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Friends - Ein Rückblick

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Ich glaube, ich muss niemandem erklären, worum es im wesentlichen bei Friends geht. Jeder kennt mindestens ein paar Episoden, was schwer zu vermeiden war, immerhin lief die Serie fast durchgängig 10 (zehn)(!!!) Jahre lang im Fernsehen.
Jedenfalls hab ich Friends nie wirklich gesehen, ausser mal ne Minute beim Zappen.

Nach dem ewigen generve eines Freundes und Friends Fan (hihi) und meinem Drang die großen Serien alle durchzuschauen stand nun also Friends für mich auf dem Programm. Und was soll ich sagen, es war großartig.

Allgemeines

Ich meine Friends lief zehn Staffeln (1994-2004) und begann entsprechend cheesy mit lustigen Frisuren, engen Plastikhosen und unlustigen Sprüchen. Das kann man, wenn man es mit der Serie böse meint, doof finden, oder man kann sich dem vollkommen hingeben und gut finden. Da ich eigentlich mit Friends hätte aufwachsen müssen (also zeitlich) ist das also genau meine Kragenweite.

Wenn man sich überlegt, dass der Stammcast aus nur sechs Personen besteht und kaum andere für mehr als 5 Folgen dazukommen muss man die herausragende Leistung der Autoren anerkennen eine so lange Zeit und so viele Stunden mit fast nie langweiligen Geschichten zu füllen, Figuren miteinander zu paaren, diese Konstellationen zum Teil über Staffeln hinweg aufrecht und interessant zu erhalten und wirklich alle über diese Zeit extrem gut weiter zu entwickeln. Man schaut allen Figuren dabei zu, wie sie erwachsen werden.
Joey vom Nichtsnutz zum anerkannten Nischenschauspieler, Rachel vom verwöhnten Töchterchen zur leitenden Modetante und Mutter, Ross vom verspulten Träumer, der seine Beziehungen nicht auf die Reihe kriegt zum Professor und mehrfachen Vater und Chandler und Monica, die nach vielen gescheiterten Beziehungen und jugendlicher Verworrenheit die feste Partnerschaft finden, nach der sie schon ewig suchten.
Unglaublich auch, was die Schreiber für gute und einfache Running Gags etablierten, sie nie überstrapazierten und deshalb für sehr lange Zeit aufrecht erhalten konnten. So dumme Sachen, wie die zersägte Tür in Joeys Zimmer, die Fernsehsessel oder die wunderbaren Enten. “The ducks!”

Klar gibt es schwache Staffeln, langweilige Folgen und blöde Storylines, wäre auch eine Kunst bei 236 Episoden. Aber was die Autoren an tiefen Figuren und herzzerbrechenden Romanzen entwickelten ist wirklich toll. Jede Paarung funktioniert, alle haben miteinander eine tolle Chemie und es wird nicht auf Teufel komm raus alles Versucht, was möglich wäre, nur um Storylines und Konflikte aus dem Hut zu zaubern, sondern man lässt sich Zeit und lässt alles zu seinem logischen Schluss ausspielen. Wenige trauen sich das.
Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die Beziehung zwischen Rachel und Ross. Die beiden kommen relativ früh in der Serie nach langem hin und her zusammen, dann zerbricht die Beziehung und für ganze sechs Jahre/Staffeln gibt es diese Spannung zwischen den beiden, die eigentlich wissen, dass sie zusammen gehören, aber entweder nicht die richtige Zeit ist, oder der Stolz von einem der beiden im Weg steht, bis sie am Ende dann doch noch zusammenfinden. Wie die Autoren es schafften über eine so lange Zeit die Spannung zwischen den beiden plausibel zu halten, ohne aufgesetzt zu wirken, das hat mich im Nachhinein doch sehr beeindruckt.

Vergleicht man Friends beispielsweise mit How I Met Your Mother, was im Wesentlichen das gleiche versucht, nur den Hauptschauplatz vom Coffeeshop in eine Kneipe verlegt, damit alles etwas rauer und moderner wirkt, so kann HIMYM lange nicht mit Friends mithalten, denn nach den ersten drei oder vier Staffeln geht den Autoren schon die Luft raus, weil sie Beziehungskisten zu schnell wegwerfen und eine zu enge Prämisse haben, die sie sich nicht trauen mal auszuspielen.
Ich könnte an dieser Stelle in einen immensen Rant übergehen, in dem ich mich darüber auslasse, warum HIMYM nicht schon längst die Mother in die Serie gebracht hat und das ganze mal für ein bis zwei Staffeln langsam aufbaut und entwickelt. Die Serie wäre so einfach zu fixen, aber lassen wir das.
Jedenfalls ist HIMYM ein schöner Vergleich, um zu sehen, was Friends so viel besser macht. Das fällt einem für sich alleine betrachtet nämlich kaum auf.

Finale (minor Spoilers)

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Serienfinale. Wenige Serien haben die Chance unter ihren eigenen Bedingungen aufzuhören. Friends nutzt diese Gelegenheit auf die bestmögliche Art und Weise.
Zum einen kommt die Storyline um Ross und Rachel zu ihrem logischen und höllisch romantischen Ende und zum anderen bahnte sich ja an, dass Monica und Chandler aufs Land ziehen. Dieses metaphorische zusammenpacken ihrer Wohnung, dem Hauptschauplatz der Serie und dem folgenden Auszug und einem letzten gemeinsamen Kaffee funktioniert so gut, wie kaum ein weiters Serienfinale. (Buffy fällt mir da auf Anhieb nur ein.)

Jedenfalls war diese Serie ein toller Ritt quer durch die Neunziger, Beziehungskrisen, Romanzen und hervorragendem Humor, den ich wirklich jedem nur empfehlen kann. Die letzen vier Staffeln habe ich in einer schwer grippalen und bettlägerigen Woche weggeballert und ich bilde mir ein, dass das viele Lachen stark zu meiner Genesung beigetragen hat ;–)

★★★★✩

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