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Sense8

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Wir kommen mal wieder zu einem Fall von “I watch TV so you don’t have to.”

Der neueste Streich von Netflix, der uns vor ein paar Tagen vor die Füße geworfen wurde ist Sense8, die neue Serie von den Wachowskies und J. Michael Straczynski.

Sense8

Es geht um eine Gruppe von je vier Männern und Frauen, die quer über dem Erdball verteilt leben, sich nicht kennen und plötzlich mental miteinander verbunden sind.
Das passiert weil ein anderer Cluster von ebenso verbundenen Menschen verfolgt und (zumindest eine) gefunden wird, diese kurz bevor sie geschnappt wird einen neuen Cluster gebärt und sich darauf das Leben nimmt, um diesen neuen Cluster um unsere 8 Helden zu beschützen.

Die Sensate sind — wie man leicht vermuten kann — eine evolutionäre Abweichung des Homo Sapiens und da Homo Sapiens alles zerstört, was er nicht versteht oder kontrollieren kann, ist eine kleine Gruppe eingeweihter Menschen hinter den Sensate her.
Aber was macht nun einen Sensate aus? Durch ihre mentale Verbindung haben sie (zumindest temporär) Zugriff auf das Wissen, die Sprache oder die Fähigkeiten der anderen aus ihrem Cluster, was sich darin manifestiert, dass sie sich gegenseitig erscheinen, sich miteinander unterhalten, gegenseitig Tipps geben und unterstützen. Ist also jemand in einer brenzligen Situation, aus der man nur mit besonderen Autofahrfähigkeiten entrinnen kann, kommt Capheus, ein Busfahrer aus Nairobi vorbei und setzt sich ans Steuer. Klar soweit?

Nun ist diese Verfolgung eher Hintergrundgeschichte und selten im Fokus (abgesehen vom Ende), sondern es geht eher um die persönlichen Geschichten der acht und so kommen wir zu dem Aspekt, den ich zumindest halbwegs interessant fand.
Alle acht sind in ihrem eigenen kleinen Genre-Filmchen, in dem sie ihre alltäglichen Problemchen lösen. Der Cop aus Chicago steckt in einem Cop-Drama, der versucht aufzudecken, wer sie jagt und außer Gefecht setzen will, der homosexuelle Telenovela Schauspieler aus Mexico City lebt selbst in einer Seifenoper mit viel Romantik und noch mehr Drama, der Berliner Tresorknacker Wolfgang bestreitet seinen eigenen Gangsterfilm mit pompösem Showdown, die isländische DJane (sagt man das heutzutage noch? Ich werde alt.) Riley mäandert in ihrem eigenen drogengeschwängerten Depri-Drama umher, die indische Pharmazeutin Kala lebt in einem Bollywood-Streifen um Glauben, Liebe, Mord und Tanz, die lesbische Trans-Hacktivistin Nomi ist Protagonistin in einem — ratet mal – kommt ihr nie drauf — Hacker-/Spionagethriller, die Martial-Arts Expertin Sun bestreitet einen Martial-Arts Film und der Nairobische Busfahrer Capheus wird zur Spielfigur in einem Krimi mit Drogenbossen und Slum-Gangs. Und all diese Geschichten sind in einer Science-Fiction-Mystery eingebettet in der Naveen Andrews (Sayid aus LOST) den Erklärbär spielt.

So ähnlich wie Cloud Atlas ist also auch Sense8 eine sehr ambitionierte Genreübung, die nur leider mit den plattesten Stereotypen arbeitet und den breitesten aller Pinselstrichen gemalt ist. Keine dieser Einzelgeschichten ist irgendwie besonders fesselnd oder clever, es werden keine Details ausgearbeitet, sondern die flachste und bereits am häufigsten erzählte Variante dieser Geschichte erzählt. Das ist ganz schön frustrierend und langweilig.
Wenn man nun vermutet, dass bei oberflächlichen und detailarmen Geschichten wenigstens ein riesiger Haufen Plot verwurstet wird, der tatsächlich irgend etwas mit der Situation der acht zu tun hat, so täuscht man sich gewaltig. Die zwölf Folgen der ersten Staffel fühlen sich eher wie ein Prolog an, denn so richtig schlauer sind am Ende der Staffel nicht. Überhaupt werden auch nicht besonders klare Regeln in diesem fiktiven Universum aufgestellt, so dass man die Hälfte der Zeit gar nicht so richtig weiß, was überhaupt möglich ist und woher gewisse Fähigkeiten eigentlich kommen.
So etwas finde ich immer problematisch, denn so wird der Zuschauer im Ungewissen gelassen und wird bloß durch eine neue Regel überrascht und nicht durch besonders cleveres Handeln innerhalb dieser Regeln und so haben die Autoren immer die Möglichkeit eine neue Regel zu erdenken, wenn sie sich in eine Ecke geschrieben haben.
Ein ebenso großen Ärgernis ist für mich ein grundloses Vorenthalten von Informationen von Verbündeten. Vieles wäre so viel leichter, würden sich unsere Hauptfiguren zusammensetzen und einmal ordentlich austauschen, anstatt herumzuknutschen.
Ein wenig bekloppt sind auch die beteutungsschwangeren Namen der Akteure, die mit der Eleganz eines Vorschlaghammers gewählt wurden. Wir haben Dr. Metzger, der Lobotomien an den Sensate durchführt, der zwielichtige Jonas, der zwei Gesichter zu haben scheint, die depressive Riley Blue, die engelsgleiche Angelica usw.

All das zeigt das enorme verschenkte Potential dieser Serie, aber es gibt auch gute Aspekte. Wenn die Stars schon nicht vor der Kamera stehen oder im Writers-Room sitzen, so sitzen sie doch im Editing-Room. Der Schnitt von Bild und Ton sind so unfassbar gut, dass er mich ständig emotional einfing. Die Fähigkeit uns in 10 Sekunden während eines Dialoges oder einer Action-Szene dreimal um den Erdball zu führen, ohne dass es komisch aussieht oder klingt und mehrere Tonebenen zu integrieren, was immer sachdienlich ist und immer mehr Drama oder Emotionen erzeugt, ist einfach beeindruckend.
Einige Szenen, in denen die Sensate zusammen kommen, um sich gegenseitig zu helfen, oder etwas besonderes gemeinsam zu erleben, sind ganz toll und lösten sehr emotionale Reaktionen in mir aus, nicht zuletzt weil sie nicht nur dann zusammen kommen, wenn sich jemand aus einer Situation rausboxen muss, sondern weil sie eine emotionale Verbindung zueinander haben und an einander Leben teilhaben wollen.

Fazit

Möchte man nun selber für sich feststellen, ob Sense8 was für einen ist, so empfehle ich die ersten vier Episoden zu schauen. Diese geben einen guten Querschnitt über das, was in dieser ersten Staffel so möglich ist, besser wird es danach nicht und eine zufriedenstellende Auflösung des Mysteriums bekommen wir am Ende auch nicht. Wie ich schon sagte, diese Staffel fühlt sich eher wie ein Prolog an. Bis zum Schluss wird auch nicht wirklich klar, was für eine Geschichte Sense8 eigentlich erzählen will. Soll es darum gehen, wie sich die acht gegenseitig bereichern und ihre eigene Story bewältigbarer machen, wie es ein guter Freund täte, oder soll es darum gehen, wie sie sich aus den Fängen ihrer Verfolger befreien? Warum wurde diese Gabe überhaupt weitergegeben, warum an diese Menschen? Warum müssen sie überhaupt erst “erneut geboren” werden, wenn sie die genetische Mutation bereits in sich tragen und es die eigentliche Verbindung bereits seit ihrer Geburt gibt und wie funktioniert das überhaupt? Warum erfahren wir nichts von anderen Clustern und deren Beweggründen? Ja warum nur?
Ansonsten kann man die Serie getrost auslassen und verpasst wirklich nichts bemerkenswertes. Konzeptionell ist Sense8 sicherlich interessant, aber wenn das kreative Team nicht in der Lage ist aus den Einzelgeschichten irgendetwas neues oder unkonventionelles herauszukitzeln, dann bleibt diese Serie nichts weiter als ein spannendes Konzept, was an seiner Ausführung scheitert, so wie fast alles aus der Feder der Wachowskis.

