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Breaking Bad - Season 4 Finale

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Breaking bad s04

Massive Spoiler ahead!

Ich muss an dieser Stelle mal meine Gedanken zu dem unglaublichen Staffelfinale von Breaking Bad rauslassen. Also alle, die es noch nicht gesehen haben – RAUS HIER! Ihr verderbt euch sonst eine Menge Spass.

Nach der fantastischen dritten Staffel, die es meiner Meinung nach mit allen großen TV-Staffeln aufnehmen kann, ging die vierte fulminant los, indem Walter White und Jesse Pinkman erstmal von Gus gezeigt bekamen, wer in dem Business am längeren Hebel sitzt. In der dritten Staffel hat Walt zwar bewiesen, dass er ein Druckmittel hat, indem er sich unersetzbar macht, aber die Message von Gus ist klar und deutlich. ‘Übertreib es nicht. Ich finde schon einen Weg mein Geschäft auch ohne dich aufrecht zu halten.’ Das saß und kam bei Walter an. Zwar hatte er den bewegenden Dialog mit Skyler, dass er nicht derjenige ist, der davor Angst hat, dass eines Tages jemand bei ihm an die Tür klopft und ihm eine Kugel verpasst, sondern sagt “I am the one who knocks!” nur, dass er das wahrscheinlich selbst am wenigsten glaubte und über den ganzen Mittelteil der Staffel nur reagieren statt agieren konnte. Recht schnell wurde klar – er ist so ziemlich der einzige, der nicht klopfen wird.

Nach mehreren Episoden, die sich dafür Zeit nahmen die Nebenfiguren weiter auszuarbeiten, was ich sehr mochte, kehrt die Geschichte zu dem Konflikt zurück, auf den wir die ganze Zeit warteten. Zwei so starke Figuren können nicht koexistieren und die Frage ist nur, wer von den beiden schneller, cleverer und skrupelloser ist. Die letzten beiden Folgen beantworten die Frage eindeutig.

Der Schlüsselmoment, an dem sich alles ändert, ist die Entscheidung Brock als Pawn zu benutzen, um Jesse zurückzugewinnen und gemeinsam Gus zu erledigen. Walt sitzt in seinem Garten, dreht seine thirty-eight snub so lange, bis sie auf die giftige Pflanze Lily of the Valley zeigt und von da an ändert sich sein ganzes Verhalten. Er ist plötzlich ernst und wild entschlossen und hat zugegebenermaßen auch keinen anderen Ausweg. Es beginnt der mehrstufige Plot, Gus aus dem Weg zu schaffen.

Die Erzählweise in den letzten beiden Folgen ist recht untypisch. Selten passiert so viel im Hintergrund, von dem wir nichts mitbekommen. Normalerweise liegt uns alles offen und wir beobachten nur. Nicht so hier. Vince Gilligan schafft es, uns für fast zwei Stunden im Dunklen tappen zu lassen und eine immense Spannung aufzubauen. Ich habe jedenfalls nicht damit gerechnet, dass es nicht Gus war, der Brock vergiftete. Beide Varianten machten gleich viel Sinn, wobei die implizierte die offensichtlichere war. Exquisites Schreiben.
Natürlich kann man sich fragen, warum Walt so skrupellos ist und einen kleinen Jungen vergiftet, aber er stand mit dem Rücken zur Wand und ist ein kalkuliertes Risiko eingegangen. Man kann mittlerweile davon ausgehen, dass er weiß, wie ein Gift dosiert werden muss, um jemanden lange ausser Gefecht zu setzen, ohne ihn dabei zu töten, genauso wie er in seiner Küche eine Bombe bauen kann.
Vor allem ist sein Leben und das seiner Familie auf dem Spiel und da versteht er einfach keinen Spass mehr, setzt sogar kaltblütig das Leben seiner Nachbarin aufs Spiel.

Als Walt merkt, dass Gus so gut geschützt ist, dass man ihn nicht alleine antreffen kann und augenscheinlich Spidey-Sensoren besitzt, wird ihm klar, dass der Mord von Gus gleichzeitig ein Selbstmordkommando sein wird. Was ist also besser, als denjenigen dafür einzusetzen, der sich mindestens genauso den Tod von Gus wünscht, aber nichts zu verlieren hat. Tio. Ihm hätte man kein besseres Finale verpassen können.

