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Dexter

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Vor Kurzem begab ich mich auf die Reise, die da ist ‘DEXTER’ Staffel 1-5. Seit einigen Jahren herrscht dazu ja ein gewisser und stetig wachsender Buzz bei Serienliebhabern und Blogs. Es gibt wirklich hervorragende Memorabilia, Poster und Illustrationen, die immer mal wieder die Runde durch diverse Blogs machen. Das und die Prämisse haben mich schon immer etwas kurios gemacht, nur alleine die recht gemischten Reaktionen haben mich die Serie immer auf die lange Bank schieben lassen.

Die Prämisse: Dexter Morgan, seines Zeichens Forensiker bei der Miami-Metro Police am Tage und mördermordender Serienmörder bei Nacht.

Ziemlich compelling das Ganze, also losgeschaut.

Der Stammcast besteht aus Harry, Dexters verstorbenem Adoptivvater, Debra, seiner jüngeren Adoptivschwester und Polizistin, seiner Freundin Rita, die zwei Kinder hat und von ihrem Ex-Mann misshandelt wurde und die Polizisten in der Mordkommission Angelo Batista, Maria LaGuerta und Vince Masuka.

Man muss folgendes wissen. Dexter ist ein Superheld mit einer Superkraft. Er kann beliebig Menschen umbringen, ohne dass es an seinem Gewissen nagt. Das macht die Serie auf einer gewissen Metaebene ganz cool, so bekommt Dexter über die erste Staffel seine ‘Origin Story’, führt ein geheimes Doppelleben, hat einen bösen Gegenspieler und hin und wieder einen Sidekick. Serien wie ‘Lie To Me’ oder ‘The Mentalist’ haben auch einen Protagonisten mit einer Superkraft. Das macht die Serien nicht besser, denn es kommt nie wirklich Spannung auf, weil es fast nie eine echte Bedrohung für Dexter gibt. Ist ihm jemand auf der Spur, wird er eben umgebracht. Kein Problem. Das wird zwar zu Beginn (einer Staffel) immer etwas hinausgezögert, um Spannung aufzubauen, aber am Ende ist es immer das Gleiche. Dexter mordet sich aus jeder Nummer wieder raus.

Jede Staffel hat als großen Arc entweder einen Serienkiller, der in Miami sein Unwesen treibt und der von Dexter gejagt wird, oder jemanden der Dexter auf den Fersen ist. Das Ganze gepaart mit ein paar kleinere Mordfällen, wir sind ja schließlich in der Mordkommission, und diversem Beziehungsdrama zwischen Dexter und Rita, Debra und irgend einem Kerl und Sonstigen.

Das ist im Wesentlichen auch das Problem an der Ganzen Serie. Der große Arc rund um Dexter ist immer ganz spannend und so, aber alles andere ist zu sehr ‘by the numbers’. Drama wird immer genau dann erzeugt, wenn es gerade am besten passt, zur richtigen Zeit rufen Dexters Familie oder sein Job, nur um seine gut bewältigbare Situation möglichst ausweglos zu machen. Das frustrierendste an den ganzen Charakteren ist, dass sie ständig nen kompletten emotionalen ‘one-eighty’ hinlegen, ohne dass es einen wirklichen Grund gibt. Rita kann fürchterlich sauer auf Dexter sein, er muss nur einen richtigen Satz von sich geben und schon ist wieder alles in Ordnung, große Intrigen im Revier drehen sich zum Teil zweimal innerhalb einer Episode und selbst Dexter, der eigentlich starke Prinzipien hat und von seinem Vater einen unumstößlichen Satz an Regeln beigebracht bekam und zu keinen echten Emotionen in der Lage ist (zwar bekommt er über die Zeit in Grenzsituationen einige Ausbrüche und wird etwas emotionaler) wird in total ungerechtfertigten Situationen unkonzentriert und reitet sich dadurch tief in die Scheiße, um seine Superkraft ein wenig menschlicher aussehen zu lassen.