★★✩✩✩

Trailer

The State of Podcasting

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Podcasts sind zu lang, zu häufig, zu schlecht produziert und voller toter Luft. Schlicht — es steckt oft zu wenig Arbeit drin.

Podcasts gehören zu meiner liebsten und — mindestens zeitlich — umfassendsten Quelle für Unterhaltung und Information.
Zu meiner Podcastdiät gehören welche von professionellen Fernseh- und Filmkritikern sowie jahrelangen Hobbyisten zu diesen Themen, diverse Storrytelling-Podcasts, Special-Interest-Podcsts zu Stiften und Papier, Fitness, Interviews, Cocktails und Bücher und genau einem Tech-Podcast.

Ich würde mir also einbilden einen recht guten Überblick über weite Teile der Podcastladschaft der letzten 10 Jahre zu haben.
Wir alle feiern die Losgelöstheit von zeitlichen Grenzen, Unwichtigkeit von Nischen und massenuntauglichen Formaten. Das meiste ist und bleibt gut verteidbar, aber gerade der Zeitaspekt nervt mich schon seit langem. Ich höre gerne Menschen 3h lang zu, wenn sie Ahnung haben, unterhaltsam sind und tatsächlich etwas zu sagen haben. Ich verstehe auch, dass vor allem die Nachbereitung mindestens die gleiche Länge des Aufgenommenen Materials hat, aber niemand will von Mikrofon-, Kopfhörer-, Mixer-, Skype- oder Internetproblemen hören.
Im gleichen Maß regt mich auf, wenn 10x pro Folge Dead Air entsteht, gefolgt von der Frage “Haben wir noch Themen?” oder “Bist du noch da?”.
Macht euch eine Themenliste, stoppt die Aufnahme, wenn ihr müde seid, kriegt euer Audiosetup vor der Aufnahme in den Griff. Show some fucking respect!

Wenn euer Intro 10 Minuten dauert, bis ihr das erste Mal etwas von Wert erzählt, 10-50% der Sendezeit quasi tote Luft ist, jede Woche die neue beste App unter der Sonne vorgestellt wird oder 10 verschiedene Leute in einer Panelshow 3h lang über einen Film oder ein sonstiges Thema sprechen, dessen Essenz in 10 Minuten gepasst hätte, dann ist das einfach ärgerlich.
Podcaster freuen sich darüber, nicht wie Radio sein zu müssen, dabei würde es ihnen gut zu Gesicht stehen, sich das eine oder andere vom Radio abzuschauen.

Podcasting steckt nicht mehr in den Kinderschuhen. Ihr seid schon lange nicht mehr das einzige Abo für eure Hörer. Besorgt euch passable Mikrofone, jagt das Audofile durch Auphonic. Ihr werdet in der Bahn gehört und wenn man euch nicht verstehen kann, werdet ihr nicht gehört.
Es ist auch schon lange nicht mehr witzig, wenn sich das Endprodukt anhört, als wäre es von Dilettanten gemacht.
Wenn ihr mal in einer Woche keine Themen habt, lasst sie einfach mal ausfallen und langweilt mich nicht mit ziellosem Geschwafel. Die Länge einer Folge oder die Anzahl derer ist kein verdammter Wettbewerb.

Es hat gute Gründe, dass Serial innerhalb von 3 Wochen der erfolgreichste Podcast aller Zeiten wurde. Serial war knackig zeitlich beschränkt, persönlich, clever und spannend.
Sicherlich lässt sich Serial nicht mit einem Tech-Podcast vergleichen, aber von der Konsumierbarkeit kann man sich einiges abschauen.

Also kauft euch ordentliches Equipment, drückt stopp, wenn ihr nichts mehr zu sagen habt, fügt Kapitelmarken ein (oder wenigstens Timecodes) damit man zu den Themen springen kann, die einen interessieren und schneidet alles raus, was nichts mit dem Podcast zu tun hat.

Die wenigsten befolgen dieses Minimum an Dienst am Hörer. Ich habe besseres zu tun, als mich die Hälfte der Zeit zu ärgern, nur um ein paar Nuggets Unterhaltung oder Infos zu bekommen. Ich kann selbst nicht alle Podcasts abbestellen, die mich ärgern, denn dann bliebe fast nicht von meinen 60 Abos übrig und das will ich nicht, aber wäre es nicht schön, wenn die Ärgernisse weniger würden?

Top 20 Movies - 2014

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Da es mir unheilmich schwer fiel, mich auf 10 Filme zu beschränken und ich so viel wirklich gutes nicht unerwähnt lassen wollte — und konnte — finden sich auf dieser Liste alle Filme, die mich so sehr bewegten, dass mich eine Nichterwähnung zu sehr geschmerzt hätte.
Des weiteren habe ich mich auch nicht religiös an deutsche Kinoerscheinungstermine — oder ob sie überhaupt einen deutschen Kinostart bekamen — gehalten. Und weil ich eh keine Top 10 mache und auf eine direkte Vergleichbarkeit nicht besonders viel Wert lege, geht es hier um meine ganz persönliche Liste.

Wenn ich auf das vergangene Filmjahr zurückblicke, war es für mich ein recht durchwachsendes. Der Sommer taugte mit seinen Blockbustern, wie immer eigentlich gar nichts, es gab eigentlich keinen zwingenden Film, der allen anderen davongelaufen wäre, dafür gab es ganz viele tolle, kleinere Filme, die in meinem 7-8/10 Punkte Raster gelandet sind. Es gibt also vieles zu entdecken, vieles unbekanntes, vieles, was an einem vorbei gegangen ist und auch ich habe noch etwa 25 Filme auf meiner Liste, die ich bis zum Schreiben dieser Liste gerne gesehen hätte. Aber was solls. Top 20 – 2014!

  1. Fruitvale Station (Ryan Coogler – 2013) — Ich habe noch nicht einmal mit meiner Liste angefangen und schon widerspreche ich meinem Eingangsstatement. Fruitvale Station war der erste Film, den ich 2014 gesehen habe und er ist der einzige, der allen anderen davon rennt, bei dem mir eigentlich klar war, dass den Rest des Jahres kein besserer Film mehr kommen wird.
    Fruitvale Station hat ein paar kleinere Probleme, die mich aber nicht weiter stören, vor allem nichts von dem Gesamteindruck wegnehmen (ein Fakt, der sich durch die ganze Liste ziehen wird), sondern ist ein Film, der mich dermaßen emotional aufgewühlt und mitgenommen hat, wie kein zweiter. Eine Eigenschaft, die ich einem Film am höchsten anrechne.
    Der Debutfilm Ryan Cooglers erzählt den letzten Tag im Leben des Oscar Grant, der am Sylvestermorgen von einem Polizisten quasi grundlos erschossen wurde. Oscar wird von Michael B. Jordan (The Wire, Friday Night Lights) gespielt und damit sind wir auch schon bei dem Grund, diesen Film zu schauen. Denn inhaltlich kann und will ich gar nicht viel sagen. Es ist die Stimmung, die einen so mitreißt, die Erwartung an das unausweichliche Ende (mit dem wir schon in den ersten Sekunden des Films konfrontiert werden) und vor allem Jordans Schauspiel.
    Fruitvale Station – hirnrekorder

  2. Short Term 12 (Destin Daniel Cretton – 2013) — So meisterhaft, wie wir zu Beginn des Filmes in das Sujet, seine Figuren und seinen Ort einigeführt werden, so meisterhaft werden die Beziehungen untereinander und emotionalen Hintergründe erkundet.
    Ein paar Mitzwanziger arbeiten in einer Einrichtung für heimatlose oder verhaltensauffällige Jugendliche, die sie mit viel Herz und Hingabe betreuen und dabei ihr eigenes Päckchen zu tragen haben.
    Ein toll gespielter, ergreifender und nahezu perfekter Film.

  3. Under the Skin (Jonathan Glazer – 2013) — Was für mich im letzten Jahr Upstream Color war, ist in diesem Jahr der künstlerische Film Under the Skin. Scarlett Johansson mimt das fremde Wesen, das ihren Körper als Werkzeug benutzt, anderen damit zu dienen.
    Betörende Bilder gepaart mit einem verstörenden Soundtrack lieferten für mich eine beeindruckende Metapher auf Weiblichkeit im Allgemeinen und Prostitution im Speziellen.