Klar kann man den Abgang von Gus etwas over the top finden, aber so ein Super-Villain braucht auch einen Super-Abgang. Und haben wir uns nicht alle für ein paar Sekunden gefragt ‘Ist dieser Typ eigentlich nicht totzukriegen?’ Und dann sieht man eins von vielen Beispielen, warum ich diese Serie so liebe, wie ich das tue. Sie sind sich nicht zu schade für einen grandiosen Pun im Titel der Episode (Face Off). Und der Effekt war gut umgesetzt. Erinnerte zwar etwas an Two-Face, macht aber nichts, weil genau das nötig war, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Mit Recht kann Walter jetzt wieder behaupten “I am the one who knocks!” Er hat gewonnen. Er ist wieder unter Kontrolle. Vorerst.

Breaking bad Season Finale i won

Einige Bemerkungen

Was halten wir eigentlich von Skylers Reaktionen am Ende? Hat sie jetzt Angst vor Walt, wo sie jetzt gesehen hat, dass es nicht nur leere Worte sind, die er von sich gibt? Oder geht sie darauf ab? Ich finde ja, sie sieht etwas sexuell erregt aus. Immerhin scheint sie dem kriminellen Business, vor allem ihrem eigenen, nicht abgeneigt zu sein. Skyler steht eben darauf verdammt gut in etwas zu sein und zu gewinnen.

Mich freuen vor allem die kleinen Handlungsstränge, die noch offen sind und uns viel Spass in der nächsten Staffel machen werden. Das Ricin schwirrt noch umher und könnte zum Gegenstand gemacht werden. Mike wird wieder zurückkommen und wir können gespannt sein, ob er seinen alten Arbeitgeber rächt, oder von nun an bei Walt und Jesse anheuert. Hank wird sich wohl erstmal mit der Suche nach Heisenberg durch Gus’ Tod zufrieden geben, bis das blaue Meth wieder auftaucht und es muss dann wohl langsam zum größten Konflikt überhaupt kommen. Walter gegen Jesse. Ob Jesse herausbekommt, dass Walt hinter der Vergiftung steckt oder sich die Autoren einen anderen Grund überlegen die beiden aneinander zu rasseln ist egal, denn bisher konnten sie immer überraschen. Und das ist das schöne – man kann zwar die Himmelsrichtung sehen, in die sich Breaking Bad bewegt, wie das alles ausgehen wird jedoch nicht.

Ich muss an dieser Stelle ein weiteres mal die Autoren loben. Nicht nur, dass sie es schaffen über nun vier Staffel nicht eine schlechte Episode zu schreiben, hervorragend ihre Figuren weiterzuentwickeln, immer ein As im Ärmel zu haben und unglaublich spannende Geschichten zu erzählen – nein, sie schaffen den fast unmöglichen Sopranos Trick. Wir fiebern alle mit einem furchtbaren Menschen mit, der seine Familie mies behandelt, Kinder vergiftet, ‘unschuldige’ Menschen sterben lässt, für einen Flugzeugabsturz verantwortlich ist und kaltblütig seine Widersacher umbringt. Chapeau!

Was mich über all das hinaus an diesem Staffelfinale so beeindruckt hat ist, dass es genauso gut das Serienfinale hätte sein können. Natürlich will ich mehr Breaking Bad sehen, aber ich bin genauso froh, dass es ein Enddatum gibt und Vince Gilligan seine Geschichte ordentlich zu Ende erzählen kann, ohne unnötig auszuschweifen.
Das einzige, was gefehlt hätte, wäre dies das Ende gewesen, ist die Katharsis. Wir haben alle dabei zugesehen, wie in Walt das Böse geboren wurde und wir müssen auch seinen Tod erleben. Sei es durch den wortwörtlichen Tod, die Festnahme durch Hank oder der gnadenlosen Konfrontation mit sich selbst. Denn an diesem Punkt wurde all das böse Handeln Walts durch seinen Erfolg bestätigt und ich sehe nicht, dass er irgend einen Teil seines Plans bereut.

★★★★★

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