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Binging the X-Files

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Sinn dieses Artikels soll sein, euch daran teilhaben zu lassen, wie ich erstmalig so richtig The X-Files schaue, denn das kann man auf unterschiedlichste Art und Weise tun.

Lange habe ich vor mir hergeschoben, nochmal ordentlich The X-Files zu schauen. Als die Serie damals im Fernsehen lief, habe ich zwar einiges gesehen, aber ich bin erst ziemlich spät eingestiegen und kann mich offen gesagt an fast gar nichts erinnern. Ein paar ikonografische Bilder und Figuren sind in meinem Kopf eingebrannt, aber das war’s dann schon.
Auch wenn mich die neue Mini-Serie nicht so recht interessiert – nach den ganzen miesen Reviews noch viel weniger- habe ich diese zum Anlass genommen,endlich das Phänomenen X-Files zu erleben.
Nun hat die Serie über 200 Episoden und wie man so hört ist da eine ganze Menge Schrott dabei, den man getrost auslassen kann, allein weil sie nicht zur übergreifenden Mythologie beitragen. Nur welche sind das? Ich konsultierte das Internet und fand ein paar Episode-Guides von denen zwei ganz sinnvoll aussahen und bekam per Twitter für die ersten sechs Staffeln eine Liste mit Episoden, die entweder wichtig oder besonders unterhaltsam sind. Diese Liste war quasi der Sanity-Check für die beiden anderen Guides und so erstellte ich mir meinen persönlichen Guide, der all das enthält, was ich gerne aus der Serie mitnehmen möchte.
Die einzelnen Folgen lassen sich in 3 Kategorien stecken.

  1. Mythologie
  2. Monster of the Week / Konzeptfolge
  3. Shipping

Nun kann sich jede aussuchen, was sie für ein Erlebnis mit den X-Files haben möchte. Nur die Verschwörungsgeschichte, die besten Einzelepisoden oder das Zwischenmenschliche zwischen Mulder und Scully.
Da es mir nur darum geht, keinen bedeutungslosen Quatsch zu schauen, sondern eine möglichst vollständige Erfahrung mit der Serie zu haben, nehme ich alle Episoden aus Kategorie 1 und die besten aus den anderen beiden Kategorien mit. Selbst damit kann ich ein gutes Drittel der Serie links liegen lassen.
Als Referenz für mich selbst und jede, die auch mir dem Gedanken spielt durch die Serie zu sausen, kommt hier der Episoden-Guide, dem ich folge. Dabei kennzeichne ich die jeweilige Folge mit ihrer Kategorie. Für die ersten zwei Staffeln hat sie mir jedenfalls bereits gute Dienste erwiesen. Um sicher zu gehen, dass die Folgen, die ich überspringe nichts taugen, habe ich etwa eine Handvoll davon geschaut und weiß nun, dass ich nichts verpasse.
Nebenbei höre ich den wunderbaren Podcast The X-Files Files, der sehr einsichtsreich, unterhaltsam und kurz ist und ebenso gute, begeisterungsfähige Gäste hat. Auch dieser Podcast überspringt (jedenfalls am Anfang) die schlechtesten Folgen und bespricht in jeder Episode zwei Folgen der Serie. Gefällt mir extrem gut.
Offen gesagt ist der Podcast für mich essenziell geworden, um mit diesem gemeinsam über das gesehene zu reflektieren und diesem so mehr Bedeutung zukommen zu lassen.
Da der Host der X-Files Files selber Schauspieler ist, hat er genügend Einfluss, um sehr spannende Gäste für dieses Projekt zu gewinnen. Er lädt Freunde, Journalisten und Schauspielkollegen ein so lange sie Fans der Serie sind und spricht mit etlichen Menschen, die in den X-Files involviert waren. Eine Auswahl der Gäste bisher waren Paul Scheer, Mark Snow, Glen Morgan, Dean Haglund, Kevin Smith, Emma Caulfield und Devin Faraci, die alle sehr offen reden und tolle Einsichten liefern.
In einer grandiosen Rubrik recherchiert Kumail Nanjiani die Diskussionen im Usenet aus der Woche, in der die Episode zuerst ausgestrahlt wurde und liefert so einmalige Einsichten, wie die Serie damals Rezipiert wurde. Durch diesen Podcast fühlt es sich fast so an, als ob man die Serie zu seiner Urausstrahlung schaut. Man ist Teil der Diskussion und schaut die Serie nicht im Vakuum.
Erwähnte ich, dass ich den Podcast unglaublich gut finde?

Gut. Nun also zum eigentlichen Sinn des Artikels.

Episode Guide

  • Mythologie (★)
  • Monster of the Week / Konzeptfolge (Ω)
  • Shipping (♥)

Season 1

Ep. . Kategorie . Name
1 ★/♥ Pilot
2 Deep Throat
3 Ω Squeeze
4 Ω Conduit
8 Ω/♥ Ice
10 ★/Ω Fallen Angel
11 Ω Eve
12 Ω/♥ Fire
13 Ω/♥ Beyond the Sea
17 ★/♥ E.B.E.
21 Ω Tooms
24 The Erlenmeyer Flask

Season 2

Ep. . Kategorie . Name
1 ★/♥ Little Green Men
2 Ω The Host
5 ★/♥ Duane Barry
6 ★/♥ Ascension
8 ★/♥ One Breath
9 Ω Firewalker
10 ★/Ω/♥ Red Museum
13 Ω/♥ Irresistible
16 Colony
17 End Game
20 Ω Humbug
25 Anasazi

Season 3

Ep. . Kategorie . Name
1 The Blessing Way
2 Paper Clip
3 Ω D.P.O.
4 Ω Clyde Bruckman’s Final Repose
8 Ω Oubliette
9 Nisei
10 731
12 Ω/♥ War of the Coprophages
13 Ω/♥ Syzygy
14 Ω Grotesque
15 Piper Maru
16 Apocrypha
17 Ω/♥ Pusher
20 Ω Jose Chung’s From Outer Space
21 Ω Avatar
22 Ω/♥ Quagmire
23 ★/♥ Wetwired
24 Talitha Cumi

Season 4

Ep. . Kategorie . Name
1 Herrenvolk
2 Ω Home
4 Ω Unruhe
5 Ω/♥ The Field Where I Died
7 ★/Ω Musings of a Cigarette Smoking Man
8 Tunguska
9 Terma
10 Ω Paper Hearts
12 Ω Leonard Betts
14 ★/♥ Memento Mori
15 Ω Kaddish
17 ★/♥ Tempus Fugit
18 Maxy
20 Ω/♥ Small Potatoes
21 ★/Ω Zero Sum
23 Demons
24 ★/♥ Gethsemane

Season 5

Ep. . Kategorie . Name
1 ★/♥ Redux
2 ★/♥ Redux II
3 ★/Ω Unusual Suspects
4 Detour
5 Ω/♥ The Post-Modern Prometheus
6 ★/♥ Christmas Carol
7 ★/♥ Emily
10 Chinga
12 Ω/♥ Bad Blood
13 Patient X
14 The Red and the Black
18 Ω The Pine Bluff Variant
19 Ω/♥ Folie à Deux
20 The End

The X-Files Movie

Season 6

Ep. . Kategorie . Name
1 The Beginning
2 Ω Drive
3 Triangle
4 Dreamland
5 Dreamland II
6 Ω/♥ How the Ghosts Stole Christmas
9 S.R. 819
10 Ω Tithonus
11 Two Fathers
12 One Son
14 Ω Monday
15 Arcadia
19 The Unnatural
20 Three of a Kind
21 Ω/♥ Field Trip
22 ★/♥ Biogenesis

Season 7

Ep. . Kategorie . Name
1 ★/♥ The Sixth Extinction
2 ★/♥ The Sixth Extinction II: Amor Fati
3 Ω Hungry
4 ★/♥ Millennium
6 Ω The Goldberg Variation
10 Sein und Zeit
11 Closure
12 Ω X-Cops
15 En Ami
17 all things
18 Ω Brand X
19 Ω/♥ Hollywood A.D.
21 Ω Je Souhaite
22 ★/♥ Requiem

Season 8

Ep. . Kategorie . Name
1 Within
2 Without
4 Ω Roadrunners
5 Invocation
6 Ω Redrum
11 The Gift
13 ★/♥ Per Manum
14 ★/♥ This Is Not Happening
15 ★/♥ Deadalive
16 Three Words
17 Empedocles
18 Vienen
20 ★/♥ Essence
21 ★/♥ Existence

Season 9

Ep. . Kategorie . Name
1 Nothing Important Happened Today
2 Nothing Important Happened Today II
6 ★/♥ Trust No 1
7 Ω John Doe
8 Ω Hellbound
9 Provenance
10 Providence
11 Ω Audrey Pauley
12 Ω Underneath
15 Jump the Shark
16 ★/♥ William
17 Release
18 Ω Sunshine Days
19/20 ★/♥ The Truth

The X-Files: I Want to Believe

Top 20 Movies - 2015

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Im Jahr 2015 habe ich 169 Filme gesehen, so viel wie noch nie zuvor, was sicherlich dem schwachen Fernsehprogramm sowie dem immer kleiner werdenden Stapel an ungesehenen Serienklassikern lag, und ich kann mich nicht beklagen. Ich habe wieder ein guten Händchen dabei bewiesen einen Bogen um Schrott zu machen — so sah ich nur 21 Filme, die ich mit einem Stern bewertet habe und 108 Filme, die ich gut bis herausragend wertete. Aber genauso wie 2014 waren nur wenige absolute Hochkaräter in der Auswahl, so dass es mir schwer fällt mich auf eine Top 10 zu beschränken, ohne eine Vielzahl kleinerer Perlen zu erwähnen.
Traditionell findet sich in meiner Bestenliste kein Action-Blockbuster. Das ist einfach nicht mein Genre, aber ich erwähne auch in diesem Jahr wieder einen solchen Film, den ich guten Gewissens empfehlen kann. Dieser ist auf Position 21 platziert.
Diese Liste enthält vier nicht englischsprachige Filme und 13 Filme, die mit einem Budget von teils merklich unter $7Mio ausgekommen sind. Es gibt hier also viele kleine Filme zu entdecken, die großes leisten. Also dann…

Ich habe habe mich mal an Videoschnitt versucht und diese Jahresbestenliste auch in einen Video-Countdown gegossen, den ich sehr unterhaltsam finde, wenn er auch etwas lang geworden ist. Schaut doch mal rein.

Top 20 Movies of 2015 from die_krabbe on Vimeo.