  4. Starred Up (David Mackenzie – 2014) — Einer meiner liebsten Filmemacher knöpft sich das Gefängnisdrama vor, das nur so vor Wut, Gewalt und Verletzlichkeit strotzt.
    Jack O’Connell spielt den noch minderjährigen Straftäter, der wegen seiner extremen Gewaltbereitschaft frühzeitig in ein Gefängnis für Erwachsene transferiert wird und dort mit noch mehr Gewalt, seinen einflussreichen und nicht weniger aggressiven Vater und einen Sozialarbeiter, der sich seiner annimmt, konfrontiert wird.
    Starred Up gibt dem Zuschauer genausowenig Zeit zum Verschnaufen wie seinem Protagonisten, dessen erste Handlung am Ende einer fast 10 Minuten langen wortlosen Einführung ist, aus einer Rasierklinge und seiner Zahnbürste einen ortstypischen shiv zu basteln. Routiniert und allzeit bereit sich mit ultimativen Mitteln zur wehr zu setzen.
    In diesem Modus agiert sowohl Eric als auch Starred Up, was einen unglaublich spannenden, atemlosen aber auch ergreifenden Film erzeugt.
    Ein absolutes Brett!

  5. Her (Spike Jonze – 2013) — Neben einer meiner Meinung nach sehr treffenden Zukunftsvision schafft Her ein paar Stückchen Filmmagie zu leisten. In der Hauptsache konstruiert Spike Jonze hier eine recht konventionelle romantische Komödie, die trotz ihrer sehr ungleichen Paarung nie unglaubwürdig, sondern harmonisch und unaufgeregt funktioniert. Ein Beleg für das herrausragende world-building, das der Film leistet.
    Desweiteren glänzt Her mit Schauspiel, Ausstattung und einem ganz tollen Ende. Ein Film an dem es absolut nichts auszusetzen gibt.

  6. The One I Love (Charlie McDowell – 2014) — Eine wundervoll schräge Mischung aus Romanze, Science Fiction und Detektivgeschichte, in der das Ehepaar bestehend aus Mark Duplass und Elisabeth Moss von Ted Danson in ein abgelegenes Landhaus geschickt werden, um ihre Ehe wieder in den Griff zu bekommen, wo sie auf ein obskures Dilemma stoßen.
    Ein ganz herzerwärmender Film, in der seine Protagonisten genau die Fragen stellen, genau die Dinge tun, die ich in deren Situation auch tun würde. Ein Film über die Suche nach dem Funken Begeisterung, der die Liebe entfachte, der — wie das nun einmal so ist — mit der Zeit verloren geht.
    Die Richtung, die The One I Love in den letzten 15 Minuten einschlägt ist ein wenig schade, aber wie ich bereits erwähnte, schmälert das den Film nicht wirklich.

  7. Blue Ruin (Jeremy Saulnier – 2013) — Ein Rache-Film, der mit der seinem Genre inheränten Konventionen bricht, denn mit dem Racheakt beginnt der Film und exploriert, was die meisten anderen Filme dieser Geschmacksrichtung nicht zeigen — dass mit diesem Racheakt der ganze Schlamassel erst los geht.
    Ein verwahrloster Mann, der am Strand in seinem Auto lebt, liest in der Zeitung, dass der Mörder seiner Eltern aus dem Gefängnis entlassen wird und tut das, worauf er augenscheinlich die letzten Jahre gewartet hat. Er macht sich repräsentabel, macht seinen Wagen fahrtüchtig, besorgt sich eine Waffe und fährt zum Mörder seiner Eltern…
    Blue Ruin hat viel von den Coen Brothers, denn — das zeigt uns dieser Film — Mord ist nichts für Amateure und der wortkarge Mann ist vor allem eines — ein Amateur. Obwohl klar ist, dass Dwight auf diesen Moment gewartet und die ersten notwendigen Schritte gut geplant hat, so lässt sich ein solches Vorhaben eben nicht minutiös vorbereiten. An einem gewissen Punkt muss improvisiert werden, nur tritt dieser Punkt für unseren Helden viel zu früh ein.
    Diese Kombination birgt viel pechschwarzen Witz, eine sehr ökonomisch erzählte Geschichte und unerwartete Gewaltexplosionen. Saulnier macht es sich jedoch nicht einfach und erzählt die oft dagewesene Farce eines inkompetenten Kriminellen, der nichts auf die Reihe bekommt, nein, Dwight (Macon Blair) ist beizeiten einfalssreich, manchmal nicht, so zielstrebig, wie es nur geht, aber offensichtlich wächst ihm sein ganzes Vorhaben über den Kopf.

  8. Enemy (Denis Villeneuve – 2013) — Die zweitbeste Performance von Jake Gyllenhaal und die zweitbeste in Film gegossene Metapher in diesem Jahr finden sich in Enemy, einem Film über die zwei Leben, die Mann häufig führt (das konsequenzlose Jungesellenleben wird der verantwortungsvollen Vaterrolle gegenübergestellt) und dem inneren Kampf darum, für welches sich das Subjekt entscheiden wird.
    Diese Thematik wird in düstere und mystische Bilder und Töne verpackt und soweit verschlüsselt, dass es hier diverse Deutungsebenen geben wird und jeder etwas anderes aus diesem Film ziehen mag. (Ich habe mich jedenfalls für obige Deutung entschieden.)
    Enemy verlässt sich vielleicht etwas zu sehr auf visuelle Stimmung, Präzision und Symbolik, so dass seine Figuren leider etwas flach bleiben und die Spannung nicht ganz bis zum Ende aufrecht erhalten werden kann. Wäre da nicht die allerletzte Szene…

  9. Foxcatcher (Bennett Miller – 2014) — Die Brüder Mark und David Schultz (Channing Tatum und Mark Ruffalo) gewannen 1984 olympisches Gold im Ringen, jedoch spiegelt sich dieser Erfolg nicht in deren Leben wieder. Während David eine Familie hat, warmherzig und emotional gefestigt ist und als Trainer und Speaker gefragt ist, so ist Mark der Außenseiter, der stets im Schatten seines großen Bruders steht und sich nie eine eigene Identität schaffen konnte. Gerade Mark lebt in ärmlichen Verhältnissen und ist ganz darauf konzentriert bei den nächsten Olympischen Spielen in Seoul anzutreten, als John du Pont (Steve Carell) — Oberhaupt einer amerikanischen Familiendynastie mit viel altem Geld — in Marks leben tritt und ihm mit Worten wie “amerikanischer Held”, “Patriotismus” und “Wertschätzung” bedeutungsschwanger anbietet auf du Ponts Residenz das amerikanische Ringerteam anzuführen und zu trainieren.
    Mit sorgfältiger Langsamkeit, schweren Bildern, stimmungsvoller Musik und herausragenden Performances der drei Protagonisten, untersucht Miller Familiendynamiken wie Brüderlichkeit, Matriarchat und Eigenständigkeit, sowie Klasse, gesellschaftlicher Positionierung und nicht zuletzt den amerikanischen Traum.
    Einigen wird vielleicht bekannt sein, wie diese Geschichte endet, nur erkannte Miller, dass dies der uninteressanteste Teil dieses Beziehungsgeflechts ist und gibt diesem düsteren Schlusspunkt nicht mehr Raum, als er benötigt. Vielmehr steht die Dynamik und Motivation der Figuren im Vordergrund und das finde ich persönlich viel erzählenswerter.

  10. Calvary (John Michael McDonagh – 2014) — Calvary ist in seiner Thematik nicht sonderlich subtil, so steht alles, was man über diesen wissen muss bereits im Titel. Calvary oder Kalvarienberg ist die Hinrichtungsstätte Christi und die Hauptfigur ist der Priester James (Brendan Gleeson).
    Sollte ich ein Adjektiv für Calvary finden so ist dies ohne Frage “kraftvoll”. Die Eröffnungs- und Abschlussszene, die darstellerische Leistung Gleesons, der geografische Hintergrund, die Bildgewalt. Angereichert wird das ganze von außergewöhnlich guten Nebencharakteren, einer bizarren Varer-Tochter-Beziehung und den Fragen nach Moral, Ehre und Spiritualität.
    Ich mag es Menschen dabei zuzusehen, wie sie gewissenhaft und mit ganzem Herzen ihre Arbeit verrichten und hier habe ich die Gelegenheit dazu dies bei einem Priester zu tun, der die alleinige emotionale Stütze eines kleinen Örtchens an der Küste Irlands ist.

