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The Killing

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The Killing schickte sich vor ein paar Monaten an eine düstere murder-mystery zu erzählen, uns von den beiden Detectives Holder und Linden auf der Jagd nach dem Mörder von Rosie Larsen mitnehmen zu lassen und uns von Autoren an der Nase herumführen zu lassen. 13 Ermittlungstage und ebenso viele Episoden später bleibt nur ein bitterer Geschmack im Mund zurück.

Rückblick auf die erste Staffel (Spoiler!)

Ich mochte die ersten zwei oder drei Folgen wirklich sehr. Der visuelle Ton, das langsame Pacing und die Darsteller auf der Polizeiseite und der erweiterte Kreis um die Larsen-Familie waren sehr effektiv. Danach verlor The Killing den Focus. Man konzentrierte sich auf den politischen Teil der Story, der nie wirklich Fahrt aufnahm und in keiner Minute eine wirkliche Verbindung zum Hauptplot zu haben schien oder die betroffenen Figuren tiefer zu machen und ich fragte mich, was das dann überhaupt in der Serie zu suchen hat. Was interessiert mich die dreckige Wäsche, die beim Kampf um das Bürgermeisteramt gewaschen wird oder die geheime Affäre zwischen Kandidat und seiner Kampagnentante, wenn sofort klar ist, dass damit nur Zeit gefüllt werden soll?
Als dann zum Bergfest aus heiterem Himmel ein Terrorsubplot auf den Zuschauer fallengelassen wurde, haben sie mich fast völlig verloren. Augenscheinlich hatten die Autoren keine Ahnung, wo sie mit ihrer Story hinwollen, noch wussten sie, wie man für das sprichwörtliche ‘meat on the bone’ sorgen kann.
Aber dann kam plötzlich Episode 11 - ‘Missing’, die mich völlig aus den Latschen haute. Fast eine bottle-episode, in der Sarah Linden zusammen mit ihrem Partner Holder nach ihrem verschwundenen Sohn sucht. Wirklich tolles Schauspiel, durch das man die beiden viel besser kennenlernt. Es wundert nicht, das Showrunner Veena Sud diese Folge neben nur zwei anderen schrieb. Sie selber hat wirklich ein Händchen für Paarungen und Charaktermomente.
Die letzten beiden Folgen zeigen Holder und Linden dabei hieb- und stichfeste Beweise gegen den Hauptverdächtigen Richmond zu sammeln, man will ja keinen PR-Gau erzeugen, und gipfeln in dessen Festnahme, einem Mordversuch auf ihn und einen ‘shocking twist’, als Holder in ein schwarzes Auto steigt und erklärt, dass der gefakte Beweis funktioniert hat.

OK… WTF?!?

  1. Zuallererst: WE STILL DON’T KNOW WHO THE FUCK KILLED ROSIE LARSEN! Was haben die sich bitte dabei gedacht?

  2. Wieso wird der angebliche Beweis, der im übrigen der einzige ist, der Richmond inkriminiert nicht geprüft? Macht nach einer Stunde Meckerei des Polizeichefs nach besseren Beweisen gar keinen Sinn.

  3. Klar. Belko, der kleine Hosenscheißer bringt mal eben den zweitgrößten Politiker Seattles um, weil er schon so große Gewissensbisse hatte Ahmed die Fresse zu polieren, als er dachte, er wäre der Mörder gewesen. Klar, klar, klar.

  4. WTF!?! Holder, der Ex-Drogenabhängige, geläuterte Mann, der zu seiner Familie zurückfinden will und die gute Seele der Serie und der emotionale Fels für seine Partnerin Linden war, ist also Teil einer großen Verschwörung, um Richmond zu stürzen?!? Seriously?!? COME ON! So einen billigen cop out hätte ich der Serie wirklich nicht zugetraut. So etwas unerwartetes zu bringen geht einfach nicht. Es wurde Stunde um Stunde mit unwichtigen Nebengeschichten verschwendet, aber nicht für nötig gehalten ein paar Hinweise auf sein Doppelleben zu streuen? Da fühlt man sich als Zuschauer doch um eine potentiell sehr interessante Storyline betrogen.