Top 20

  1. Ex Machina – Ich habe mich in diesem Jahr etwas mehr mit AI und machine learning auseinandergesetzt und Ex Machina greift eine von vielen Möglichkeiten einer künstlichen Intelligenz auf.
    So verchieden die unterschiedlichen Formen einer KI realisiert werden können und wie groß der Unterschied der Konsequenzen derer sein können, so liegt doch allen Theorien über das Verhalten von künstlichen Intelligenzen eine Gemeinsamkeit zu Grunde. Das eigene Überleben zu sichern.
    Während die beiden männlichen (und menschlichen) Protagonisten (Domnhall Gleeson, Oscar Isaac) noch Kindergeburtstag spielen und einen schnöden Turing-Test an der im Robotoerkörper von Alicia Vikander gespeicherten KI machen, ist diese schon mehrere Schritte weiter…
    Von der ersten Sekunde an fing mich das Sounddesign und der Soundtrack ein, die kalte Location gepaart mit dem betörenden Schauspiel Vikanders tat dann ihr übriges und bezauberte mich.
  2. Whiplash – Ich weiß wohl, dass dieser Film verschiedene Schwächen hat, aber wenn es da einen Film gibt, der mich als Liebhaber von Musik und Filmen über Methodik und Prozesse in einen Jazz-Proberaum an einem Konservatorium steckt, in dem JK Simmons sein Unwesen treibt und mich der Film gleichzeitig mit dem Fuß wippen lässt und in Angst und Schrecken versetzt, dann tut es mir Leid, aber dann ist es um mich geschehen.
  3. Bande de filles (Girlhood) – Eine Sensation von einem Film, der im sozielen Wohnungsbauprojekt am Rande von Paris spielt und ein Mädchen im Zentrum hat, das aus fürchterlichen familiären Verhältnissen stammt und ihren Halt in einer Mädchengang findet.
    Ein wundervoller Film voll Schönheit, Agression, Sanftheit und Style. Ich bin bis über beide Ohren verliebt.
  4. Victoria – Ein spanisches Mädchen, das eines Nachts alleine feiernd in Berlin unterwegs ist trifft vier Jungs, die ihr einen Teil von ihrem Berlin zeigen, bis sie in eine ganz hahnebüchene Geschichte gerät.
    Das technische Alleinstellungsmerkmal dieses Filmes, der tatsächlich in einem Take aufgenommen wurde, hilft der Spannung und der geografischen Verortung ungemein. Alle Emotionen, die man während einer Szene spürt, werden durch den fehlenden Schnitt intensiviert und irgendwie fühlt sich der ganze Film ungemütlich an, was seinem Kernplot nur hilft.
    In zweieinhalb Stunden wird man auf eine erzählerische, wie emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen und muss im Anschluss ersteinmal eine Weile verschnaufen.
  5. The Diary of a Teenage Girl – Es gab ein paar echt schöne Liebesgeschichten in diesem Jahr, von denen sich auch ein paar auf dieser Liste wiederfinden, aber alle können im Gegensatz zu Diary of a Teenage Girl einpacken und wieder nach Hause fahren.
    Der Film spielt 1973 und beginnt mit einem 15 jährigen Mädchen, das gerade zum erstem Mal Sex hatte und ganz beschwingt und über das ganze Gesicht grinsend durch einen sonnendurchfluteten Park schlendert. Sex hatte sie mit dem Freund ihrer Mutter und ihr folgendes sexuelles Erwachen, die Auseinandersetzung mit ihrem Körper und ihrem sozialen Umfeld dokumentiert sie in ihrem Tagebuch.
    Dieser coming of age Film stellt ausgelutschte Tropen des Genres auf den Kopf, indem er erzählt, wie ein Mädchen ihre Sexualität voller Enthusiasmus erforscht, ohne dass es zu mittelschweren Katastrophen kommen muss. Diese Geschichten bekommen leider nur männliche Protagonisten übergeholfen und allein deshalb ist Diary of a Teenage Girl ein erfrischender und vor allem wichtiger Film. Obwohl Minnies Entscheidungen nicht immer besonders wohldurchdacht sind und ihr Partner vollkommen unangemessen ist, so ist das aber egal, denn sie trifft die Entscheidungen, sie hat Spaß am Sex und sie nimmt sich den für sie bestmöglichen Sex. Das Resultat ist ein aufschlussreicher und verstörender, komischer und trauriger, süßer und beängstigender Film. Ganz unbedingt schauen und euren Cousinen, Nichten, Töchtern und Schwestern in die Hand drücken.
  6. A Girl Walks Home Alone at Night – Ein iranischer Vampirfilm, den man kaum in ein paar Sätzen adäquat beschreiben kann. Es ist ein wunderschöner, düsterer, verstörender Schwarzweißfilm, der sich eine Menge visueller Inspirationen einschlägiger Genreklassiker holt, dabei aber immer eine eigene Sprache spricht und mit seiner romantischen Liebesgeschichte zu betören weiß.
  7. Love & Mercy – Komischerweise hat in diesem Jahr kaum jemand über das Biopic Brian Wilsons über die Schaffensphase von Pet Sounds sowie seiner 20 Jahre späteren Zeit als gebrochener Mann der von einem extrem missbräuchlichen Therapeuten kontrolliert wird, gesprochen. Die beiden Versionen Wilsons werden ähnlich hervorragend von Paul Dano und John Cusack gespielt, die Aufnahmesessions sind sehr gut recherchiert und umgesetzt und Wilsons psychische Störung wird so fragil eingefangen, dass am Ende ein sehr unterhaltsamer, berührender und herzzerreißender Film übrig bleibt.
  8. Clouds of Sils Maria – Ein wundervoller Film, in dem sich Juliette Binoche und Kristen Stewart von oben bis unten aneinander abspielen dürfen.
  9. Inside Out – Ein Film, der in die Gefühlswelt von heranwachsenden taucht, dabei mal eben ein neues Vokabular zur Kommunikation zwischen Eltern und Kindern schafft, eine unglaublich einfache Bildsprache findet, vor ausgezeichneten Ideen nur so strotzt, ganz nebenbei etwas wichtiges zu erzählen hat und einen zwischen Gefühlsextremen von komisch und traurig behutsam hin und her schleudert.
    Ein ganz toller Film, der gerne die 20 Minuten konsequenzlosen Achterbahnfahrens hätte weglassen können.
  10. Левиафан (Leviathan) – Ein russisches Drama biblischer Größe, angereichert mit politischen Allegorien und einem fantastisch einsamen landschaftlichen Setting, das man einfach gesehen haben sollte.
  11. Sicario – Toll besetzt und ebenso gespielter Thriller über den amerikanischen Kampf gegen Drogenkartells, dessen Story nicht besonders originell ist, aber in seiner Stringenz, Direktion und allen technischen Aspekten zu überzeugen weiß. Kein anderer Film wusste es in seinen Actionsequenzen so eine Spannung aufrecht zu erhalten und so bedächtig Informationen an seine Zuschauer mitzuteilen. So gut ich die erzählerische Stringenz empfand, dass die von Emily Blunt gespielte FBI-Agentin nur ein Teil dieser Task Force ist, um dem Einsatz im Ausland zu legitimisieren und sie sonst ineffektiv am Rand stehen zu lassen, so bleibt sie doch zu blass, um ihrer gerecht zu werden.
  12. Carol – Eine wunderhübsch fotografierte Liebesgeschichte in den fünfziger Jahren zwischen der ungleichen Paarung bestehend aus Cate Blanchett und Rooney Mara macht zwar irgendwie alles richtig, funktionierte aber vor allem auf emotionaler Ebene nur mittelmäßig.
  13. Listen Up Philip – Philip Lewis Friedman (der mit vollem Einsatz von Jason Schwartzman gespielt wird) ist Schriftsteller und mag keine Menschen. Auch nicht seine langjährige Freundin (die tolle Elizabeth Moss). Das ist auch so ziemlich die einzige Konstante in diesem Film, denn einen richtigen Plot gibt es nicht. Eher begleiten wir verschiedene Figuren bei nicht immer kohärenten Mini-Episoden, in denen es eher darum geht verschiedenste menschliche Facetten einzufangen, die entweder feindselig, abstoßend, geistreich, emotional, provozierend oder schroff sind. Das komödiantische Auge, mit dem Alex Ross Perry diese Szenen jedoch einfängt entlohnt den Zuschauer jedes Mal und man merkt, dass all die Negativität und Wut auch seinen Platz haben kann und hier wirklich fein ausgelotet ist.
  14. Heaven Knows What – Arielle Holmes ist eine ehemals Heroinabhängige, die von dem Filmemacherbrüderpaar Josh und Benny Safdie in New York entdeckt wird und Arielle Holmes dazu ermutigen, ihre Geschichte aufzuschreiben. Dieses Buch adaptierten die Safdie Brüder zu dem brachialen Drogenfilm Heaven Knows What, in dem sie die Autorin für die Rolle ihrer fiktionalisierten selbst — namens Harley — casten.
    Der Film handelt im wesentlichen von Harleys Sucht nach Drogen und ihrem mit-Junkie Ilya, dem sie gnadenlos verfallen ist, ist dabei kmpromisslos und ungemütlich wie kaum ein zweiter und Holmes Fähigkeit von einem Moment zum nächsten zwischen distanziert und leidenschaftlich zu wechseln, macht sie zu einem vortrefflichen Kameraobjekt. Auch wenn es ganz schön weh tut.
  15. 45 Years – Beziehungsfilme gibt es viele. Ehrliche Beziehungsfilme eher selten und nach Filmen, die erst 45 Jahre nach dem Beginn der Beziehung einsetzen, muss man schon ganz schön suchen.
    45 Years untersucht, wie unausgesprochene Geheimnisse eine solide Beziehung zum Bröckeln bringen können und Eifersucht gegenüber lang verflossener Liebe auslösen kann. Ein wundervoll beobachtender und leiser Film.
  16. Tangerine – Leise ist in Tangerine mal gar nichts. In dieser — auf einem gepimpten iPhone gedrehten — Studie über transgender Sexarbeiter in Los Angeles geht es heiß her. Eine Prostituierte, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, erfährt von ihrem Zuhälter betrogen worden zu sein und sucht die Konfrontation, ihre beste Freundin steht ihr dabei zur Seite und gemeinsam düsen sie durch die Stadt, auf der Suche nach dem Zuhälter und der Frau, mit der er sie betrogen hat, während sie eine Spur der Verwüstung hinter sich her ziehen.
    Am meisten beeindruckte mich die Menschlichkeit, Freundschaft und der Zusammenhalt in dieser subkulturellen Gemeinschaft, die sich immer ehrlich und nie aufgesetzt anfühlt. Zudem ist der Film einfach saukomisch.
  17. The Overnight – Wenn man Kinder bekommt passieren ein paar komische Dinge. Eins dieser komischen Dinge ist, dass man plötzlich neue Freunde bekommt.
    Adam Scott und Taylor Schilling lernen auf dem Kinderspielplatz den offensiven Vater eines anderen Kindes kennen (Jason Schwartzman), der die beiden samt Kind zum Abendessen zu sich nach Hause einlädt. Währen die Kinder irgendwo mit sich beschäftigt sind, lernen sich die beiden Ehepaare kennen, wobei die Gastgeber recht offensiv mit ihren Vorlieben und Hobbies umgehen, die beiden Gäste sich jedoch eher bedeckt halten.
    Flasche um Flasche Wein wird geleert und so entscheiden sie sich nach dem Abendessen nicht auseinander zu gehen, sondern noch etwas zu bleiben…
    Wer ungemütliche Komödien mag, solle reinschauen.
  18. AMY – Diese Dokumentation, die volltändig mit Archivmaterial auskommt, erzählt das Leben von Amy Winehouse mit Bildern aus privaten Kameras, Fernsehbeiträgen und Paparazziaufnahmen von ihren ersten musikalischen Schritten bis zu ihrem letzten Tag, gewinnt dabei intime Einblicke in ihre Gefühlswelt und wo die Texte zu ihren Songs herkommen.
    Mich berührte an AMY zutiefst, dass man einer zerbrechlichen jungen Frau, die von Anfang an wusste, dass sie mit Ruhm nicht klarkommen würde, dabei zusehen kann, wie genau das passiert.
    Und am Ende fühlt man sich selbst als Teil des Problems.
  19. While We’re YoungNoah Baumbach hat ja immer was treffendes über die Menschen zu sagen. So auch hier, wenn ein kinderloses Ehepaar in ihren Vierzigern auf ein Hipsterpärchen trifft und diese befreundet. Ein brilliant beobachteter Film, mit viel Wahrheit und einer Menge Anerkennung für beide Seiten, ohne auch nur eine Möglichkeit auszulassen, sich über alle Beteiligten lustig zu machen.
  20. A Most Violent Year – Faszinierenderweise ist dies kein episches Gangsterdrama, sondern ein leiser, eiskalter Film über einen Mann (Oscar Isaac), der sein Business ausbauen möchte, ohne dabei in die Kriminalität abzudriften, auch wenn ihm seine Umgebung nicht wirklich eine Wahl lässt.
  21. Mad Max: Fury Road – Den erstbesten Platz außerhalb meiner regülären Liste nimmt traditionell der beste Actionfilm des Jahres ein, da ich mit dem Genre an sich nicht viel anfangen kann und es ein solcher Film eh nie in irgendeine Top-Liste von mir schaffen kann.
    Aber in diesem Jahr kann es keine Diskussion darüber geben, welcher Film diesen Platz verdient. Mad Max ist visuell extrem erfindungsreich, kommt angenehmerweise ohne aktives world-building und nur einem Sandkorn an Plot aus, entwickelt dabei aber eine Welt, von der man alles weiß, was man wissen muss, Figuren, die ein wohldefiniertes Ziel haben und eine Actionheldin ohne darum viel Aufsehen zu erregen. So muss Action sein, so sehe ich Action gerne.

Top 20 TV Shows - 2015

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Glücklicherweise hat dieses Serienjahr verdammt gut begonnen, denn was dieser Herbst zu bieten hatte, war offen gesagt ganz schön peinlich. Nichtsdestotrotz kamen 20 Serien in diesem Jahr zusammen, die ich wirklich gerne gesehen habe.
Sollte ich eine davon herauspicken müssen, die ich euch besonders ans Herz legen soll, so wäre dies das Kleinod Going Deep with David Rees, von dem wahrscheinlich die wenigsten gehört haben.

Stöbert, nehmt Anregungen mit und lasst eure Meinung da.

  1. Mad Men S07.2 – Die finalen sieben Episoden der letzten Serie des goldenen Fernsehzeitalters explorierten unbeschrittenes Territorium, brachten mich an emotionale Abgründe und ließen mich laut jubeln. Ein wahrlich würdevoller Abschluss einer großartigen Serie.

  2. Fargo S02 – Das Prequel zur in Staffel eins erzähten Geschichte löst sich nun inhaltlich vollständig von der filmischen Vorlage, behält jedoch einiges dessen Formalismus bei, was wesentlich zum hohen Unterhaltungswert beiträgt.
    In dieser Staffel befinden wir uns mitten in einem Bandenkrieg in den 70ern, treffen ein paar bekannte Gesichter wieder und lernen neue vorzügliche Bösewichter, verschrobene Nebentäter und unerwarterte Zuschauer kennen.
    Auch diese Staffel ist wieder blutig, komisch und spannend und etwas besser, als ihre erste Iteration.

  3. The Americans S03 – Staffel drei bietet uns gewohnte Großartigkeit, wie die spannenden Einsätz unserer Spione und vielschichtigen Familiendynamik, schafft aber das, woran so viele andere scheitern — sie schöpfen ganz tolles Drama aus der Tochter des Spionenpaars. Ich bin sehr gespannt, wohin sich das noch entwickelt.