Überhaupt sind alle kleinen Handlungsstränge (abgesehen vom ‘big bad’) vollkommen unterentwickelt und dauern meist nur eine Folge (wenn überhaupt). Selten wird sich Zeit genommen Beziehungen zu entwickeln oder innere Zerrissenheit über einen längeren Zeitraum darzustellen. Einzige positive Ausnahme ist Debra, die ich in den ersten drei Staffeln nicht sehen konnte. Furchtbar war sie. Laut, ungehalten, krude, unglaubwürdig offen und viel zu sprunghaft. In den Staffeln 4 und 5 hat sie aber meiner Meinung nach eine hervorragende Entwicklung gemacht und wurde tatsächlich zu meiner liebsten Figur.

Was uns zu den Schauspielern bringt. Michael C. Hall, der den Dexter mimt, ist natürlich sehr gut (seine inneren Monologe haben einen schönen trockenen Witz) und kann die Serie alleine hervorragend tragen. Das muss er nur leider auch, denn besonders viel Hilfe bekommt er nicht. Lt. Maria LaGuerta (Lauren Vélez) ist furchtbar geschrieben und furchtbar gespielt. Mal ist sie die taffe Chefin des Departments, mal beste Freundin von Debra, dann ihre blinde Gegenspielerin, mal kontrollierende Frau von Batista, dann Schoßhündchen. Jedes mal unmotiviert, jedes mal furchtbar. Angel Batista (David Zayas) ganz genauso. Strenger Boss, bester Freund, eifersüchtiger Ehemann, Kontrollfreak. Und zum Teil ändert sich das von einer Folge zur nächsten. Dann Rita (Julie Benz). Eine furchtbare Fehlbesetzung. Nuschelt sich von Szene zu Szene, ist dermaßen unglaubwürdig in allem, was sie sagt und tut und ist fast noch belastender als Debra in den ersten drei Staffeln. Sie scheint nur dazu da zu sein, um in den richtigen Momenten mit den Augen zu rollen oder Dexter ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie alle verhalten sich in keinem Moment wie echte Menschen, sondern sind nur dramatisches Stilmittel der Autoren. Und das merkt man.

Lichtblicke sind eben Debra (Jennifer Carpenter), die sich wirklich gut entwickelt, Vince Masuka (C. S. Lee) als zweiter Forensiker im Team, der ein etwas unkonventioneller ‘Comic Relief’ ist und als Höhepunkt in der 5. Staffel Julia Stiles, die das Vergewaltigungsopfer Lumen spielt, die von Dexter gerettet wird und für die Staffel sein Sidekick ist.

Auch wenn ich hier ganz schön über die Serie abkacke, so habe ich sie immerhin durchgeschaut. Man kann es schnell durchschauen. Der Hauptplot ist interessant genug und die inneren Monologe Dexters wirklich auf den Punkt. Und es hilft, dass jede Staffel besser ist als ihr Vorgänger. Man sollte keine tiefen Gedanken oder riesige Spannung erwarten. Was mich sehr enttäuscht hat ist die fehlende Entwicklung der einzelnen Figuren. Immerhin waren jetzt 5 Staffeln Zeit, um jedem ein recht komplettes Gesicht zu geben. Wenn ich bedenke wie gut ich am Ende Tony Soprano oder die Figuren aus The Wire kannte, so wurde hier eine Menge Potential verschenkt. Ausserdem fühlte ich mich die ganze Zeit schlauer als die Serie. Ich war ihr immer zwei Schritte voraus und konnte meist erraten in welche Richtung sich die Staffel entwickelt.

Grundsätzlich spaltet die Serie sehr. Entweder man liebt oder hasst sie. Wem die Prämisse gefällt, sollte mal reinschauen und wenigstens die erste Staffel komplett durchschauen, um eine zusammenhängende Story gesehen zu haben. Gefällt einem die Struktur grundsätzlich nicht, so wird man nicht viel neues in den späteren Staffeln finden.

Dexter - Season 1 (Aff-Link)

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