  11. Deux jours, une nuit (Two Days, One Night) (Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne – 2014) — Sandra (Marion Cotillard), eine junge belgische Mutter, wird entlassen, als ihren Kollegen die Wahl gestellt wird, einen Bonus zu bekommen oder Sandra ihren Job zu lassen. Als sie ihren Vorarbeiter konfrontiert, stimmt dieser einer zweiten — dieses Mal geheimen — Wahl zu und gibt ihr damit das verbleibende Wochendende Zeit, ihre Mitarbeiter davon zu überzeugen, zu ihren Gunsten abzustimmen.
    So beginnt eine zwei Tage (und eine Nacht) andauernde Odyssee durch alle Facetten menschlicher Natur, in der jeder einzelne ihrer 16 Kollegen vor das gleiche moralische Dilemma gestellt wird und Sandra mit so ziemlich jeder vorstellbaren Reaktion ihres Gegenüber zurecht kommen muss.
    Ein vor allem von Cotillard famos gespielter Film, der jede Nuance ihrer innreren Zerrüttung einfängt und dieser jede Graustufe zwischen Empathie und Egoismus gegenüberstellt.

  12. Nightcrawler (Dan Gilroy – 2014) — Lou Bloom (Jake Gyllenhaal), ein Mann der nach gesellschftlicher Verortung und Arbeit sucht, stolpert in die Welt der Nightcrawler, den Kameramenschen, die des Nachts auf der Suche nach Videomaterial für lokale TV-News Stationen sind und ist wegen dem Fehlen jeglicher Moral in der Lage schnell bessere und schockierende Bilder zu liefern, als seine Kontrahenten.
    In Nightcrawler können wir Jake Gyllenhall, der hier die beste Performance seiner Karriere hinlegt, dabei zusehen, wie ein Soziopath, der entweder gesellschaftliche Grenzen nicht anerkennt oder sich derer nicht bewusst ist, den amerikanischen Traum lebt. Ohne klassische Bildung, dafür diversen Selbsthilfebüchern, dem Internet und höchster Ambition, eignet sich Bloom genau die Fertigkeiten an, die er für sein Fortkommen braucht und hat damit brachialen Erfolg.
    Nightcrawler ist wahnsinnig packend, wegen seiner Immoralität ständig unkomfortabel und immer auf den Punkt. Die große Portion Medienkritik, die hier verpackt ist (und die so viele an diesem Film so abfeiern), ist für mich der schwächste und uninteressanteste Teil dieser Soziopathenstudie. Dafür ist die minutiöse Planung, das immer größere Ziel vor Blooms Augen (Oh Gott, diese fürchterlichen kalten und eingefallenen Augen) und seine Überlegenheit durch die fehlende Anerkennung aller Konventionen, der Kern dieses Films.

  13. Obvious Child (Gillian Robespierre – 2014) — Donna Stern (Jenny Slate) ist ein Comedian in ihren Zwanzigern, als sie nach einem One-Night-Stand mit Ryan (Paul Briganti), der eigentlich hervorragendes Datingmaterial wäre, schwanger wird und sich daraufhin erstmalig ernsthaft mit ihrer selbständigen Weiblichkeit auseinandersetzen muss.
    Romantische Komödien sind meist platt, glattgebügelt und erzählen die immergleiche Geschichte. Nicht so Obvious Child. Gillian Robespierre behandelt in ihrem Debüt genre-untypische Themen wie Abtreibung aus weiblicher Perspektive, hat dabei willkommene Ecken und Kanten und ist dabei erfrischend ehrlich, pragmatisch, hat das Herz am rechten Fleck und ist richtig witzig.
    Highlight des Filmes ist für mich, dass Donna nie in Frage stellt, dass die Abtreibung die für sie richtige Entscheidung ist, sogar Beistand aus ihrem weiblichen Umfeld bekommt, sie jedoch diese Situation dazu bringt ihre Lebensentscheidungen, die sie an diesen Punkt brachten — seien sie romantisch, finanziell oder professionell — in Frage zu stellen.
    Man kann ein recht konventionelles Genre doch noch interessant gestalten. Toll.

  14. Turist (Force Majeure) (Ruben Östlund – 2014) — Eine perfekte, vierköpfige Familie ist im Skiurlaub und wird von einer kontrolliert erzeugten Lawiene erfasst. Nachdem der Vater panisch die Beine in die Hand nahm, die Mutter jedoch ihre Kinder beschützte (und alle unversehrt überlebten), entbrennt eine eheliche Krise über Pflichtbewusstsein, Verantwortung, Priorität und Heldentum. Ein toller Film, der mich sehr nachdenklich stimmte und für allerlei Diskussionen sorgte.

  15. Maps to the Stars (David Cronenberg – 2014) — Ich bin kein besonderer Cronenberg-Experte, aber sogar ich habe geschnallt, dass er mit seinen Filmen Untersucht, wie sich Menschen in verschiedenen Umständen und Umgebungen transformieren.
    In Maps to the Stars betrachtet Cronenberg die Alptraumfabrik Hollywood und bewegt sich irgendwo zwischen griechischer Tragödie und verschrobener Sitcom / pechschwarzer Komödie.
    Julianne Moore spielt eine herrlich hysterische alternde Schauspielerin, Mia Wasikowska dessen mysteriöse Assistentin, Robert Pattinson einen Limousinenfahrer, John Cusack den spirituellen Heiler Moores und irgendwie hängen sie alle in dieser herrlichen Satire — die weit mehr ist als nur das — zusammen.
    Mit chierurgischer Präzision seziert Cronenberg die Kloake Hollywoods in — wie Mark Kermode es beschreibt — seiner version von Sunset Blvd..

  16. Only Lovers Left Alive (Jim Jarmusch – 2013) — Wenn sich Jim Jarmusch eines Genres annimmt, dann tut er das meist auf sehr unkonvetionelle Art und Weise. Bei “dem Vampirfilm” interessieren ihn keine bedeutungsschwangeren Symbole, wie Kreuze, Weihwasser oder Knoblauch oder der Horror des Übernatürlichen, sondern was quasi-Unsterblichkeit mit Romantik anstellt und wie sich Generationenwechsel auf die sehr alten Vampire auswirken.
    Only Lovers Left Alive spielt mit dem Gegensatz zwischen der Weisheit, Gelassenheit und Perspektive bezüglich Geschichte und Kultur, die Tom Hiddlestons und Tilda Swintons Adam und Eve über Jahrhunderte sammelten und der schnellebigen Neuzeit sowie der jungen und wilden Vampirin Ava (vorzüglich verspielt böse gespielt von Mia Wasikowska).
    Der Film bleibt angenehm ruhig, relaxed und unaufgeregt, hat so einiges zu sagen und verbreitet mit seinem betörenden Soundtrack eine gar wundervolle Stimmung.

  17. Palo Alto (Gia Coppola – 2013) — Als ich schon dachte, dass 2014 keinen einzigen guten Coming of Age Film bereit hält, kommt mal eben Palo Alto vorbei.
    Das nächste Filmdebüts auf dieser Liste basiert auf einer Sammlung von Kurzgeschichten James Francos und zeigt eine Reihe von ziellosen, einsamen, freizügigen und rücksichtslosen Jugendlichen, so ähnlich wie das Kids vor einer ganzen Weile schon einmal tat. Nur fängt Francis Ford Coppolas Enkelin diesen Themenkomplex mit träumerischer, weiblicher Linse ein und konzentriert sich weniger auf den Ekel, der von Pubertierenden ausgehen kann, sondern sympathisiert immer mit ihnen.
    Der Pfeiler dieses schönen kleinen Filmes ist zweifelsohne die herzzerreißende Performance von Emma Roberts, der ein paar weitere tolle Figuren (und Schauspieler) zur Seite stehen.
    Nicht alle Versatzstücke funktionieren gleich gut, aber sie passen thematisch und in ihrer Stimmung toll zusammen.