  4. Rectify S03 – Auch Rectify überrascht niemanden mehr mit seiner Großartigkeit. Wer diese glazial erzählte Meditation auf sozialer Reintegration nach der Freilassung eines nach vielen Jahren wegen Mordes unschuldig Eingesperrten mochte, bekommt hier gleichbleibend gute Unterhaltung feilgeboten.
  5. Togetherness S01 – Es gibt wenige Serien, die an jeder Stelle die richtige Entscheidung treffen, treffend beobachten, warmherzig, traurig und komisch sind, dabei eine Geschichte von Bedeutung erzählen und gut gespielt sind. Den Duplass Brüdern gelingt mit Togetherness genau das. Ein wundervolles Kleinod.
  6. Going Deep with David Rees S02 – Die lustigste Serie war für mich in diesem Jahr ohne Frage diese How to Show, die sich mit ganz alltäglichen Fragestellungen wie “How to Flip a Coin”, “How to take a Nap” oder “How to Make Toast” beschäftigt. Dazu bricht David Rees die Frage in all ihre Teilkomponenten runter, spricht dazu mit Experten und kann am Ende der 20 Minuten die eingangs gestellte Frage zufriedenstellend beantworten.
    Die Sendung funktioniert aber nur deshalb so gut, weil der Host so in der Thematik aufgeht und jeden einzelnen Schritt wirklich sehr aufregend findet. Zudem sind er und seine Gäste extrem charmant.
  7. Making a MurdererSerial machte ausladend erzählte Geschichten über Kriminalfälle salongfähig und so war es nur eine Frage der Zeit, bis solche Stoffe auch fürs Fernsehen ein grünes Licht bzw. exponierte Sendeplätze bekamen. Die nächsten beiden Plätze dieser Liste sind herausragende Beispiele dafür und wer mit solchen Geschichten etwas anfangen kann, sollte sich diese nicht entgehen lassen.
    Making a Murderer erzählt die Geschichte von dem aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Steven Avery, der 1985 für Vergewaltigung und schwere Körperverletzung zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde und nach 18 Jahren durch die fortgeschrittene DNA-Analysen entlastet werden konnte und freigesprochen wurde. Kurz nachdem Avery eine Zivilklage anstrengte wurde er wegen Mordes verhaftet und angeklagt. Making a Murderer legt diesen Fall auf hahnebüchene Weise offen, präsentiert auf wunderbare Weise die Fakten und führt uns so mit sicherer Hand durch Averys Leben.
  8. The Jinx – Das inhärente Thema von Making a Murderer ist poor people always loose wogegen hier eher gilt money always wins.
    The Jinx erzählt in etwas knackigeren sechs Episoden den Mord, den Robert Durst begangen haben soll, gewinnt diesen als Verbündeten des Filmemachers, der wiederum in der Lage ist Durst in die Ecke zu drängen.
    Sehr aufwühlend.
  9. The Great British Bake Off S06 – Jau. Eine Back-Sendung schafft es dieses Jahr in meine Top 10. Wir alle kennen die amerikanischen Kochwettbewerbssendungen wie Top Chef, Hell’s Kitchen oder MasterChef. Sie sind laut, aggressiv geschnitten, voller künstlichem Drama und zugestopft mit Product Placement. The Great British Bake Off kommt nicht aus Amerika und geht einen vollkommen anderen Weg. Mitten im Grünen steht ein großes Zelt, in dem liebevolle Hosts und Juroren den Hobby-Bäckern jede Woche drei Back-Aufgaben stellen und wir dürfen ihnen dabei über die Schulter schauen, wie sie wiegen, rühren, backen und dekorieren. Dabei plänkelt entspannte Musik im Hintergrund, die Kandidaten mögen und helfen sich gegenseitig, alle haben sichtlichen Spaß dabei und diese Freude transportiert sich wunderbar durch die Mattscheibe ins heimische Wohnzimmer. Es freut mich sehr, dass Charme und Leidenschaft in jeder Hinsicht besseres Fernsehen schafft als Drama und Action.
  10. Better Call Saul – Wer den verschrobenen Humor von Braking Bad mochte, bekommt mit Better Call Saul einen Spin-Off mit genau diesem Fokus, schaffte sich schnell sein eigenes Fleckchen in der Fernsehlandschaft und war weit besser, als man es erwarten konnte.
  11. The Chair – Ein Skript, zwei Regisseure, die noch nie einen Langfilm machten, kleines Budget und eine Reality TV Show, die beide Filmteams von der ersten bis zur letzten Sekunde begleitet. Wer sich auch nur im entferntesten für das Filmemachen interessiert, kommt an diesem herausragenden Format nicht vorbei. Die beiden Filme, die daraus jedoch entstanden sind, sind jedoch ganz große Scheiße.
  12. The Affair S02 – Ich mag The Affair. The Affair war letztes Jahr in meiner Top 5. The Affair wäre so viel besser, wenn der Plot nicht so unnötig verworren wäre und die Protagonisten nicht ständig die dämlichsten Entscheidungen träfen, um billiges Drame zu erzeugen. Wenn man diese Punkte ausblendet, ist The Affair nach wie vor ganz großes Kino, das all meine Knöpfe drückt, viel zu sagen hat und einfach brilliant besetzt ist.
  13. Show me a Hero – Wenn David Simon neuen Stoff ins Fernsehen bringt, stehe ich auf der Matte und auch Show me a Hero enttäuschte mich nicht. Die Miniserie nimmt sich der wahren Geschichte um einen Bezirk der Mittelschicht in Yonkers, New York an, in dem ein soziales Wohnungsbauprojekt geplant ist. Simon zeigt dies aus der Perspektive des kandidierenden Bürgermeisters (Oscar Isaac), Familien, die diese Wohnungen beziehen wollen und den Anwohnern des Bezirks. So schwierig es ist den politischen Prozess unterhaltsam einzufangen, so gelingt David Simon sicherlich die bestmögliche Version dieses Stoffes.
  14. You’re the Worst S02 – Was in Staffel eins als krude und saukomische Pärchenkomödie begann, entwickelte sich in dieser Staffel zu einer ehrlichen Studie über Depression in der Partnerschaft. Bravo!
  15. Louie S05 – Wie gewohnt darf sich Louis CK hier vollkommen austoben. Wie gewohnt ist das immer interessant, meist gut und manchmal aufregend.
  16. Bloodline – Ein Familiendrama als absoluter slow burn, der eine Weile braucht, um in Gang zu kommen, einen immer durch grandioses Schauspiel bei der Stange hält und ein tolles Ende bereit hält.
  17. Chef’s Table – Eine sechsteilige Dokumentation, die sich in jeder Folge einen herausragenden Koch und dessen Philosophie zum Thema nimmt. Atemberaubende Bilder, spannende Protagonisten und tolle Geschichten.
  18. Last Week Tonight with John Oliver – Wie gewohnt fasst John Oliver die Themen der Woche und eins was ihm am Herzen liegt nicht immer unoberflächlich aber stets unterhaltsam zusammen. Gerade wenn einem eines dieser Hauptthemen fremd ist, bietet Oliver einen pointierten Einstieg.
  19. The Good Wife S07 – Nach sehr schwacher vorheriger Staffel fing sich das einzige Court-Room-Drama, das man sehen kann, stellt Alicia neue Partner zur Seite und weiß wieder gewohnt gut zu unterhalten.
  20. Unreal – Eine fiktive Serie, die hinter den Kulissen eines Bachelor-Verschnitts spielt, stellt den Wahnsinn einer solchen Produktion über etwa die Hälfte ihrer Laufzeit ganz vorzüglich dar.

Aktuelle Podcastabos

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Vor einem halben Jahr habe ich mich ja über die Podcastlandschaft beschwert (The State of Podcasting) und bin noch meine aktuellen Abos schuldig.
Hier also alle Podcasts, die ich aktuell im Abo habe. Anbei die ungefähe Laufzeit, eine Kurzbeschreibung und jeweils ein paar Dinge, die ich daran mag und nicht so mag.