  5. Wenn man Veena Sud z.B. hier zuhört, merkt man, dass sie denkt, sie hätte mit The Killing die beste Cop Show seit The Wire abgeliefert, die so viele Regeln und Konventionen bricht. Aber wie kann man bitte bei einer Serie, die sich im wesentlichen spannungslos vor sich hin schleppt und die einzige treibende Kraft des Zuschauers das Interesse nach dem Mörder ist, Linden in der letzten Minute der Staffel diesen Telefonanruf bekommen lassen? Ich verstehe es nicht. Fuck, sie vergleicht ihre Show sogar mit Mad Men und Breaking Bad.

Dazu kommen noch eine Menge Kleinigkeiten, die mich störten.

  • Warum regnet es in Seattle eigentlich durchgehend? Das ist ab und zu als visuelles Stilmittel ganz schön, aber auf Dauer nervtötend.

  • Warum muss man mehr als die Hälfte der Staffel darauf herumreiten, dass Linden diesen Fall bis zum Ende begleiten will? Jede Folge gab es ein theatralisches Telefonat mit ihrem Verlobten. “Ja, ja. Ich bleibe nur noch heute. Morgen komme ich bestimmt.” Meine Güte. Das waren jetzt 13 Tage. Die wird man ja wohl warten können.

  • Die Backstories von Linden und ihrem Sohn waren leider nur zwei Wegwerfdialoge. Ich habe nicht das Gefühl, dass die düstere Kindheit beider irgend eine Auswirkung auf irgend etwas hatten. Wirklich schade.

  • Ich erwähnte es bereits, aber TERRORSUBPLOT!?! RLY?!?

  • Zur Familie Larsen. Misery-porn schön und gut. Die Eltern sind hervorragend gespielt, aber grundlos und unreflektiert den Ehemann zu verlassen, der ihr eine solche Stütze war, ist nicht glaubhaft. Versteht mich nicht falsch, ich mochte, dass die Familie jede Folge begleitet wurde, auch wenn es einem etwas repetitiv vorkam sie immer am trauern und kurz vorm kollabieren zu sehen. Aber es sind nunmal gerade die ersten zwei Wochen nach dem Tod ihrer Tochter und so sieht das dann aus. Ich fand das eher mutig, das so zu handlen.

  • Wie kann es sein, dass Stan seine Frau nicht ins Gesicht brüllt ‘Ich hab uns ein Haus gekauft! Darum ist das Konto leer! Ich hab nicht all unser Geld verzockt, noch bin ich wieder in der Mafia.’, sondern sie einfach ziehen lässt?

  • Die Serie hat einen und wirklich nur einen Trick im Ärmel und das ist den Zuschauer nach Strich und Faden zu belügen. Sie bauen Erwartungen auf, präsentieren es als die Wahrheit und ziehen dem Zuschauer den Teppich unter den Füßen weg.

  • Der Typ von der Tankstelle?!? Furchtbar geschrieben.

  • Wie kann die Ahmeds Frau nicht wissen, wie der Mann aussieht, der Ihren Ehemann halbtot geprügelt hat, wenn es vorher auch schon eine Verbindung zwischen den beiden gab?

  • Warum performt Linden einen kompletten one-eighty in Bezug auf ihren Ex-Mann?

  • Der ganze Fall war nicht wirklich interessant. Stereotyper Politiker mit düsterem Hintergrund, bei dem es am Ende keinen Unterschied macht, ob er es nun getan hat, oder eben nicht. Rosie Larsen - uninteressante Figur; der Mord - uninteressant; die verschiedenen Aspekte, die in die Story geworfen wurden um alles zu verkomplizieren - nicht wirklich interessant. Mit all dem konnte es kaum ein interessantes Finale geben.

  • Veena Sud erzählt in oben angesprochenem Interview etwas vonwegen ‘We are breaking the formula.’, wenn ihre Formel für jede Episode ist: Schau her! Der hier har Rosie umgebracht, um das zu Beginn der nächsten Folge zu entwerten, 30 Minuten mit uninteressantem Scheiß zu verschwenden und uns dann einen frischen roten Hering vor die Nase zu setzen. Wenn das ‘Konventionen brechen’ ist, will ich das in Zukunft nicht mehr haben.

Ich bin jedenfalls raus. Die zweite Staffel interessiert mich nicht mehr. Wenn sie es nichtmal schaffen mir nach 13h eine Antwort auf die Frage ‘Who killed Rosie Larsen?’ zu geben, will ich es später auch nicht mehr wissen. Dafür wurde auf dem Weg dahin viel zu viel falsch gemacht.

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