  18. A Most Wanted Man (Anton Corbijn – 2014) — Wer Spionagethrillern, in denen man seinen Figuren bei ihrem Tagesgeschäft zusehen kann, Hamburg und Philip Seymour Hoffman etwas abgewinnen kann, der wird an A Most Wanted Man seine helle Freude haben.
    Corbijn, der bereits den bildhübschen (und stilistisch ähnlichen) The American fabrizierte, fängt auch hier ziel- und stilsicher einen mittelmäßig komplexen, aber immer spannenden Plot um einen illegal in Hamburg eingereisten muslimen Tschechen ein, der in den internationalen Kampf gegen den Terror verwickelt wird.
    Seymour Hoffman ist hier — in einem seiner letzten Projekte — eindeutig der Star, der sie alle an die Wand spielt, dessen Tod einen ernsten Schatten auf die ohnehin sehr ensthafte, isolierte und alkoholabhängige Rolle wirft. Ein Film mit mehr politischer Komplexität als Action, mehr moralischen Grauzonen als westlicher Heldenhaftigkeit, in dem sich Corbijn, der Musikvideoveteran ist (die ja normalerweise für ihre flashyness bekannt sind) angenehm zurück hält.

  19. Life Itself (Steve James – 2014) — Von den vielen Dokumentationen, die ich in diesem Jahr gesehen habe waren nur zwei aus 2014 und eine verdient es auf diese bescheidene Liste. Life Itself widmet sich dem Leben von Roger Ebert, seineszeichens einflussreichster Filmkritiker Amerikas, der mit seinen sehr persönlichen und pointiertien Kritiken nicht selten ähnlich starke Emotionen heraufbeschwor, wie die besprochenen Filme.
    Der Mann, der die Bühne genoss, sich ebensogerne inbrünstig stritt wie unterichtete, verlohr die Bühne und gesprochene Stimme an den Krebs, eroberte sie sich mit seinem Blog, den geschriebenen Wort und Präsenz in den sozialen Medien wieder zurück und schrieb bis zu seinem Tod 2013, als ob der Leibhaftige hinter ihm her gewesen wäre.
    Life Itself beschäftigt sich weniger mit Filmkritik als mit dem Leben und der späten Leidensphase Eberts, gewinnt tiefe Einblicke in dessen letzte Wochen und Monate und fasst die vielen Stationen seines Lebens gut zusammen.
    Die Krankenhausszenen machen aus Life Itself jedoch weit mehr als eine Andernanderreihung von Lebensstationen. Sie fangen Roger Eberts Lebenswillen, seinen positiven Umgang mit dem Tod und seinen Drang sich mitzuteilen emotional ein, so dass diese Bilder sowohl lebensbejahend als auch herzzerreißend auf den Zuschauer wirken.

  20. The Rover (David Michôd – 2014) — Setting dieses Crime Dramas ist das australische Outback “zehn Jahre nach dem Kollaps”. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, das Geld nichts mehr wert und alles ziemlich öde und trist. Aber das bietet nur die Tapete dieses dystopischen Rachethrillers, der einige Tropen aus dem Western entlehnt.
    Erics (Guy Pearce) Auto wird von drei Männern gestohlen, die auf der Flucht vor der Polizei sind und ihr kaputtes, aber fahrbares Auto zurücklassen und Eric nimmt die Verfolgung auf.
    Tolles düsteres World-Building, genauso gute zentrale schauspielerische Leistungen von Pearce und Robert Pattinson und toll inszenierte Szenen. Ein toller Film.

  21. Edge of Tomorrow (Doug Liman – 2014) — Normalerweise stecke ich meinen liebsten Blockbuster des Jahres auf Platz 10 meiner Bestenliste, um das alles etwas aufzulockern, auch wenn dieser meist nicht der zehntbeste Film war. Nicht so in diesem Jahr. Kein Platz und so. Aber erwähnen wollte ich den einzigen Blockbuster, mit dem ich wirklich Spaß hatte, schon.
    Die Tagline “Live – Die – Repeat” beschreibt diesen Film, der den “ich wiederhole den Tag, um ihn zu perfektionieren”-Trope in den Actionfilm hebt, wohl am treffendsten. Tom Cruise und Emily Blunt ziehen gegen eine Alieninvasion auf der Erde in den Krieg, sterben und wiederholen das Ganze.
    Prima inszeniert, saukomisch, feine Frauenrolle, schicke Aliens und eine Menge Spaß. Auch wenn das Ende nicht ganz landen kann, aber — wie gesagt — ziemlich wurscht.

Ihr merkt, kein Boyhood, kein Grand Budapest Hotel, kein Interstellar. Die habe ich beim Erstellen dieser Liste noch nicht gesehen und bin ganz froh, denn so bleibt Platz für die kleineren Filme. Boyhood konnte ich zwar mittlerweile nachholen, und wäre irgendwo um Platz 5 herum gelandet, aber der bleibt nun außen vor.

Top 10 TV Shows - 2014

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Dieses war ein sehr solides Serienjahr. Es gab zwar kaum etwas, was mich nach hinten überkippen ließ, aber eine Menge sehr, sehr gutes. Also nun, ohne viel Geschwafel vorne weg, meine persönlichen zehn besten Serien diesen Jahres.

  1. Fargo (S01) — Die zweite Serie in diesem Jahr mit großen Filmschauspielern, besonderer visueller Vision, einem sehr eigenen Erzählstil und einem Mord in seinem Zentrum, macht jeden einzelnen Aspekt spannender, interessanter, hübscher, verschobener und insgesamt besser als die Nummer 10 auf dieser Liste.
    Fargo war in der Lage, in jeder Minute zu fesseln, zu überraschen, auch wenn mich beizeiten der Stil etwas verwundert zurück ließ. Man muss der Serie zu Gute halten, dass sie diesen Stil in jedem Aspekt, jeder noch so kleinen Storyline, jedem Charakterzug seiner Protagonisten, bis ins letzte ausschöpfte.
    Nicht unerwähnt bleiben darf der hervorragende Cast mit dem bitterbösen Billy Bob Thornton, dem erfrischend anders aufspielenden Martin Freeman, dem tollen Oliver Platt und der ganz wunderbaren Offenbarung Allison Tolman.

  2. Orange is the new Black (S02) — In dieser zweiten Staffel um die in einem Frauengefängnis eingesperrten Piper wird der Fokus von der ursprünglichen Protagonistin weg auf ihre Mitinsassinen gerichtet und das funktioniert ganz fantastisch. In Staffel eins sahen wir bereits den bunten Strauß an Figuren aus multiplen Schichten, ethnischen Hintergründen, sexuellen Ausrichtungen, Ängsten, Gefühlen und Zuneigungen. Dort brannte ich bereits darauf diese Frauen näher kennenzulernen und dazu bekommen wir in der zweiten Staffel die Gelegenheit. Alle Figuren geben so viel her, es gibt so viel zu entdecken, so sehr emotional mitzufiebern.
    Es ist klar, dass Piper Chapman in Staffel eins die Figur ist, die uns in das Milieu einführt, uns an die Hand nimmt und mit uns durch Pforten des Gefängnisses schreitet, genau so eine gute Entscheidung war es, dass sie nun einen Schritt zurück tritt und so alle anderen die nötige Luft bekommen, um sich selbst in Szene zu setzen.
    Wer die erste Staffel mochte, dem wird auch diese gafallen. Don’t fear the reaper!

  3. Mad Men (S07.1) — Wenige Folgen gab es zu Beginn diesen Jahres, aber diese waren so unglaublich gut, hatten so tolle Momente, dass die erste Hälfte der letzten Staffel auch — so wie jedes Jahr — eine obere Platzierung in dieser Bestenliste verdient.
    Wir sehen, wie sich Don Draper in seine Agentur zurück kämpft, wie Peggy Olson ihre Emanzipation weitgehend abgeschlossen und ihre zentrale Rolle im Arbeitsgefüge behauptet hat, beide miteinander tanzen, Bert Cooper tanzt und singt und alle bei der Mondlandung mitfiebern.

  4. Rectify (S02) — In diesem Jahr hatte Ray McKinnon vier Stunden mehr Zeit alle Facetten von Spiritualität zu untersuchen und tut das meisterhaft mit tollen Bildern, Charakterstudien, Geschichten aus dem Leben und einer der drei besten TV Episoden des Jahres, in der Daniel Holden nach Atlanta fährt, Kunst bestaunt und die hinterbliebene Familie seines langjährigen Mithäftlings besucht.
    Rectify nimmt sich Zeit — viel Zeit — und diese sollte man der Serie auch geben. Sicherlich keine Serie für jeden und auch nichts für nebenbei, aber wer langsam erzählten Geschichten mit massivem emotionalen Einblick in seine Figuren etwas abgewinnen kann, sollte sich dieses Kleinod auf jeden Fall einmal genauer ansehen.