  • 99% Invisible – Widmet sich pro Folge einem Thema. Ist thematisch nicht wirklich festgelegt. (~20min/Ep)
    • pro: herausragend produziert, kommt direkt zum Punkt
    • con: nicht immer interessant
  • Barbell Shrugged – Drei Jungs quatschen über Fitness im Allgemeinen und Gewichtheben im Speziellen und laden häufig Gäste ein. (60-90min/Ep)
    • pro: hohe Energie der Hosts, die viel Ahnung haben, teils sehr fokussiert auf kleine Teilbereiche des Gewichthebens
    • con: zu sehr Werbeveranstaltung für ihr eigenes Fitnessprogramm, teils zu speziell für meinen persönlichen Geschmack
  • Planet Money – Widmet sich pro Folge einem Thema aus dem Bereich der Wirtschaft. (~20min/Ep)
    • pro: kurz, knackig, gut recherchiert und produziert
    • con: nicht jedes Thema hat eine besondere Tiefe oder ist sonderlich interessant
  • The /Filmcast – 3 Hosts reden erst kurz daruber, was sie alles in der letzten Woche gesehen haben, gefolgt von Filmnews und am Ende ein ausführliches Filmreview mit geteiltem Spoilerteil. (~60-90min/Ep)
    • pro: Die drei sind immer bestens gelaunt, schauen auch obskure Sachen, so dass man auch eine Menge neues kennenlernt, das Format ist gut abgehangen, knackig und immer unterhaltsam. Häufig gibt es Bonusepisoden, bei denen Filmemacher zu Gast sind oder Serien besprochen werden.
    • con: Einer der Hosts hat einen sehr zweifelhaften Geschmack und findet alles total supi, in der Mitte gibt es einen zu langen Werbeblock, den sie wenigstens versuchen unterhaltsam zu machen und zwischendurch werden immer wieder anonymisierte Spender vorgelesen.
  • 5by5 at the Movies – Dan Benjamin hat ganz selten mal einen Host seiner anderen Shows zu Gast um über einen Film zu reden, der ihnen sehr am Herzen liegt. Es gibt erst drei Episoden (seit 3,5 Jahren), aber diejenigen die es gibt, sind toll. (3h und mehr/Ep.)
    • pro: Siracusa über Goodfellas, Merlin über The Big Lebowski
    • con: nix.
  • 1337@kultur:~$ – Maha redet mit einem Gast über ein Thema aus der Nerdkultur. (2-3h/Ep)
    • pro: Themen, zu denen man sonst fast nie etwas hört.
    • con: Viel zu lang, viel zu viele Gesprächspausen, ein zu oft abwesend wirkender und unkonzentrierter Host, der offenbar damit überfordert ist neben Pflege der Shownotes während der Aufnahme und Recherche im Netz ein interessiertes Gespräch zu führen. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Daher habe ich es gerade mal geschafft eine Handvoll Episoden zu hören.
  • A Cast of Kings – A Game of Thrones Podcast – Während eine Staffel Game of Thrones im Fernsehen läuft erscheint zu jeder Folge eine Podcastepisode, um diese zu besprechen. Dies tut der Host des /Filmcast Dave Chen, der keins der Bücher gelesen hat gemeinsam mit Joanna Robinson, die alle Bücher mehrmals gelesen hat und dadurch viel zu erzählen hat. (~1h/Ep)
    • pro: Keine Spoiler für weitere Buchentwicklungen, gute Dynamik zwischen den Hosts.
    • con: Regelmäßiges vorlesen der ganzen Kickstarter Backer.
  • A STORM OF SPOILERS – Während eine Staffel Game of Thrones im Fernsehen läuft erscheint zu jeder Folge eine Podcastepisode, um diese zu besprechen. Dabei sind drei Hosts, von denen zwei die Bücher gelesen haben und einer nicht. Im Gegensatz zu A Cast of Kings ist dieser Podcast jedoch voller Spoiler, Spekulationen und wahnwitzigen Theorien. Ein Heidenspaß. Dieser Podcast ist eigentlich der einzige Grund, warum ich die Serie überhaupt noch sehe. (~1h/Ep.)
    • pro: Spoiler ohne Ende, Begeisterung für die Bücher, viel Humor und man merkt den Hosts an, dass sie totale Lust auf den Podcast haben und jede — noch so aberwitzige — Theorie auszudiskutieren.
    • con: Audioqualität.
  • Alternativlos – Frank und Fefe reden meist über Politik oder Technik.
    • pro: Tiefgang, Themenvarianz, Vorbereitung, gute Laune, unregelmäßiges Erscheinen.
    • con: unregelmäßiges Erscheinen, stundenlanges entschuldigen für unregelmäßiges Erscheinen.
  • Cocktailpodcast – Die Jungs vom Sneakpod nehmen sich pro Episode ein Thema/Drink/Spirituose vor. (1-2h/Ep.)
    • pro: Die wissen wovon sie reden.
    • con: leider sehr seltene neue Episoden.
  • Bildungstrinken – Der Barchef von Le Lion Jörg Meyer und der Moeffju nehmen sich pro Episode ein Thema/Drink/Spirituose vor oder besuchen eine Bar. (~1h/Ep.)
    • pro: Der Herr Meyer weiß wovon er redet und ist eloquent und der Moeffju stellt gute Fragen. Gute Chemie zwischen den beiden.
    • con: nix.
  • Cortex – Myke Hurley lässt sich von CGP Grey — einem Youtube Star — erzählen, wie dieser arbeitet. (~1h/Ep.)
    • pro: Interessante Personen machen interessanes Hörfutter und ich finde Grey interessant.
    • Werbung.
  • CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft – Onkel Pritlove erklärt mit Gästen die Welt. (So lange wie es dauert)
    • pro: Ein Thema dauer so lang es eben dauert, gute Vor- und Nachbereitung, umfassende Shownotes, meist herausragende Gäste.
    • con: Hat insgesamt massiv nachgelassen, so dass es kaum stört, dass der Podcast so selten erscheint. Aber es gibt ja einen extrem guten Katalog mit vielen alten Folgen, die noch immer relevant sind.
  • Das E&U-Gespräch – Benjamin und Markus stellen pro Episode je ein Thema aus ernster und unterhaltsamer Kultur vor. (60-90min/Ep.)
    • pro: Themen, von denen man sonst nichts erzählt bekommt, viel Kunst, aber auch Literatur und Musik. Mal mehr…
    • con: … mal weniger kompetent.
  • Dot Grid – Nerd Uprising – Zu zweit wird über die Schnittstelle zwischen analog und digital gesprochen. (~1h/Ep.)
    • pro: interessante Themen
    • con: kaum Tiefgang und schlechtes Audio
  • The Erasable Podcast – Drei Jungs reden über Bleistifte und allem drumherum. Ja, wirklich, über Bleistifte. (~90min/Ep.)
    • pro: Die Quintessenz von Special-Interest-Content. Sie senden nur, wenn sie Lust und etwas zu erzählen haben.
    • con: Das Thema ist langsam ausgereizt (aktuell ist Folge 36), schlechte Audioqualität.
  • Filmspotting – Ein Urgestein der Filmpodcastlandschaft. Es geht um einen Film pro Folge und diverses drumherum (meist eine Top5, die thematisch passt). (~1h/Ep.)
    • pro: Viel Meinung und Eloquenz, Filmmarathons zu Filmemachern, obskure Filme, sehr gute Gäste.
    • con: Zu viel Quatsch und Werbung um den interessanten Inhalt herum. Zum Glück gibt es Timecodes.
  • Firewall & Iceberg Podcast – Der einzige vertrauenswürdige Serienpodcast. (~90min/Ep.)
    • pro: Es gibt keinen besseren.
    • con: Audioqualität und Technikprobleme und in ein paar Wochen ist der Podcast leider vorbei. heul
  • Fokus Europa – Onkel Pritlove erklärt Europa. (1-2h/Ep.)
    • pro: Sehr gute Gäste und sehr gute Vorbereitung.
    • con: Nicht jedes Thema interessiert mich (aber das ist schon ok so).
  • Freak Show – Der letzte Podcast über Technik, den ich noch höre, um überhaupt noch etwas mitzubekommen. Glücklicherweise ist der News-Anteil eher gering und es geht eher darum, was die 3-5 Hosts in ihrem technischen Leben so bewegt. (~4h/Ep.)
    • pro: Hohe thematische Varianz, viel Spaß und Energie in der ersten Hälfte der Sendung.
    • con: Wenig Spaß und Energie in der zweiten Hälfte der Sendung, viel tote Luft, zu lang, zu viele technische Schwierigkeiten.
  • Fuzzy Typewriter – A podcast about storytelling and storytellers, wie sie sich selber beschreiben. Abgesehen davon sind sie nicht festgelegt. Mal begleiten sie eine Serienstaffel, mal schauen sie eine Filmreihe oder besprechen Bücher. (~1h/Ep.)
    • pro: Sehr unregelmäßig und nur, wenn sie Lust auf ein Thema haben, gute Einsichten.
    • con: Schon sehr lange nichts neues mehr.
  • The Incomperable – Panelshow über Film, Fernsehen, Videospiele und Bücher. (~2h/Ep.)
    • pro: Manchmal sehr interessante Themen.
    • con: Zu viele Gäste, Werbung, zu selten interessante Themen.
  • Inquisitive – In der aktuellen Staffel redet Myke Hurley mit jeweils einem Gast über dessen Lieblingsalbum. Das ist ganz famos toll. (~1h/Ep.)
    • pro: Man lernt neue Musik oder neue Seiten an bekannter Musik kennen. Mein aktueller Lieblingspodcast.
    • con: Werbung.
  • Invisibilia – Zwei Frauen (Lulu und Alix) erzählen Geschichten im Stil von This American Life. (30-60min/Ep.)
    • pro: Toll produziert, Frauen.
    • con: Seit Februar nichts neues.
  • Kiezrekorder – Der feine Herr Semak macht kurze Portraits über Menschen aus Berlin. (~15min/Ep.)
    • pro: Sehr persönlich über Menschen, von denen man sonst nichts hört.
    • con: nix.
  • kleinercast – der podcast von kleinerdrei – Das neueste Abo in meiner Liste. Macht einen sehr sympatischen ersten Eindruck.
    • pro: Frauen
    • con: noch nix
  • Küchenradio – Philipp Banse und Konsorten reden in wechselnden Grüppchen, mit Gästen oder vor Ort über alles Mögliche. (~2h/Ep.)
    • pro: Sehr abwechslungsreich und sehr oft interessant.
    • con: Eigentlich nichts, es ist nur nicht immer was für mich dabei, so dass ich auch einige Episoden auslasse.
  • Medienradio – Philipp Banse redet mit Gästen über alles Mögliche mit Schwerpunkt Medien. (~2h/Ep.)
    • pro: Sehr gute Gäste, tolle Themenvarianz, die mich fast immer interessiert.
    • con: Selten nicht mit der Tiefe, die ich mir erhoffe.
  • monoxyd » [ohm] – Monoxyd und Erdgeist sprechen ab und zu über politisches oder technisches. (1-2h/Ep.)
    • pro: Machen nur dann einen Podcast, wenn sie etwas haben, worüber sie reden wollen.
    • con: Durch technische Probleme gehen ab und zu ganze Aufnahmen verloren. Die Wiederholungsaufnahmen sind dann natürlich nicht mehr ganz so frisch, wie wenn man erstmalig darüber redet.
  • Nerds on Draft – Gabe und Jeff diskutieren zu Beginn ein Craft Beer, um im Anschluss ein meist technisches Thema wie Taskmanagement, Kollaboration oder Meditation zu behandeln. (~90min/Ep.)
    • pro: Ordentliche Themenvarianz, nicht wöchentlich.
    • con: nix.
  • The Pen Addict – Alles rund um Stifte, Füller, Tinte und Notizbücher. (60-90min/Ep.)
    • pro: Durch den etwas weiter gefassten Themenausschnitt als der Erasable Podcast haben die beiden auch nach über 170 Episoden jede Woche etwas, worüber sie reden können. Hier stört mich die Werbung nicht, weil sie so viel Geld in dieses Hobby versenken und so immer ein neues Thema haben.
    • con: Myke Hurley, der ein ganzes Podcast Netzwerk betreibt, ist nicht immer bei der Sache und scheint manchmal sogar desinteressiert, so dass Brad Dowdy in manchen Folgen einen Monolog hält.
  • The Q&A with Jeff Goldsmith – Jeff hat Filmemacher und Schauspieler zu Gast, die über ihren aktuellen Film sprechen. (~1h/Ep.)
    • pro: Nicht das typische Geschwafel, sondern hier werden die Gäste auch persönlich und gehen sehr ins Detail.
    • con: Insgesamt interessieren mich zu wenige Gäste bzw. die Filme, zu denen sie erscheinen.
  • Radiolab – Ein ähnliches Format wie This American Life. (30min/Ep.)
    • pro: Sehr gut produziert.
    • con: Interessiert mich immer weniger.
  • Reconcilable Differences – John Siracuse und Merlin Mann reden über sich selbst, ihre Hobbies und wie sie aufgewachsen sind. (60-90min/Ep.)
    • pro: Wenn man die beiden mag, wird man das Format mögen…
    • con: … wenn nicht, dann nicht.
  • richter.fm » » [Der Weisheit] – Markus, Patricia, Malik und ein Gast klönen über meist aktuelles aus der Netzwelt, aber nicht nur. (60min/Ep. und keine Sekunde länger)
    • pro: Sympatische Runde mit netten Gästen.
    • con: Die harte Zeitgrenze schneidet oft interessante Gespräche ab und nervt daher recht stark.
  • Science Fiction Book Review Podcast – Luke liest viel Science Fiction und wenn er ein Buch ausgelesen hat bespricht er dieses (manchmal mit seiner Freundin zusammen). Eine neue Folge lässt also so lange auf sich warten, wie er für ein Buch benötigt (was nicht besonder lange ist). (60-90min/Ep.)
    • pro: Meinungsstark und erscheint nur dann, wenn es was neues gibt. Sehr gute Buchauswahl.
    • con: Eigenwilliger Stil, aber ich mag’s.
  • Serial – Serielles Geschichtenerzählen, also pro Staffel eine Geschichte. Die erste Staffel behandelt einen recherchierten Kriminalfall. (1h/Ep.)
    • pro: Toll produziert und sehr spannend. Brachte Podcasts ein Stück nach vorne.
    • con: nix.
  • Slate’s Audio Book Club – Ab und an wird ein vorher angekündigtes Buch von 3-4 Leuten besprochen. (~1h/Ep.)
    • pro: Gutes Diskussionsniveau.
    • con: Recht selten für mich interessante Bücher dabei und teils fürchterliche Audioqualität bei Gästen.
  • Talking TV With Ryan and Ryan – Zwei Fernsehkritiker kritisieren Fernsehen. (60-90min/Ep.)
    • pro: Ab und zu gute Einsichten und gute Empfehlungen.
    • con: Mieses Audio. Sehr zweifelhafter Geschmack, so dass man den Empfehlungen nur selten trauen kann. (Aber man nimmt in diesem Podcastgenre ja was man noch kriegen kann.)
  • Top Four – Marco und Tiff quatschen lustig ins Mikro, um am Ende bei einer Top 4 eines vorher bestimmten Themas zu landen. (45-60min/Ep.)
    • pro: Sehr charmant und lustig. Der teils zweifelhafte Geschmack erzeugt halt etwas Reibung, aber dazu sind Top Listen ja da.
    • con: bisher nix. Gibt aber auch erst ein paar Folgen.
  • WTF with Marc Maron Podcast – Marc Maron interviewt je einen Menschen aus der Popkultur. (~1h/Ep.)
    • pro: Tolle Gäste, die man sonst selten antrifft (auch viele von seinen alten Freunden). Entwaffnende Fragen, mit denen man viel über die Interviewte Person erfährt.
    • con: In letzter Zeit zu viele große Schauspieler für meinen Geschmack. Und natürlich interessiert mich nicht jeder Gast. Zudem interessiert mich alles um das Interview herum überhaupt nicht (was bestimmt 20min/Ep. ausmacht.).
  • You Look Nice Today – Vier lustige Menschen machen Comedy. (30-60min/Ep.)
    • pro: verdammt komisch
    • con: Eigentlich zu Ende. (Die Hoffnung stirbt zu letzt.)
  • zwanzichfuffzehn – Ein Serienpodcast, der sich pro Folge 2-3 Serien als Schwerpunkt aussuchen und ausführlich darüber reden. (~2h/Ep.)
    • pro: Sympatisch und ab und zu sind sogar ein paar brauchbare Empfehlungen dabei. Ist ja schwierig noch positives von Serien zu hören, die man noch nicht kennt. Angenehm unregelmäßig seltener schedule.
    • con: Auch hier zieht sich ein recht zweifelhafter Geschmack durch die Reihen. Zu häufig werden guilty pleasures und sehr schmale Genreinteressen als second coming verkauft.

Der Beste Travel Mug Der Welt

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Es geht gehörig ins Geld, wenn man sich ständig unterwegs irgendeine Kaffeespezialität kauft. Zudem gibt es in der ganzen Stadt vielleicht eine Handvoll Coffee-Shops, bei denen es mir wirklich gut schmeckt, so dass ich die 3-5 Euro auch wirklich berappen möchte. Und hätte man gerne einen ordentlichen Tee zur Hand, sieht das Ganze noch viel schlechter aus.
Deshalb — und weil mir mein eigener Kaffee dann doch am besten schmeckt — bin ich vor einer Weile dazu über gegangen mir meinen eigenen Kaffee oder Tee von zu Hause mitzunehmen.
Weil ich keine Lust hatte den ganzen Tag mit einem zu großen Travel Mug einer großen Kaffeekette durch die Gegend zu rennen, habe ich mir einen großen Satz Pappbecher bestellt. Die kann man wenigstens wegwerfen und hat nicht so einen nervigen Steh-im-Weg dabei. Aber 1. isolieren die Dinger nicht, 2. passt nicht genügend rein, um über den Tag zu kommen und 3. die Umwelt.

