibt es seit ein paar Tagen endlich ein Enddatum für die Serie. Dexter wurde für weitere zwei(!) Staffeln verlängert, die wohl komplett das endgame von Dexter behandeln sollen. Sie behalten sich allerdings offen, sollte es eine kreative Wende geben, mehr Zeit zu brauchen. Dieses endgame soll in den letzten zwei Folgen dieser Staffel schon beginnen. Klar. Cliffhanger und so. Aber ernsthaft? Die Autoren sind sich nicht sicher, ob sie in der Lage sind Dexters Ende in 26(!) Episoden zu erzählen? Daran merkt man, wie verwöhnt die alle von Showtime sind. Ihnen scheint noch nie jemand kreativ auf die Finger gehauen zu haben. Wenn man sich anschaut, wie sehr viele andere Serien um jede einzelne Episode kämpfen müssen und deshalb auch jede einzelne Episode wichtig für die Serie und straff geschrieben ist, macht mich so eine Verschwendung unkreativer Sendezeit etwas wütend.

Es wird berichtet, dass in den verbleibenden Folgen dieser Staffel bereits Dinge in Bewegung gesetzt werden, die im Rest der Serie eine große Rolle spielen werden. Meiner Meinung gab es das ja schon längst in der Folge über Dexters Roadtrip, über die ich hier schon zur Genüge meckerte, aber vielleicht war das den Autoren noch nicht offensichtlich genug und gehen deshalb noch einmal mit dem Vorschlaghammer zu Werk.

Sollte Dexters letztes Kapitel straff geschrieben und umgesetzt sein, werde ich wohl wieder einschalten, denn der Ausgang seiner Reise ist das einzige, was mich noch interessiert.
Die Straffheit würde ich nach aller Erfahrung mit der Serie stark anzweifeln. Eher vermute ich, dass — wie immer — die ersten 50 Minuten jeder Folge mit unwichtigem Blödsinn verschwendet und die letzten 5 etwas zum endgame beitragen werden. Ich werde jede Woche etwas mehr gefrustet sein, hier darüber meckern und das Internet zu einem schlechteren Ort machen. Aber wer weiß, vielleicht haben sie ja noch ein As im Ärmel und hauen die beste Final-Doppel-Staffel aller Zeiten raus. gnihihi. (Ich würde mich ja schon über solides Mittelmaß freuen.)

— Newsquelle: ‘Dexter’ scoop: Series endgame begins this season | Inside TV | EW.com

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