  5. The Affair (S01) — Die Macher von In Treatment bringen uns eine Geschichte, die sich mit den emotionalen Ursachen und Auswirkungen einer außerehelichen Beziehung zwischen dem New Yorker Autoren Noah Solloway (Dominic West) und der Kellnerin aus Long Island Alison Lockhart (Ruth Wilson) auseinander setzt.
    Noah ist glücklich verheiratet mit drei Kindern, hat in eine reiche Familie eingeheiratet und fängt gerade an seinen zweiten Roman zu schreiben. Sie machen über den Sommer Urlaub bei seinen Schwiegereltern in Montauk, einem kleinen Fischerort, wo er Alison kennenlernt. Sie ist ebenfalls verheiratet, jedoch sind sie und ihr Mann (Joshua Jackson) emotional sehr distanziert zueinander, seit sie ein Jahr zuvor ihren jungen Sohn verloren haben.
    Die Geschichte wird getrennt voneinander aus der Perspektive Noahs respektive Alisons erzählt und gibt so sehr genaue Einblicke in deren Leben, Gefühlszustand und vor allem deren unterschiedliche Wahrnehmung des anderen.
    The Affair ist kein unglaublich umwerfendes Fernsehen, in dem irgendwelche Grenzen gesprengt werden oder ein wahnsinnig spannender Plot erzählt wird. Für mich ist diese Serie so besonders, weil sie die jeweilige Gefühlswelt herrausragend portraitiert, alle Schauspieler zu jeder Zeit eine verdammt glaubwürdige und immer passende Performance abliefern und weil die beiden Hauptfiguren so eine wahnsinnig gute Chemie miteiniander haben.
    Zudem kann ich dieser Art Geschichte (und dabei vor allem den Beweggründen und emotionalen Aspekten) aus irgend einem Grund eine Menge abgewinnen.

  6. The Americans (S02) — Ich weiß schon gar nicht mehr genau was ich an dieser Staffel so besonders gut fand, aber die Erzählung von einem russischen Spionageehepaar, das mit zwei jugendlichen Kindern im Amerika der 80er Jahre lebt, ist immer spannend, abwechslungsreich, toll gespielt und beleuchtet underbar, wie diese beiden ‘’Kollegen’‘ mit der Verantwortung zu ihrem Heimatland, ihrem Beruf, ihren Gefühlen zueinander (und zu den Kindern) und den Dingen, die sie für ihr Land tun müssen, hadern.

  7. Masters of Sex (S02) — Diese zweite Staffel hatte so ihre Schwächen. Manche größeren Plotlines funktionierten für mich nicht so richtig und ich bin mir auch nicht so sicher, wie ich die Abweichungen von der wahren Geschichte um Virginia Johnson (Lizzy Caplan) und William Masters (Michael Sheen) so finde. Aber die Stärken überwiegen doch eindeutig. Zum einen gab es hier die zweite der besten drei Fernsehepisoden zu sehen, wir können zwei ganz hervorragenden Schauspielern bei ihrer Arbeit zuschauen und zum anderen schätze ich besonders, dass jede noch so kleine Figur ihren kleinen (meist sehr zufriedenstellenden) Arc bekommt. Niemand ist nur loses Beiwerk — jeder hat mindestens eine erzählenswerte Facette, die hier zum Vorschein kommt.

  8. Bobs Burgers (S04/05) — Keine andere Serie bringt mich so zuverlässig seit nunmehr fünf Jahren zum lachen. Ich weiß, dass Comedy sehr persönlich ist und sich kaum empfehlen lässt, aber ich möchte wirklich jedem and Herz legen mindestens einmal die erste Staffel zu schauen. Ich kenne niemanden, der der Serie nicht mindestens etwas abgewinnen kann, wenn er sich nicht Hals über Kopf in Bob und seine noch viel bessere Familie verliebt.

  9. You’re the Worst (S01) — Eine wirklich hübsche kleine Beziehungskomödie um die selbstzerstörerische PR-Frau Gretchen und den selbstverliebten Autoren Jimmy. Die Serie packt die romantische Komödie von der eher ruppigen Seite an, hat das Herz am rechten Fleck und brachte mich in diesem Jahr oft zum Lachen.

  10. True Detective (S01) — Auf dem Papier hat True Detective alles zu bieten, was man sich von einer guten Serie wünscht. Eine klare künstlerische Vision des Autoren und Showrunner Nic Pizzolatto, einen inspirierten und über die gesamte Staffel konstanten visuellen Stil des Regisseurs Cary Fukunaga und ein erprobtes Schauspielergespann bestehend aus Matthew McConaughey, Woody Harrelson und Michelle Monaghan.
    All diese Komponenten für sich funktionieren toll. Das Setting im düsteren Louisiana, die toll harmonierenden Protagonisten, die skurrilen Figuren, denen sie bei ihrer Ermittlungsarbeit über den Weg laufen, das exquisit geschriebene Drehbuch mit einem zunächst spannenden Mordfall und komplexen Charakteren und die tollen Bilder, die man sich genausogut einrahmen könnte.
    Im Zusammenspiel kommt True Detective dann aber sehr schwerfällig daher. McConaugheys ewigen introspektiven Monologe, der sich immer weiter verzweigende Plot, die immer düstere Stimmung und ein build up, dem das Finale nicht gerecht werden kann, lassen diese Serie an das Ende dieser Liste fallen.
    Es hilft ihr nicht, dass Fargo mit seinem ähnlichen Ansatz einen ungewöhnlich erzählten, abgeschlossenen Krimi zu serialisieren, in allen Punkten erfolgreicher ist. Gerade dieser direkte Vergleich schadet True Detective ungemein.
    Trotzdem ist und bleibt dieses Drama eine Empfehlung in diesem sehr starken Serienjahr.

Honorable Mentions

Keinen Platz auf obiger Liste fanden folgende Serien, die dennoch eine Empfehlung Wert sind.

  • Louie – War gut, ist gut, bleibt gut, nur in diesem Jahr etwas schwächer, wenn auch ambitionierter.
  • BoJack Horseman – Anthropomorphe Tiermenschen (und Menschen) führen ihr exzessives und kaputtes Leben in Hollywood und das ist wirklich alles sehr komisch.
    BoJack Horseman – hirnrekorder
  • Rick and Morty – In diesem vollkommen verrückten Cartoon dürfen sich Dan Harmon und Justin Roiland so richtig austoben. Wer den frühen Staffeln von Community hinterhertrauert, sollte sich das mal ansehen.
  • Anthony Bourdain: Parts Unknown – Auch in Staffel vier entführt uns Anthony Bourdain wieder in ferne Länder und Orte, die keine Touristenattraktionen sind, führt uns in die lokale Esskultur ein und hat dabei offensichtlich einen Haufen Spaß.
    Mein wöchentlicher, einstündiger Urlaub.

Serial

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Jeder und sein Hund redet gerade von einem relativ neuen Podcast namens Serial. Produziert wird dieser von This American Life und damit hat man auch schon eine grobe Vorstellung, was da so los ist.

Genauso wie bei TAL geht es hier ums Geschichten erzählen, nur dass es nicht 3-6 kurze Geschichten pro Episode, sondern eine Geschichte über mittlerweile 7 Folgen erzählt wird. Seriell — hence the name — in inhaltlich zusammenhängende Kapitel aufgeteilt, mit einer Vielzahl an O-Tönen und einer sehr guten Erzählerin, die diese Story auch recherchierte.

In dieser Podcastreihe geht es um einen mittdreißigjährigen Mann namens Adnan Syed, der im Alter von 19 Jahren am Mord seiner Ex-Freundin verurteilt wurde. Das besondere an diesem Fall ist der komplette Mangel an Beweisen, einem zwielichtigen angeblichen Mittäter (Jay), der mit seinem Geständnis Adnan in den Fokus der Polizei brachte, einen mysteriösen Dritten und einem Haufen, sich widersprechenden, Indizien, die der Jury aber reichten eine Verurteilung auszusprechen.