Gerade fürs Büro hätte ich gerne ein Behältnis, das mich wenigstens über die ersten paar Stunden des Tages bringt. Also habe ich meinen oben genannten, betagten Travel Mug herausgekramt, daheim befüllt und zur Arbeit geschleppt. Mit dem Problem, dass der Becher nicht ordentlich schließt — und ich ihn deshalb auf dem Weg immer in der Hand halten musste — und nicht merklich wärmer hält, als eine normale, dickwandige Tasse.
Das mit der schlechten Isolation konnte ich umgehen, indem ich Cold-Brewed-Coffee mitgenommen habe. Ein paar Eiswürfel in den Becher und so hatte ich den halben Tag lang feinen, kühlen Kaffee dabei. Aber das volle Gefäß immer in der Hand halten zu müssen und nicht einfach in die Tasche werfen zu können, ist einfach kein Zustand und dass das verdammte Getränk seine Temperatur behält, wär auch ziemlich knorke.

Meet the Zojirushi 16 Ounces Stainless Steel Traveler Mug.

Dieses wunderbar zurückhaltende Teil fasst knapp einen halben Liter, ist absolut dicht, lässt sich einhändig öffnen und schließen und hält etwa 12h lang 80% der Temperatur.
Lang habe ich gesucht, Vergleiche gelesen und mir über meinen genauen Einsatzzweck Gedanken gemacht. Sicher hätte man auch eine einfache Thermoskanne mit Schraubverschluss nehmen können. Die halten warm und dicht, aber die sind halt ziemlich scheiße für unterwegs. Die genannten Eigenschaften in einem Travel Mug zu finden, ist aber nicht gerade einfach. Entweder sie halten nicht besonders dicht, oder es besteht die Gefahr, dass der Öffnungsmechanismus versehentlich getätigt wird, oder man muss schrauben, oder sie halten nicht warm, oder alles zusammen.

Der Zojirushi löst all diese Dinge zur Perfektion. Per Knopfdruck springt der Deckel auf. Er tut das aber nicht zu schnell, so dass es spritzen könnte, sondern hat einen Federmechanismus. Nach dem Aufschnappen rastet der Deckel im offenen Zustand ein, dass er beim Trinken nicht umher wackelt. Der Öffnungsmechanismus hat eine extra Sicherung, so dass der Deckel nicht in der Tasche aufgehen kann. All das lässt sich problemlos einhändig bedienen. Ganz hervorragend. Und dann hält es auch noch am besten von allen Bechern im Feld die Temperatur. Einen Tee, den ich morgens bereitete, war abends noch so heiß, dass ich ihn kaum direkt aus dem Becher trinken konnte.

Ihr seht mich vollauf zufrieden mit diesem perfekten Travel Mug, den ich jedem sowas von wärmstens empfehlen kann.

Leider ist es nicht besonders einfach in an den Travel Mug zu kommen, da Zojirushi keinen deutschen Vertrieb hat. So wie ich das sehe, gibt es den nur in Japan und Amerika. Großen Shoppingplattformen sei Dank, gibt es immer wieder Japanische Shops, die diese Travel Mugs auf dem deutschen Amazon verkaufen und zu einem sehr fairen Preis aus Japan nach Deutschland schicken. So habe ich das auch gemacht. Hat zwar ein paar Wochen gedauert, aber besonders schlimm finde ich das nicht.

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Sense8

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Wir kommen mal wieder zu einem Fall von “I watch TV so you don’t have to.”

Der neueste Streich von Netflix, der uns vor ein paar Tagen vor die Füße geworfen wurde ist Sense8, die neue Serie von den Wachowskies und J. Michael Straczynski.

Sense8

Es geht um eine Gruppe von je vier Männern und Frauen, die quer über dem Erdball verteilt leben, sich nicht kennen und plötzlich mental miteinander verbunden sind.
Das passiert weil ein anderer Cluster von ebenso verbundenen Menschen verfolgt und (zumindest eine) gefunden wird, diese kurz bevor sie geschnappt wird einen neuen Cluster gebärt und sich darauf das Leben nimmt, um diesen neuen Cluster um unsere 8 Helden zu beschützen.

Die Sensate sind — wie man leicht vermuten kann — eine evolutionäre Abweichung des Homo Sapiens und da Homo Sapiens alles zerstört, was er nicht versteht oder kontrollieren kann, ist eine kleine Gruppe eingeweihter Menschen hinter den Sensate her.
Aber was macht nun einen Sensate aus? Durch ihre mentale Verbindung haben sie (zumindest temporär) Zugriff auf das Wissen, die Sprache oder die Fähigkeiten der anderen aus ihrem Cluster, was sich darin manifestiert, dass sie sich gegenseitig erscheinen, sich miteinander unterhalten, gegenseitig Tipps geben und unterstützen. Ist also jemand in einer brenzligen Situation, aus der man nur mit besonderen Autofahrfähigkeiten entrinnen kann, kommt Capheus, ein Busfahrer aus Nairobi vorbei und setzt sich ans Steuer. Klar soweit?

Nun ist diese Verfolgung eher Hintergrundgeschichte und selten im Fokus (abgesehen vom Ende), sondern es geht eher um die persönlichen Geschichten der acht und so kommen wir zu dem Aspekt, den ich zumindest halbwegs interessant fand.
Alle acht sind in ihrem eigenen kleinen Genre-Filmchen, in dem sie ihre alltäglichen Problemchen lösen. Der Cop aus Chicago steckt in einem Cop-Drama, der versucht aufzudecken, wer sie jagt und außer Gefecht setzen will, der homosexuelle Telenovela Schauspieler aus Mexico City lebt selbst in einer Seifenoper mit viel Romantik und noch mehr Drama, der Berliner Tresorknacker Wolfgang bestreitet seinen eigenen Gangsterfilm mit pompösem Showdown, die isländische DJane (sagt man das heutzutage noch? Ich werde alt.) Riley mäandert in ihrem eigenen drogengeschwängerten Depri-Drama umher, die indische Pharmazeutin Kala lebt in einem Bollywood-Streifen um Glauben, Liebe, Mord und Tanz, die lesbische Trans-Hacktivistin Nomi ist Protagonistin in einem — ratet mal – kommt ihr nie drauf — Hacker-/Spionagethriller, die Martial-Arts Expertin Sun bestreitet einen Martial-Arts Film und der Nairobische Busfahrer Capheus wird zur Spielfigur in einem Krimi mit Drogenbossen und Slum-Gangs. Und all diese Geschichten sind in einer Science-Fiction-Mystery eingebettet in der Naveen Andrews (Sayid aus LOST) den Erklärbär spielt.

So ähnlich wie Cloud Atlas ist also auch Sense8 eine sehr ambitionierte Genreübung, die nur leider mit den plattesten Stereotypen arbeitet und den breitesten aller Pinselstrichen gemalt ist. Keine dieser Einzelgeschichten ist irgendwie besonders fesselnd oder clever, es werden keine Details ausgearbeitet, sondern die flachste und bereits am häufigsten erzählte Variante dieser Geschichte erzählt. Das ist ganz schön frustrierend und langweilig.
Wenn man nun vermutet, dass bei oberflächlichen und detailarmen Geschichten wenigstens ein riesiger Haufen Plot verwurstet wird, der tatsächlich irgend etwas mit der Situation der acht zu tun hat, so täuscht man sich gewaltig. Die zwölf Folgen der ersten Staffel fühlen sich eher wie ein Prolog an, denn so richtig schlauer sind am Ende der Staffel nicht. Überhaupt werden auch nicht besonders klare Regeln in diesem fiktiven Universum aufgestellt, so dass man die Hälfte der Zeit gar nicht so richtig weiß, was überhaupt möglich ist und woher gewisse Fähigkeiten eigentlich kommen.
So etwas finde ich immer problematisch, denn so wird der Zuschauer im Ungewissen gelassen und wird bloß durch eine neue Regel überrascht und nicht durch besonders cleveres Handeln innerhalb dieser Regeln und so haben die Autoren immer die Möglichkeit eine neue Regel zu erdenken, wenn sie sich in eine Ecke geschrieben haben.
Ein ebenso großen Ärgernis ist für mich ein grundloses Vorenthalten von Informationen von Verbündeten. Vieles wäre so viel leichter, würden sich unsere Hauptfiguren zusammensetzen und einmal ordentlich austauschen, anstatt herumzuknutschen.
Ein wenig bekloppt sind auch die beteutungsschwangeren Namen der Akteure, die mit der Eleganz eines Vorschlaghammers gewählt wurden. Wir haben Dr. Metzger, der Lobotomien an den Sensate durchführt, der zwielichtige Jonas, der zwei Gesichter zu haben scheint, die depressive Riley Blue, die engelsgleiche Angelica usw.

All das zeigt das enorme verschenkte Potential dieser Serie, aber es gibt auch gute Aspekte. Wenn die Stars schon nicht vor der Kamera stehen oder im Writers-Room sitzen, so sitzen sie doch im Editing-Room. Der Schnitt von Bild und Ton sind so unfassbar gut, dass er mich ständig emotional einfing. Die Fähigkeit uns in 10 Sekunden während eines Dialoges oder einer Action-Szene dreimal um den Erdball zu führen, ohne dass es komisch aussieht oder klingt und mehrere Tonebenen zu integrieren, was immer sachdienlich ist und immer mehr Drama oder Emotionen erzeugt, ist einfach beeindruckend.
Einige Szenen, in denen die Sensate zusammen kommen, um sich gegenseitig zu helfen, oder etwas besonderes gemeinsam zu erleben, sind ganz toll und lösten sehr emotionale Reaktionen in mir aus, nicht zuletzt weil sie nicht nur dann zusammen kommen, wenn sich jemand aus einer Situation rausboxen muss, sondern weil sie eine emotionale Verbindung zueinander haben und an einander Leben teilhaben wollen.

Fazit

Möchte man nun selber für sich feststellen, ob Sense8 was für einen ist, so empfehle ich die ersten vier Episoden zu schauen. Diese geben einen guten Querschnitt über das, was in dieser ersten Staffel so möglich ist, besser wird es danach nicht und eine zufriedenstellende Auflösung des Mysteriums bekommen wir am Ende auch nicht. Wie ich schon sagte, diese Staffel fühlt sich eher wie ein Prolog an. Bis zum Schluss wird auch nicht wirklich klar, was für eine Geschichte Sense8 eigentlich erzählen will. Soll es darum gehen, wie sich die acht gegenseitig bereichern und ihre eigene Story bewältigbarer machen, wie es ein guter Freund täte, oder soll es darum gehen, wie sie sich aus den Fängen ihrer Verfolger befreien? Warum wurde diese Gabe überhaupt weitergegeben, warum an diese Menschen? Warum müssen sie überhaupt erst “erneut geboren” werden, wenn sie die genetische Mutation bereits in sich tragen und es die eigentliche Verbindung bereits seit ihrer Geburt gibt und wie funktioniert das überhaupt? Warum erfahren wir nichts von anderen Clustern und deren Beweggründen? Ja warum nur?
Ansonsten kann man die Serie getrost auslassen und verpasst wirklich nichts bemerkenswertes. Konzeptionell ist Sense8 sicherlich interessant, aber wenn das kreative Team nicht in der Lage ist aus den Einzelgeschichten irgendetwas neues oder unkonventionelles herauszukitzeln, dann bleibt diese Serie nichts weiter als ein spannendes Konzept, was an seiner Ausführung scheitert, so wie fast alles aus der Feder der Wachowskis.

★★✩✩✩

Trailer

The State of Podcasting

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Podcasts sind zu lang, zu häufig, zu schlecht produziert und voller toter Luft. Schlicht — es steckt oft zu wenig Arbeit drin.

Podcasts gehören zu meiner liebsten und — mindestens zeitlich — umfassendsten Quelle für Unterhaltung und Information.
Zu meiner Podcastdiät gehören welche von professionellen Fernseh- und Filmkritikern sowie jahrelangen Hobbyisten zu diesen Themen, diverse Storrytelling-Podcasts, Special-Interest-Podcsts zu Stiften und Papier, Fitness, Interviews, Cocktails und Bücher und genau einem Tech-Podcast.

Ich würde mir also einbilden einen recht guten Überblick über weite Teile der Podcastladschaft der letzten 10 Jahre zu haben.
Wir alle feiern die Losgelöstheit von zeitlichen Grenzen, Unwichtigkeit von Nischen und massenuntauglichen Formaten. Das meiste ist und bleibt gut verteidbar, aber gerade der Zeitaspekt nervt mich schon seit langem. Ich höre gerne Menschen 3h lang zu, wenn sie Ahnung haben, unterhaltsam sind und tatsächlich etwas zu sagen haben. Ich verstehe auch, dass vor allem die Nachbereitung mindestens die gleiche Länge des Aufgenommenen Materials hat, aber niemand will von Mikrofon-, Kopfhörer-, Mixer-, Skype- oder Internetproblemen hören.
Im gleichen Maß regt mich auf, wenn 10x pro Folge Dead Air entsteht, gefolgt von der Frage “Haben wir noch Themen?” oder “Bist du noch da?”.
Macht euch eine Themenliste, stoppt die Aufnahme, wenn ihr müde seid, kriegt euer Audiosetup vor der Aufnahme in den Griff. Show some fucking respect!

Wenn euer Intro 10 Minuten dauert, bis ihr das erste Mal etwas von Wert erzählt, 10-50% der Sendezeit quasi tote Luft ist, jede Woche die neue beste App unter der Sonne vorgestellt wird oder 10 verschiedene Leute in einer Panelshow 3h lang über einen Film oder ein sonstiges Thema sprechen, dessen Essenz in 10 Minuten gepasst hätte, dann ist das einfach ärgerlich.
Podcaster freuen sich darüber, nicht wie Radio sein zu müssen, dabei würde es ihnen gut zu Gesicht stehen, sich das eine oder andere vom Radio abzuschauen.

Podcasting steckt nicht mehr in den Kinderschuhen. Ihr seid schon lange nicht mehr das einzige Abo für eure Hörer. Besorgt euch passable Mikrofone, jagt das Audofile durch Auphonic. Ihr werdet in der Bahn gehört und wenn man euch nicht verstehen kann, werdet ihr nicht gehört.
Es ist auch schon lange nicht mehr witzig, wenn sich das Endprodukt anhört, als wäre es von Dilettanten gemacht.
Wenn ihr mal in einer Woche keine Themen habt, lasst sie einfach mal ausfallen und langweilt mich nicht mit ziellosem Geschwafel. Die Länge einer Folge oder die Anzahl derer ist kein verdammter Wettbewerb.

Es hat gute Gründe, dass Serial innerhalb von 3 Wochen der erfolgreichste Podcast aller Zeiten wurde. Serial war knackig zeitlich beschränkt, persönlich, clever und spannend.
Sicherlich lässt sich Serial nicht mit einem Tech-Podcast vergleichen, aber von der Konsumierbarkeit kann man sich einiges abschauen.

Also kauft euch ordentliches Equipment, drückt stopp, wenn ihr nichts mehr zu sagen habt, fügt Kapitelmarken ein (oder wenigstens Timecodes) damit man zu den Themen springen kann, die einen interessieren und schneidet alles raus, was nichts mit dem Podcast zu tun hat.

Die wenigsten befolgen dieses Minimum an Dienst am Hörer. Ich habe besseres zu tun, als mich die Hälfte der Zeit zu ärgern, nur um ein paar Nuggets Unterhaltung oder Infos zu bekommen. Ich kann selbst nicht alle Podcasts abbestellen, die mich ärgern, denn dann bliebe fast nicht von meinen 60 Abos übrig und das will ich nicht, aber wäre es nicht schön, wenn die Ärgernisse weniger würden?

Top 20 Movies - 2014

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Da es mir unheilmich schwer fiel, mich auf 10 Filme zu beschränken und ich so viel wirklich gutes nicht unerwähnt lassen wollte — und konnte — finden sich auf dieser Liste alle Filme, die mich so sehr bewegten, dass mich eine Nichterwähnung zu sehr geschmerzt hätte.
Des weiteren habe ich mich auch nicht religiös an deutsche Kinoerscheinungstermine — oder ob sie überhaupt einen deutschen Kinostart bekamen — gehalten. Und weil ich eh keine Top 10 mache und auf eine direkte Vergleichbarkeit nicht besonders viel Wert lege, geht es hier um meine ganz persönliche Liste.

Wenn ich auf das vergangene Filmjahr zurückblicke, war es für mich ein recht durchwachsendes. Der Sommer taugte mit seinen Blockbustern, wie immer eigentlich gar nichts, es gab eigentlich keinen zwingenden Film, der allen anderen davongelaufen wäre, dafür gab es ganz viele tolle, kleinere Filme, die in meinem 7-8/10 Punkte Raster gelandet sind. Es gibt also vieles zu entdecken, vieles unbekanntes, vieles, was an einem vorbei gegangen ist und auch ich habe noch etwa 25 Filme auf meiner Liste, die ich bis zum Schreiben dieser Liste gerne gesehen hätte. Aber was solls. Top 20 – 2014!

  1. Fruitvale Station (Ryan Coogler – 2013) — Ich habe noch nicht einmal mit meiner Liste angefangen und schon widerspreche ich meinem Eingangsstatement. Fruitvale Station war der erste Film, den ich 2014 gesehen habe und er ist der einzige, der allen anderen davon rennt, bei dem mir eigentlich klar war, dass den Rest des Jahres kein besserer Film mehr kommen wird.
    Fruitvale Station hat ein paar kleinere Probleme, die mich aber nicht weiter stören, vor allem nichts von dem Gesamteindruck wegnehmen (ein Fakt, der sich durch die ganze Liste ziehen wird), sondern ist ein Film, der mich dermaßen emotional aufgewühlt und mitgenommen hat, wie kein zweiter. Eine Eigenschaft, die ich einem Film am höchsten anrechne.
    Der Debutfilm Ryan Cooglers erzählt den letzten Tag im Leben des Oscar Grant, der am Sylvestermorgen von einem Polizisten quasi grundlos erschossen wurde. Oscar wird von Michael B. Jordan (The Wire, Friday Night Lights) gespielt und damit sind wir auch schon bei dem Grund, diesen Film zu schauen. Denn inhaltlich kann und will ich gar nicht viel sagen. Es ist die Stimmung, die einen so mitreißt, die Erwartung an das unausweichliche Ende (mit dem wir schon in den ersten Sekunden des Films konfrontiert werden) und vor allem Jordans Schauspiel.
    Fruitvale Station – hirnrekorder

  2. Short Term 12 (Destin Daniel Cretton – 2013) — So meisterhaft, wie wir zu Beginn des Filmes in das Sujet, seine Figuren und seinen Ort einigeführt werden, so meisterhaft werden die Beziehungen untereinander und emotionalen Hintergründe erkundet.
    Ein paar Mitzwanziger arbeiten in einer Einrichtung für heimatlose oder verhaltensauffällige Jugendliche, die sie mit viel Herz und Hingabe betreuen und dabei ihr eigenes Päckchen zu tragen haben.
    Ein toll gespielter, ergreifender und nahezu perfekter Film.

  3. Under the Skin (Jonathan Glazer – 2013) — Was für mich im letzten Jahr Upstream Color war, ist in diesem Jahr der künstlerische Film Under the Skin. Scarlett Johansson mimt das fremde Wesen, das ihren Körper als Werkzeug benutzt, anderen damit zu dienen.
    Betörende Bilder gepaart mit einem verstörenden Soundtrack lieferten für mich eine beeindruckende Metapher auf Weiblichkeit im Allgemeinen und Prostitution im Speziellen.

  4. Starred Up (David Mackenzie – 2014) — Einer meiner liebsten Filmemacher knöpft sich das Gefängnisdrama vor, das nur so vor Wut, Gewalt und Verletzlichkeit strotzt.
    Jack O’Connell spielt den noch minderjährigen Straftäter, der wegen seiner extremen Gewaltbereitschaft frühzeitig in ein Gefängnis für Erwachsene transferiert wird und dort mit noch mehr Gewalt, seinen einflussreichen und nicht weniger aggressiven Vater und einen Sozialarbeiter, der sich seiner annimmt, konfrontiert wird.
    Starred Up gibt dem Zuschauer genausowenig Zeit zum Verschnaufen wie seinem Protagonisten, dessen erste Handlung am Ende einer fast 10 Minuten langen wortlosen Einführung ist, aus einer Rasierklinge und seiner Zahnbürste einen ortstypischen shiv zu basteln. Routiniert und allzeit bereit sich mit ultimativen Mitteln zur wehr zu setzen.
    In diesem Modus agiert sowohl Eric als auch Starred Up, was einen unglaublich spannenden, atemlosen aber auch ergreifenden Film erzeugt.
    Ein absolutes Brett!

  5. Her (Spike Jonze – 2013) — Neben einer meiner Meinung nach sehr treffenden Zukunftsvision schafft Her ein paar Stückchen Filmmagie zu leisten. In der Hauptsache konstruiert Spike Jonze hier eine recht konventionelle romantische Komödie, die trotz ihrer sehr ungleichen Paarung nie unglaubwürdig, sondern harmonisch und unaufgeregt funktioniert. Ein Beleg für das herrausragende world-building, das der Film leistet.
    Desweiteren glänzt Her mit Schauspiel, Ausstattung und einem ganz tollen Ende. Ein Film an dem es absolut nichts auszusetzen gibt.

  6. The One I Love (Charlie McDowell – 2014) — Eine wundervoll schräge Mischung aus Romanze, Science Fiction und Detektivgeschichte, in der das Ehepaar bestehend aus Mark Duplass und Elisabeth Moss von Ted Danson in ein abgelegenes Landhaus geschickt werden, um ihre Ehe wieder in den Griff zu bekommen, wo sie auf ein obskures Dilemma stoßen.
    Ein ganz herzerwärmender Film, in der seine Protagonisten genau die Fragen stellen, genau die Dinge tun, die ich in deren Situation auch tun würde. Ein Film über die Suche nach dem Funken Begeisterung, der die Liebe entfachte, der — wie das nun einmal so ist — mit der Zeit verloren geht.
    Die Richtung, die The One I Love in den letzten 15 Minuten einschlägt ist ein wenig schade, aber wie ich bereits erwähnte, schmälert das den Film nicht wirklich.

  7. Blue Ruin (Jeremy Saulnier – 2013) — Ein Rache-Film, der mit der seinem Genre inheränten Konventionen bricht, denn mit dem Racheakt beginnt der Film und exploriert, was die meisten anderen Filme dieser Geschmacksrichtung nicht zeigen — dass mit diesem Racheakt der ganze Schlamassel erst los geht.
    Ein verwahrloster Mann, der am Strand in seinem Auto lebt, liest in der Zeitung, dass der Mörder seiner Eltern aus dem Gefängnis entlassen wird und tut das, worauf er augenscheinlich die letzten Jahre gewartet hat. Er macht sich repräsentabel, macht seinen Wagen fahrtüchtig, besorgt sich eine Waffe und fährt zum Mörder seiner Eltern…
    Blue Ruin hat viel von den Coen Brothers, denn — das zeigt uns dieser Film — Mord ist nichts für Amateure und der wortkarge Mann ist vor allem eines — ein Amateur. Obwohl klar ist, dass Dwight auf diesen Moment gewartet und die ersten notwendigen Schritte gut geplant hat, so lässt sich ein solches Vorhaben eben nicht minutiös vorbereiten. An einem gewissen Punkt muss improvisiert werden, nur tritt dieser Punkt für unseren Helden viel zu früh ein.
    Diese Kombination birgt viel pechschwarzen Witz, eine sehr ökonomisch erzählte Geschichte und unerwartete Gewaltexplosionen. Saulnier macht es sich jedoch nicht einfach und erzählt die oft dagewesene Farce eines inkompetenten Kriminellen, der nichts auf die Reihe bekommt, nein, Dwight (Macon Blair) ist beizeiten einfalssreich, manchmal nicht, so zielstrebig, wie es nur geht, aber offensichtlich wächst ihm sein ganzes Vorhaben über den Kopf.

  8. Enemy (Denis Villeneuve – 2013) — Die zweitbeste Performance von Jake Gyllenhaal und die zweitbeste in Film gegossene Metapher in diesem Jahr finden sich in Enemy, einem Film über die zwei Leben, die Mann häufig führt (das konsequenzlose Jungesellenleben wird der verantwortungsvollen Vaterrolle gegenübergestellt) und dem inneren Kampf darum, für welches sich das Subjekt entscheiden wird.
    Diese Thematik wird in düstere und mystische Bilder und Töne verpackt und soweit verschlüsselt, dass es hier diverse Deutungsebenen geben wird und jeder etwas anderes aus diesem Film ziehen mag. (Ich habe mich jedenfalls für obige Deutung entschieden.)
    Enemy verlässt sich vielleicht etwas zu sehr auf visuelle Stimmung, Präzision und Symbolik, so dass seine Figuren leider etwas flach bleiben und die Spannung nicht ganz bis zum Ende aufrecht erhalten werden kann. Wäre da nicht die allerletzte Szene…

  9. Foxcatcher (Bennett Miller – 2014) — Die Brüder Mark und David Schultz (Channing Tatum und Mark Ruffalo) gewannen 1984 olympisches Gold im Ringen, jedoch spiegelt sich dieser Erfolg nicht in deren Leben wieder. Während David eine Familie hat, warmherzig und emotional gefestigt ist und als Trainer und Speaker gefragt ist, so ist Mark der Außenseiter, der stets im Schatten seines großen Bruders steht und sich nie eine eigene Identität schaffen konnte. Gerade Mark lebt in ärmlichen Verhältnissen und ist ganz darauf konzentriert bei den nächsten Olympischen Spielen in Seoul anzutreten, als John du Pont (Steve Carell) — Oberhaupt einer amerikanischen Familiendynastie mit viel altem Geld — in Marks leben tritt und ihm mit Worten wie “amerikanischer Held”, “Patriotismus” und “Wertschätzung” bedeutungsschwanger anbietet auf du Ponts Residenz das amerikanische Ringerteam anzuführen und zu trainieren.
    Mit sorgfältiger Langsamkeit, schweren Bildern, stimmungsvoller Musik und herausragenden Performances der drei Protagonisten, untersucht Miller Familiendynamiken wie Brüderlichkeit, Matriarchat und Eigenständigkeit, sowie Klasse, gesellschaftlicher Positionierung und nicht zuletzt den amerikanischen Traum.
    Einigen wird vielleicht bekannt sein, wie diese Geschichte endet, nur erkannte Miller, dass dies der uninteressanteste Teil dieses Beziehungsgeflechts ist und gibt diesem düsteren Schlusspunkt nicht mehr Raum, als er benötigt. Vielmehr steht die Dynamik und Motivation der Figuren im Vordergrund und das finde ich persönlich viel erzählenswerter.