Die Journalistin Sarah Koenig rollt in Eigeninitiative den Fall erneut auf, ist in Kontakt zu diversen Zeugen und dem inhaftierten Adnan und lässt so von vielen Seiten Licht auf diesen Fall werfen.

Wer serieller Erzählstruktur verfallen ist und so ein Format für den eigenen Podcastclient sucht, sollte unbedingt auf den Abo-Knopf drücken. Ich fiebere jedenfalls jeder wöchentlichen Erscheinung einer neuen Episode entgegen und bin total Begeistert.

Das Format soll nach dieser Geschichte fortgeführt werden und in eine neue Staffel gehen.

Links

Serial – Official Website
Serial (podcast) – Wikipedia, the free encyclopedia)

Medialer Zugang Zu Makroökonomischen Zusammenhängen

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Kürzlich bekam ich den Rappel, ich müsse mal makroökonomische Zusammenhänge im Allgemeinen und die Finanzkrise ab 2007 im Speziellen verstehen. Ist ja auch peinlich in einer Ratingagentur zu arbeiten und zwar finanzmathematisch zu verstehen, was da los ist, aber ökonomisch nicht den blassesten Schimmer zu haben.
Ich habe nie wirklich ein besonderes Interesse für Wirtschaft gehabt, den entsprechenden Teil in den Tageszeitungen meist überblättert und die BWL in meinem Studium auf das nötige Minimum reduziert.

Mit der Zeit entwickelte sich jedoch eine gewisse Faszination dafür, wie Märkte interagieren, Währungen ihren Wert bekommen, wie Geld entsteht aber auch wie fragil Finanzmärkte sein können und in sich zusammenfallen können. Es sind die großen Zusammenhänge, die mich primär interessieren.

Nun habe ich mich versucht diesem großen und komplexen Thema von mehreren Seiten zu nähern. Ich sah Dokumentationen, Filme, hörte Podcasts und fing an ein paar Bücher zu lesen.

Im Folgenden stelle ich zusammen, was ich zu diesem Thema so konsumiert habe und bin für weitere Vorschläge offen. Vieles von dem hier aufgeführten kam von Empfehlungen.

Filme

Inside Job

Wenn man sich für die letzte große Finanzkrise interessiert, kommt man nicht an der Doku Inside Job vorbei. Diese erklärt zwar etwas schnell, aber sehr verständlich, welche Faktoren wichtig waren, damit es zu diesem immensen Bankencrash kommen konnte.
Hier werden die Geschäftsmodelle der Banken, Ratingagenturen und Invenstmentbanken aufgedeckt, erklärt wie Kredite für Eigenheime, Staatsanleihen, Ratingagenturen, Lehman Brothers, Credit-Default-Swaps und Rückversicherer, wie AIG zusammenhängen und welche Rolle die amerikanische Politik dabei spielte.

Eine wirklich sehr erhellende Dokumentation, die davon profitiert, wenn man sie ein zweites mal sieht, oder mit etwas Vorwissen in den Film geht.

Margin Call

Die dramatisierte Version von Inside Job stellt die Finanzkrise aus der Perspektive einer namenlosen Investmentbank dar, in der in Risikoanalyst bemerkt, dass eines ihrer Finanzprodukte in naher Zukunft deren Firma in den Ruin treiben kann.

Margin Call bleibt immer zu unkonkret und verschwendet mehr Energie darauf gut auszusehen oder coole Sprüche aufzusagen, als eine kohärente Geschichte zu erzählen, die mehr mit der Thematik zu tun hat, als einer handvoll Stichworte.
Ein sehr enttäuschender Film, der keinerlei Erkenntnisgewinn bringt, dem auch seine hervorragende Besetzung nicht weiter hilft.

Too Big to Fail

Ein Fernsehfilm des Senders HBO mit Paul Giamatti als Notenbankchef Ben Bernanke, der auch wieder die Finanzkriese zum Thema hat. Hier werden die Perspektiven der Investmentbanken eingenommen, die alle kurz vor dem kollabieren sind sowie die des derzeit amtierenden Finanzministers Henry Paulson (William Hurt), der versuchte den finanziellen Zusammenbruch zu verhindern.

Der Film basiert auf dem Buch Too Big to Fail: The Inside Story of How Wall Street and Washington Fought to Save the Financial System—and Themselves und gibt daher einige interessante Einblicke hinter die Kulissen der Banken und die stattgefundenen Verhandlungen.

Too big to Fail hat mich positiv überrascht und ist in jedem Fall eine Empfehlung, so Interesse für dieses Thema besteht. Das kann man von Fernsehfilmen ja auch nicht immer sagen.

Capitalism: A Love Story

Michael Moore greift mal wieder gehörig ins Klo und stellt in seiner Dokumentation über die Finanzkrise allein eine Reihe von Human-Interest-Stories zusammen, die zwar alle recht bedenklich sind, jedoch nie als mehr als Einzelfälle dargestellt werden. Moore versäumt es klare Fragen zu stellen und auch nur eine einzige Frage zu beantworten. Statt dessen füllt er die bereits zu lange Spielzeit mit bekloppen Einzelaktionen, die seine angestrebte Zielgruppe, die augenscheinlich nur dazu in der Lage ist dieses Thema auf Klatschpressenniveau zu rezipieren, wahrscheinlich amüsieren.

Ein schlimmer Film, der tatsächlich nichts anderes erreicht, als zwei Stunden Zeit zu verbrennen. Finger weg!

Der Banker – Master of the Universe

Ein ehemals führender Investmentbanker im Ruhestand plaudert aus dem Nähkästchen aus der Zeit des Aufschwungs und wie es seiner Meinung nach zur Finanzkrise kam. Dabei reichert er die Unterhaltung mit zahreichen, teils spannenden teils hahnebüchenen, Anekdoten an. Kulisse ist ein verlassenes Bankgebäude im Frankfurter Bankenviertel.

Diese Dokumentation ist vor allem deshalb besonders schön, weil sie mal eine deutsche Sicht auf das Thema liefert.

ENRON: The Smartest Guys in the Room

Diese Dokumentation basiert auf dem gleichnamigen Buch von 2003. Hier wird die Firmengeschichte Enrons beleuchtet, die von einem mittelgroßen Erdgasanbieter zu einem der weltweit größten Energiehändler wurden. Über viele Jahre strickten Teile der Führungsetage ein immer verworrenderes Netz aus Bilanzschönigungen und massiven Betrügereien, um deren Aktienkurs künstlich in die Höhe zu treiben, bis das ganze dann 2001 kollabierte.

Ein schönes Beispiel, wie Marktmacht, Arroganz, Bullytum und unregulierte Märkte exploited werden und am Ende wieder in sich zusammen fallen können. Beeindruckend.

Money for Nothing: Inside the Federal Reserve

Hier wird recht ausführlich über die letzten 100 Jahre der amerikanischen Zentralbank gesprochen, wie die letzten Chefs der Federal Reserve Bank mit dem privaten Wirtschaftssektor verkoppelt sind und wie sie mit ihren Entscheidungen den Kapitalmarkt und damit die Weltwirtschaft beeinflussten.
Ein Thema, von dem ich bisher keine Ahnung hatte, wurde mir hier gut nähergebracht. Auch eine Empfehlung.

Wall Street

Diesen Film über Insidertrading kannte ich vorher nicht und passte gut ins Thema rein. Ein toller Film, der zu Recht ein Klassiker ist.

Podcasts

Ich höre ja auch viele Podcasts und bekam bei einer Frage auf Twitter nach Material zu diesem Thema in Erinnerung gerufen, dass Alternativlos vor einer Weile über Geld gesprochen hat. Das Doppelpack aus Folge 16 und 17 gibt einen weiteren guten Überblick aus einer anderen Perspektive.

Alternativlos Nr. 16

In der Sendung geht es um das Konzept von Geld, Währungen und Geldpolitik und vor allem, wie Geld geschaffen wird und seine Bedeutung bekommt.

Alternativlos Nr. 17

Mit einem Gast, der beruflich an der Börse Handel treibt, sprechen Fefe und Frank über Aktien, Derivate und die Börse.