  10. Calvary (John Michael McDonagh – 2014) — Calvary ist in seiner Thematik nicht sonderlich subtil, so steht alles, was man über diesen wissen muss bereits im Titel. Calvary oder Kalvarienberg ist die Hinrichtungsstätte Christi und die Hauptfigur ist der Priester James (Brendan Gleeson).
    Sollte ich ein Adjektiv für Calvary finden so ist dies ohne Frage “kraftvoll”. Die Eröffnungs- und Abschlussszene, die darstellerische Leistung Gleesons, der geografische Hintergrund, die Bildgewalt. Angereichert wird das ganze von außergewöhnlich guten Nebencharakteren, einer bizarren Varer-Tochter-Beziehung und den Fragen nach Moral, Ehre und Spiritualität.
    Ich mag es Menschen dabei zuzusehen, wie sie gewissenhaft und mit ganzem Herzen ihre Arbeit verrichten und hier habe ich die Gelegenheit dazu dies bei einem Priester zu tun, der die alleinige emotionale Stütze eines kleinen Örtchens an der Küste Irlands ist.

  11. Deux jours, une nuit (Two Days, One Night) (Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne – 2014) — Sandra (Marion Cotillard), eine junge belgische Mutter, wird entlassen, als ihren Kollegen die Wahl gestellt wird, einen Bonus zu bekommen oder Sandra ihren Job zu lassen. Als sie ihren Vorarbeiter konfrontiert, stimmt dieser einer zweiten — dieses Mal geheimen — Wahl zu und gibt ihr damit das verbleibende Wochendende Zeit, ihre Mitarbeiter davon zu überzeugen, zu ihren Gunsten abzustimmen.
    So beginnt eine zwei Tage (und eine Nacht) andauernde Odyssee durch alle Facetten menschlicher Natur, in der jeder einzelne ihrer 16 Kollegen vor das gleiche moralische Dilemma gestellt wird und Sandra mit so ziemlich jeder vorstellbaren Reaktion ihres Gegenüber zurecht kommen muss.
    Ein vor allem von Cotillard famos gespielter Film, der jede Nuance ihrer innreren Zerrüttung einfängt und dieser jede Graustufe zwischen Empathie und Egoismus gegenüberstellt.

  12. Nightcrawler (Dan Gilroy – 2014) — Lou Bloom (Jake Gyllenhaal), ein Mann der nach gesellschftlicher Verortung und Arbeit sucht, stolpert in die Welt der Nightcrawler, den Kameramenschen, die des Nachts auf der Suche nach Videomaterial für lokale TV-News Stationen sind und ist wegen dem Fehlen jeglicher Moral in der Lage schnell bessere und schockierende Bilder zu liefern, als seine Kontrahenten.
    In Nightcrawler können wir Jake Gyllenhall, der hier die beste Performance seiner Karriere hinlegt, dabei zusehen, wie ein Soziopath, der entweder gesellschaftliche Grenzen nicht anerkennt oder sich derer nicht bewusst ist, den amerikanischen Traum lebt. Ohne klassische Bildung, dafür diversen Selbsthilfebüchern, dem Internet und höchster Ambition, eignet sich Bloom genau die Fertigkeiten an, die er für sein Fortkommen braucht und hat damit brachialen Erfolg.
    Nightcrawler ist wahnsinnig packend, wegen seiner Immoralität ständig unkomfortabel und immer auf den Punkt. Die große Portion Medienkritik, die hier verpackt ist (und die so viele an diesem Film so abfeiern), ist für mich der schwächste und uninteressanteste Teil dieser Soziopathenstudie. Dafür ist die minutiöse Planung, das immer größere Ziel vor Blooms Augen (Oh Gott, diese fürchterlichen kalten und eingefallenen Augen) und seine Überlegenheit durch die fehlende Anerkennung aller Konventionen, der Kern dieses Films.

  13. Obvious Child (Gillian Robespierre – 2014) — Donna Stern (Jenny Slate) ist ein Comedian in ihren Zwanzigern, als sie nach einem One-Night-Stand mit Ryan (Paul Briganti), der eigentlich hervorragendes Datingmaterial wäre, schwanger wird und sich daraufhin erstmalig ernsthaft mit ihrer selbständigen Weiblichkeit auseinandersetzen muss.
    Romantische Komödien sind meist platt, glattgebügelt und erzählen die immergleiche Geschichte. Nicht so Obvious Child. Gillian Robespierre behandelt in ihrem Debüt genre-untypische Themen wie Abtreibung aus weiblicher Perspektive, hat dabei willkommene Ecken und Kanten und ist dabei erfrischend ehrlich, pragmatisch, hat das Herz am rechten Fleck und ist richtig witzig.
    Highlight des Filmes ist für mich, dass Donna nie in Frage stellt, dass die Abtreibung die für sie richtige Entscheidung ist, sogar Beistand aus ihrem weiblichen Umfeld bekommt, sie jedoch diese Situation dazu bringt ihre Lebensentscheidungen, die sie an diesen Punkt brachten — seien sie romantisch, finanziell oder professionell — in Frage zu stellen.
    Man kann ein recht konventionelles Genre doch noch interessant gestalten. Toll.

  14. Turist (Force Majeure) (Ruben Östlund – 2014) — Eine perfekte, vierköpfige Familie ist im Skiurlaub und wird von einer kontrolliert erzeugten Lawiene erfasst. Nachdem der Vater panisch die Beine in die Hand nahm, die Mutter jedoch ihre Kinder beschützte (und alle unversehrt überlebten), entbrennt eine eheliche Krise über Pflichtbewusstsein, Verantwortung, Priorität und Heldentum. Ein toller Film, der mich sehr nachdenklich stimmte und für allerlei Diskussionen sorgte.

  15. Maps to the Stars (David Cronenberg – 2014) — Ich bin kein besonderer Cronenberg-Experte, aber sogar ich habe geschnallt, dass er mit seinen Filmen Untersucht, wie sich Menschen in verschiedenen Umständen und Umgebungen transformieren.
    In Maps to the Stars betrachtet Cronenberg die Alptraumfabrik Hollywood und bewegt sich irgendwo zwischen griechischer Tragödie und verschrobener Sitcom / pechschwarzer Komödie.
    Julianne Moore spielt eine herrlich hysterische alternde Schauspielerin, Mia Wasikowska dessen mysteriöse Assistentin, Robert Pattinson einen Limousinenfahrer, John Cusack den spirituellen Heiler Moores und irgendwie hängen sie alle in dieser herrlichen Satire — die weit mehr ist als nur das — zusammen.
    Mit chierurgischer Präzision seziert Cronenberg die Kloake Hollywoods in — wie Mark Kermode es beschreibt — seiner version von Sunset Blvd..

  16. Only Lovers Left Alive (Jim Jarmusch – 2013) — Wenn sich Jim Jarmusch eines Genres annimmt, dann tut er das meist auf sehr unkonvetionelle Art und Weise. Bei “dem Vampirfilm” interessieren ihn keine bedeutungsschwangeren Symbole, wie Kreuze, Weihwasser oder Knoblauch oder der Horror des Übernatürlichen, sondern was quasi-Unsterblichkeit mit Romantik anstellt und wie sich Generationenwechsel auf die sehr alten Vampire auswirken.
    Only Lovers Left Alive spielt mit dem Gegensatz zwischen der Weisheit, Gelassenheit und Perspektive bezüglich Geschichte und Kultur, die Tom Hiddlestons und Tilda Swintons Adam und Eve über Jahrhunderte sammelten und der schnellebigen Neuzeit sowie der jungen und wilden Vampirin Ava (vorzüglich verspielt böse gespielt von Mia Wasikowska).
    Der Film bleibt angenehm ruhig, relaxed und unaufgeregt, hat so einiges zu sagen und verbreitet mit seinem betörenden Soundtrack eine gar wundervolle Stimmung.

  17. Palo Alto (Gia Coppola – 2013) — Als ich schon dachte, dass 2014 keinen einzigen guten Coming of Age Film bereit hält, kommt mal eben Palo Alto vorbei.
    Das nächste Filmdebüts auf dieser Liste basiert auf einer Sammlung von Kurzgeschichten James Francos und zeigt eine Reihe von ziellosen, einsamen, freizügigen und rücksichtslosen Jugendlichen, so ähnlich wie das Kids vor einer ganzen Weile schon einmal tat. Nur fängt Francis Ford Coppolas Enkelin diesen Themenkomplex mit träumerischer, weiblicher Linse ein und konzentriert sich weniger auf den Ekel, der von Pubertierenden ausgehen kann, sondern sympathisiert immer mit ihnen.
    Der Pfeiler dieses schönen kleinen Filmes ist zweifelsohne die herzzerreißende Performance von Emma Roberts, der ein paar weitere tolle Figuren (und Schauspieler) zur Seite stehen.
    Nicht alle Versatzstücke funktionieren gleich gut, aber sie passen thematisch und in ihrer Stimmung toll zusammen.

  18. A Most Wanted Man (Anton Corbijn – 2014) — Wer Spionagethrillern, in denen man seinen Figuren bei ihrem Tagesgeschäft zusehen kann, Hamburg und Philip Seymour Hoffman etwas abgewinnen kann, der wird an A Most Wanted Man seine helle Freude haben.
    Corbijn, der bereits den bildhübschen (und stilistisch ähnlichen) The American fabrizierte, fängt auch hier ziel- und stilsicher einen mittelmäßig komplexen, aber immer spannenden Plot um einen illegal in Hamburg eingereisten muslimen Tschechen ein, der in den internationalen Kampf gegen den Terror verwickelt wird.
    Seymour Hoffman ist hier — in einem seiner letzten Projekte — eindeutig der Star, der sie alle an die Wand spielt, dessen Tod einen ernsten Schatten auf die ohnehin sehr ensthafte, isolierte und alkoholabhängige Rolle wirft. Ein Film mit mehr politischer Komplexität als Action, mehr moralischen Grauzonen als westlicher Heldenhaftigkeit, in dem sich Corbijn, der Musikvideoveteran ist (die ja normalerweise für ihre flashyness bekannt sind) angenehm zurück hält.

  19. Life Itself (Steve James – 2014) — Von den vielen Dokumentationen, die ich in diesem Jahr gesehen habe waren nur zwei aus 2014 und eine verdient es auf diese bescheidene Liste. Life Itself widmet sich dem Leben von Roger Ebert, seineszeichens einflussreichster Filmkritiker Amerikas, der mit seinen sehr persönlichen und pointiertien Kritiken nicht selten ähnlich starke Emotionen heraufbeschwor, wie die besprochenen Filme.
    Der Mann, der die Bühne genoss, sich ebensogerne inbrünstig stritt wie unterichtete, verlohr die Bühne und gesprochene Stimme an den Krebs, eroberte sie sich mit seinem Blog, den geschriebenen Wort und Präsenz in den sozialen Medien wieder zurück und schrieb bis zu seinem Tod 2013, als ob der Leibhaftige hinter ihm her gewesen wäre.
    Life Itself beschäftigt sich weniger mit Filmkritik als mit dem Leben und der späten Leidensphase Eberts, gewinnt tiefe Einblicke in dessen letzte Wochen und Monate und fasst die vielen Stationen seines Lebens gut zusammen.
    Die Krankenhausszenen machen aus Life Itself jedoch weit mehr als eine Andernanderreihung von Lebensstationen. Sie fangen Roger Eberts Lebenswillen, seinen positiven Umgang mit dem Tod und seinen Drang sich mitzuteilen emotional ein, so dass diese Bilder sowohl lebensbejahend als auch herzzerreißend auf den Zuschauer wirken.

  20. The Rover (David Michôd – 2014) — Setting dieses Crime Dramas ist das australische Outback “zehn Jahre nach dem Kollaps”. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, das Geld nichts mehr wert und alles ziemlich öde und trist. Aber das bietet nur die Tapete dieses dystopischen Rachethrillers, der einige Tropen aus dem Western entlehnt.
    Erics (Guy Pearce) Auto wird von drei Männern gestohlen, die auf der Flucht vor der Polizei sind und ihr kaputtes, aber fahrbares Auto zurücklassen und Eric nimmt die Verfolgung auf.
    Tolles düsteres World-Building, genauso gute zentrale schauspielerische Leistungen von Pearce und Robert Pattinson und toll inszenierte Szenen. Ein toller Film.

  21. Edge of Tomorrow (Doug Liman – 2014) — Normalerweise stecke ich meinen liebsten Blockbuster des Jahres auf Platz 10 meiner Bestenliste, um das alles etwas aufzulockern, auch wenn dieser meist nicht der zehntbeste Film war. Nicht so in diesem Jahr. Kein Platz und so. Aber erwähnen wollte ich den einzigen Blockbuster, mit dem ich wirklich Spaß hatte, schon.
    Die Tagline “Live – Die – Repeat” beschreibt diesen Film, der den “ich wiederhole den Tag, um ihn zu perfektionieren”-Trope in den Actionfilm hebt, wohl am treffendsten. Tom Cruise und Emily Blunt ziehen gegen eine Alieninvasion auf der Erde in den Krieg, sterben und wiederholen das Ganze.
    Prima inszeniert, saukomisch, feine Frauenrolle, schicke Aliens und eine Menge Spaß. Auch wenn das Ende nicht ganz landen kann, aber — wie gesagt — ziemlich wurscht.

Ihr merkt, kein Boyhood, kein Grand Budapest Hotel, kein Interstellar. Die habe ich beim Erstellen dieser Liste noch nicht gesehen und bin ganz froh, denn so bleibt Platz für die kleineren Filme. Boyhood konnte ich zwar mittlerweile nachholen, und wäre irgendwo um Platz 5 herum gelandet, aber der bleibt nun außen vor.

Top 10 TV Shows - 2014

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Dieses war ein sehr solides Serienjahr. Es gab zwar kaum etwas, was mich nach hinten überkippen ließ, aber eine Menge sehr, sehr gutes. Also nun, ohne viel Geschwafel vorne weg, meine persönlichen zehn besten Serien diesen Jahres.

  1. Fargo (S01) — Die zweite Serie in diesem Jahr mit großen Filmschauspielern, besonderer visueller Vision, einem sehr eigenen Erzählstil und einem Mord in seinem Zentrum, macht jeden einzelnen Aspekt spannender, interessanter, hübscher, verschobener und insgesamt besser als die Nummer 10 auf dieser Liste.
    Fargo war in der Lage, in jeder Minute zu fesseln, zu überraschen, auch wenn mich beizeiten der Stil etwas verwundert zurück ließ. Man muss der Serie zu Gute halten, dass sie diesen Stil in jedem Aspekt, jeder noch so kleinen Storyline, jedem Charakterzug seiner Protagonisten, bis ins letzte ausschöpfte.
    Nicht unerwähnt bleiben darf der hervorragende Cast mit dem bitterbösen Billy Bob Thornton, dem erfrischend anders aufspielenden Martin Freeman, dem tollen Oliver Platt und der ganz wunderbaren Offenbarung Allison Tolman.

  2. Orange is the new Black (S02) — In dieser zweiten Staffel um die in einem Frauengefängnis eingesperrten Piper wird der Fokus von der ursprünglichen Protagonistin weg auf ihre Mitinsassinen gerichtet und das funktioniert ganz fantastisch. In Staffel eins sahen wir bereits den bunten Strauß an Figuren aus multiplen Schichten, ethnischen Hintergründen, sexuellen Ausrichtungen, Ängsten, Gefühlen und Zuneigungen. Dort brannte ich bereits darauf diese Frauen näher kennenzulernen und dazu bekommen wir in der zweiten Staffel die Gelegenheit. Alle Figuren geben so viel her, es gibt so viel zu entdecken, so sehr emotional mitzufiebern.
    Es ist klar, dass Piper Chapman in Staffel eins die Figur ist, die uns in das Milieu einführt, uns an die Hand nimmt und mit uns durch Pforten des Gefängnisses schreitet, genau so eine gute Entscheidung war es, dass sie nun einen Schritt zurück tritt und so alle anderen die nötige Luft bekommen, um sich selbst in Szene zu setzen.
    Wer die erste Staffel mochte, dem wird auch diese gafallen. Don’t fear the reaper!

  3. Mad Men (S07.1) — Wenige Folgen gab es zu Beginn diesen Jahres, aber diese waren so unglaublich gut, hatten so tolle Momente, dass die erste Hälfte der letzten Staffel auch — so wie jedes Jahr — eine obere Platzierung in dieser Bestenliste verdient.
    Wir sehen, wie sich Don Draper in seine Agentur zurück kämpft, wie Peggy Olson ihre Emanzipation weitgehend abgeschlossen und ihre zentrale Rolle im Arbeitsgefüge behauptet hat, beide miteinander tanzen, Bert Cooper tanzt und singt und alle bei der Mondlandung mitfiebern.

  4. Rectify (S02) — In diesem Jahr hatte Ray McKinnon vier Stunden mehr Zeit alle Facetten von Spiritualität zu untersuchen und tut das meisterhaft mit tollen Bildern, Charakterstudien, Geschichten aus dem Leben und einer der drei besten TV Episoden des Jahres, in der Daniel Holden nach Atlanta fährt, Kunst bestaunt und die hinterbliebene Familie seines langjährigen Mithäftlings besucht.
    Rectify nimmt sich Zeit — viel Zeit — und diese sollte man der Serie auch geben. Sicherlich keine Serie für jeden und auch nichts für nebenbei, aber wer langsam erzählten Geschichten mit massivem emotionalen Einblick in seine Figuren etwas abgewinnen kann, sollte sich dieses Kleinod auf jeden Fall einmal genauer ansehen.

  5. The Affair (S01) — Die Macher von In Treatment bringen uns eine Geschichte, die sich mit den emotionalen Ursachen und Auswirkungen einer außerehelichen Beziehung zwischen dem New Yorker Autoren Noah Solloway (Dominic West) und der Kellnerin aus Long Island Alison Lockhart (Ruth Wilson) auseinander setzt.
    Noah ist glücklich verheiratet mit drei Kindern, hat in eine reiche Familie eingeheiratet und fängt gerade an seinen zweiten Roman zu schreiben. Sie machen über den Sommer Urlaub bei seinen Schwiegereltern in Montauk, einem kleinen Fischerort, wo er Alison kennenlernt. Sie ist ebenfalls verheiratet, jedoch sind sie und ihr Mann (Joshua Jackson) emotional sehr distanziert zueinander, seit sie ein Jahr zuvor ihren jungen Sohn verloren haben.
    Die Geschichte wird getrennt voneinander aus der Perspektive Noahs respektive Alisons erzählt und gibt so sehr genaue Einblicke in deren Leben, Gefühlszustand und vor allem deren unterschiedliche Wahrnehmung des anderen.
    The Affair ist kein unglaublich umwerfendes Fernsehen, in dem irgendwelche Grenzen gesprengt werden oder ein wahnsinnig spannender Plot erzählt wird. Für mich ist diese Serie so besonders, weil sie die jeweilige Gefühlswelt herrausragend portraitiert, alle Schauspieler zu jeder Zeit eine verdammt glaubwürdige und immer passende Performance abliefern und weil die beiden Hauptfiguren so eine wahnsinnig gute Chemie miteiniander haben.
    Zudem kann ich dieser Art Geschichte (und dabei vor allem den Beweggründen und emotionalen Aspekten) aus irgend einem Grund eine Menge abgewinnen.

  6. The Americans (S02) — Ich weiß schon gar nicht mehr genau was ich an dieser Staffel so besonders gut fand, aber die Erzählung von einem russischen Spionageehepaar, das mit zwei jugendlichen Kindern im Amerika der 80er Jahre lebt, ist immer spannend, abwechslungsreich, toll gespielt und beleuchtet underbar, wie diese beiden ‘’Kollegen’‘ mit der Verantwortung zu ihrem Heimatland, ihrem Beruf, ihren Gefühlen zueinander (und zu den Kindern) und den Dingen, die sie für ihr Land tun müssen, hadern.

  7. Masters of Sex (S02) — Diese zweite Staffel hatte so ihre Schwächen. Manche größeren Plotlines funktionierten für mich nicht so richtig und ich bin mir auch nicht so sicher, wie ich die Abweichungen von der wahren Geschichte um Virginia Johnson (Lizzy Caplan) und William Masters (Michael Sheen) so finde. Aber die Stärken überwiegen doch eindeutig. Zum einen gab es hier die zweite der besten drei Fernsehepisoden zu sehen, wir können zwei ganz hervorragenden Schauspielern bei ihrer Arbeit zuschauen und zum anderen schätze ich besonders, dass jede noch so kleine Figur ihren kleinen (meist sehr zufriedenstellenden) Arc bekommt. Niemand ist nur loses Beiwerk — jeder hat mindestens eine erzählenswerte Facette, die hier zum Vorschein kommt.

  8. Bobs Burgers (S04/05) — Keine andere Serie bringt mich so zuverlässig seit nunmehr fünf Jahren zum lachen. Ich weiß, dass Comedy sehr persönlich ist und sich kaum empfehlen lässt, aber ich möchte wirklich jedem and Herz legen mindestens einmal die erste Staffel zu schauen. Ich kenne niemanden, der der Serie nicht mindestens etwas abgewinnen kann, wenn er sich nicht Hals über Kopf in Bob und seine noch viel bessere Familie verliebt.

  9. You’re the Worst (S01) — Eine wirklich hübsche kleine Beziehungskomödie um die selbstzerstörerische PR-Frau Gretchen und den selbstverliebten Autoren Jimmy. Die Serie packt die romantische Komödie von der eher ruppigen Seite an, hat das Herz am rechten Fleck und brachte mich in diesem Jahr oft zum Lachen.

  10. True Detective (S01) — Auf dem Papier hat True Detective alles zu bieten, was man sich von einer guten Serie wünscht. Eine klare künstlerische Vision des Autoren und Showrunner Nic Pizzolatto, einen inspirierten und über die gesamte Staffel konstanten visuellen Stil des Regisseurs Cary Fukunaga und ein erprobtes Schauspielergespann bestehend aus Matthew McConaughey, Woody Harrelson und Michelle Monaghan.
    All diese Komponenten für sich funktionieren toll. Das Setting im düsteren Louisiana, die toll harmonierenden Protagonisten, die skurrilen Figuren, denen sie bei ihrer Ermittlungsarbeit über den Weg laufen, das exquisit geschriebene Drehbuch mit einem zunächst spannenden Mordfall und komplexen Charakteren und die tollen Bilder, die man sich genausogut einrahmen könnte.
    Im Zusammenspiel kommt True Detective dann aber sehr schwerfällig daher. McConaugheys ewigen introspektiven Monologe, der sich immer weiter verzweigende Plot, die immer düstere Stimmung und ein build up, dem das Finale nicht gerecht werden kann, lassen diese Serie an das Ende dieser Liste fallen.
    Es hilft ihr nicht, dass Fargo mit seinem ähnlichen Ansatz einen ungewöhnlich erzählten, abgeschlossenen Krimi zu serialisieren, in allen Punkten erfolgreicher ist. Gerade dieser direkte Vergleich schadet True Detective ungemein.
    Trotzdem ist und bleibt dieses Drama eine Empfehlung in diesem sehr starken Serienjahr.

Honorable Mentions

Keinen Platz auf obiger Liste fanden folgende Serien, die dennoch eine Empfehlung Wert sind.

  • Louie – War gut, ist gut, bleibt gut, nur in diesem Jahr etwas schwächer, wenn auch ambitionierter.
  • BoJack Horseman – Anthropomorphe Tiermenschen (und Menschen) führen ihr exzessives und kaputtes Leben in Hollywood und das ist wirklich alles sehr komisch.
    BoJack Horseman – hirnrekorder
  • Rick and Morty – In diesem vollkommen verrückten Cartoon dürfen sich Dan Harmon und Justin Roiland so richtig austoben. Wer den frühen Staffeln von Community hinterhertrauert, sollte sich das mal ansehen.
  • Anthony Bourdain: Parts Unknown – Auch in Staffel vier entführt uns Anthony Bourdain wieder in ferne Länder und Orte, die keine Touristenattraktionen sind, führt uns in die lokale Esskultur ein und hat dabei offensichtlich einen Haufen Spaß.
    Mein wöchentlicher, einstündiger Urlaub.

Serial

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Jeder und sein Hund redet gerade von einem relativ neuen Podcast namens Serial. Produziert wird dieser von This American Life und damit hat man auch schon eine grobe Vorstellung, was da so los ist.

Genauso wie bei TAL geht es hier ums Geschichten erzählen, nur dass es nicht 3-6 kurze Geschichten pro Episode, sondern eine Geschichte über mittlerweile 7 Folgen erzählt wird. Seriell — hence the name — in inhaltlich zusammenhängende Kapitel aufgeteilt, mit einer Vielzahl an O-Tönen und einer sehr guten Erzählerin, die diese Story auch recherchierte.

In dieser Podcastreihe geht es um einen mittdreißigjährigen Mann namens Adnan Syed, der im Alter von 19 Jahren am Mord seiner Ex-Freundin verurteilt wurde. Das besondere an diesem Fall ist der komplette Mangel an Beweisen, einem zwielichtigen angeblichen Mittäter (Jay), der mit seinem Geständnis Adnan in den Fokus der Polizei brachte, einen mysteriösen Dritten und einem Haufen, sich widersprechenden, Indizien, die der Jury aber reichten eine Verurteilung auszusprechen.

Die Journalistin Sarah Koenig rollt in Eigeninitiative den Fall erneut auf, ist in Kontakt zu diversen Zeugen und dem inhaftierten Adnan und lässt so von vielen Seiten Licht auf diesen Fall werfen.

Wer serieller Erzählstruktur verfallen ist und so ein Format für den eigenen Podcastclient sucht, sollte unbedingt auf den Abo-Knopf drücken. Ich fiebere jedenfalls jeder wöchentlichen Erscheinung einer neuen Episode entgegen und bin total Begeistert.

Das Format soll nach dieser Geschichte fortgeführt werden und in eine neue Staffel gehen.

Links

Serial – Official Website
Serial (podcast) – Wikipedia, the free encyclopedia)