Bücher

The Signal and the Noise: Why So Many Predictions Fail – But Some Don’t

Nate Silver schreibt ein Buch über statistische Phänomäne, statistische Voraussagen und wie diese zu deuten sind am Beispiel von Baseball, Wetter, Poker und der Börse. Die Kapitel zur Börse sind verdammt interessant und eine absolute Empfehlung. Die Kapitel zu Baseball und Wetter brachten nicht viele neue Erkenntnisse bzw. waren nicht sonderlich spannend.

Goodreads Link

The Undercover Economist Strikes Back: How to Run-or Ruin-an Economy

Dieses Buch von Tim Harford ist eine makroökonomische Einführung in konversationellem Stil mit vielen Beispielen zur Veranschaulichung der Konzepte. Ich bin noch nicht besonders weit, aber es liest sich ganz gut weg.

Goodreads Link

Capital in the Twenty-First Century

Capital in the Twenty-First Century vom Franzosen Thomas Picketty ist dann das nächste Buch auf meinem Stapel, das sehr tief in das Thema einsteigt und das ich dann hoffentlich mit dem bisherigen Vorwissen auch zufriedenstellend durchdringbar ist.

Goodreads Link

Fazit

Alles in allem zeigte dieses Experiment, dass es tatsächlich möglich ist, sich auch komplexe Themen nicht ausschließlich über Fachbücher zu erarbeiten. Ich sehe natürlich, dass mir Dokumentationen auch nur einen schmalen Ausschnitt der Realität aus der Sicht des Filmemachers liefern und man das alles immer mit einem Körnchen Salz genießen sollte.
Primär sollten mir diese Filme aber auch nur einen Überblick über die Breite des Themas und eine Erklärung der angesprochenen Sachverhalte liefern. Ich würde sagen, dass dies zufriedenstellend geleistet wird. Vertiefung und Detailwissen wird nun über Bücher kommen.

BoJack Horseman

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Netflix hat ja einen ziemlich guten Trackrecord, was Eigenproduktionen betrifft. Ob nun verschrobenes Nischenfernsehen mit Lilyhammer, oft gewünschte Fortsetzungen mit Arrested Development, glattgebügelter Massenfraß mit House of Cards oder grandioses Drama um Gesichter, die sonst keinen Raum im Network TV bekommen mit Orange is the New Black. Es ist schlicht beeindruckend, was so ein Laden mittlerweile alles stemmen kann, von dem man dachte, das schaffen nur große Sender oder Studios.

Ein großer Vorteil, den Netflix gemeinsam mit HBO hat ist, dass nicht jede Sendung ein Hit sein muss. Sie können es sich leisten kleine Kritikerlieblinge zu zeigen, die zwar niemand schaut, aber gute Werbung für den Sender sind. Darüber hinaus haben sie die Freiheit auch mal ein Konzept auszuprobieren, weil deren Sendeplatz nicht durchoptimiert verplant werden muss. Von all diesen positiven Umständen profitiert die neue Serie von Netflix, die ich heute vorstellen will.

BoJack Horseman

Die titelgebende Figur, ein Pferd, lebt in einem Los Angeles, in dem anthropomorphe Tiermenschen und Menschen koexistieren. BoJack (Will Arnett) ist Schauspieler und hatte in den 90ern die größte amerikanische Sitcom Horsin’ Around. Nun, 20 Jahre später, ruht er sich auf seinen Tantiemen aus und versucht mit kleineren Projekten im Gespräch zu bleiben. Eines dieser Projekte ist seine Autobiografie, für die er sich die Ghostwriterin Diane (Alison Brie) hinzuholt, die ihn die meiste Zeit des Tages begleitet, um ihn kennenzulernen.
Weiter wichtige Figuren sind BoJacks mitbewohner Todd (Aaron Paul) und seine Agentin Princess Caroline (Amy Sedaris).

Im wesentlichen begleitet man BoJack bei seinen täglichen Eskapaden, hauptsächlich durch seine Selbstverliebtheit ausgelöst, die oft in Selbstzerstörung münden, wobei die Menschen (und Tiere) in seinem engen Kreis oftmals das Engelchen auf seiner Schulter mimen.
Im Laufe dieser ersten Staffel sehen wir wilde Parties, kotzende Pferde, Drogen, Sex, Romantik (unter anderm zwischen einer Katze und drei Kindern), Hollywoodkritik, Wortwitz, Bildwitz und manchmal auch das alles in einer einzigen Szene.

BoJack Horseman ist sicher nicht die cleverste Comedy, die das Fernsehen zu bieten hat, ist aber eine schöne Mischung aus gescheitertem und narzisstischen Schauspieler, der depressiv durchs leere Hollywood schreitet und leichtem Witz, der sich aus dem Zusammenleben von Mensch und Tier ableitet.
Sicherlich ist das alles relativ plump, aber ich mag das. Es ist herrlich politisch inkorrekt, mal clever, mal doof, entwickelt aber die wichtigen Figuren über die erste Staffel und hat vor allem immer das Herz am rechten Fleck.

Wenn man möchte, kann man etwas am verschenkten Potential der Sprecher oder des Setups herum mäkeln oder sich beschweren, dass Will Arnett mal wieder den selbstverliebten Egoisten spielt. Ich mag vor allem Arnetts Timing und die Witzdichte, die zudem alle sitzen. Oft finden Witze auf drei verschiedenen Ebenen statt, was eine hohe Aufmerksamkeit belohnt und für mich war das Setting um eine vermischte Menschen- und Tierwelt frisch genug, um daran eine Menge zu schätzen. Ich habe jedenfalls schon eine Weile nicht mehr so herzlich gelacht.

★★★✩✩

Trailer

Fitness 101

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Ich versuche gerade etwas abzunehmen und informierte mich dazu, wie das am gesündesten und effektivsten geht. Dazu habe ich etwa 100 Podcastepisoden des sogenannten Nackt gut aussehen Podcast und der Body Do Over-Show gehört, die jeweils von Personal Trainer und Ernährungsberatern gehostet werden. Weil die beiden sich oft wiederholen und in Schwafeleien ausarten, wollte ich die Grundsätze moderner Sport- und Ernährungswissenschaften hier zusammentragen und mit meinen eigenen Erfahrungen anzureichern. Es reicht ja, wenn sich einer die Arbeit macht, nicht wahr?

Der Einstieg

  • Beginnt damit eine Woche lang, alles was ihr esst zu protokollieren und die zugehörigen Kalorien herauszusuchen. Mittlerweile ist das wirklich einfach zu bewerkstelligen, da es wirklich gute Datenbanken und Smartphone-Apps gibt, die einem einen großen Teil der Arbeit abnehmen.
    Dies schafft einen guten Überblick darüber, wo man leicht Kalorien einsparen kann, deckt auf, wo sich Kalorienbomben verstecken und gibt einem insgesamt mal ein Bewusstsein dafür, was man alles so über den Tag verteilt futtert. Sei es der mehrmalige Gang zum Kühlschrank für einen Jogurt, diverse Softdrinks, kleinere Snacks oder die süße Zucker/Fettbombe beim Starbucks, die mal schnell jeweils 1/3 des täglichen Kalorienbedarfs abdecken kann.
    Versteht mich nicht falsch. Ich finde ständiges Kalorienzählen doof und überflüssig, aber ein initialer Überblick macht einem doch vieles bewusst.
    Ich kann My Fitness Pal empfehlen. Die App lässt sich sehr schnell bedienen, hat gute Übersichten und die Möglichkeit diverse Apps zu verknüpfen, die Kalorienverbrauch messen, so dass diese automatisch in die Tagesbilanz eingepflegt werden. Ich habe die Laufapp Strava damit verbunden, mit der ich meine Läufe tracke und die dazu eine Kalorienverbrauchsschätzung berechnet.
  • Ernärt euch so, dass ihr ein tägliches Kaloriendefizit habt. Well, duh!
  • Ok, Ernsthaft. Ein 30 Jahre alter, 1,80m großer Mann mit 80kg hat etwa einen Grundumsatz von 2200kcal/Tag, eine ebenso alte Frau mit 1,65m Körpergröße und einem Gewicht von 60kg hat etwa einen Grundumsatz von 1800kcal/Tag. Ist man schwerer ist der Grundumsatz um etwa 150kcal/10kg höher. Das sollte also das angepeilte Ziel sein, unter dem man bleiben möchte (wenn man keinen Sport treibt und keine körperlich schwere Arbeit verrichtet).
  • Das Kaloriendefizit alleine reicht natürlich nicht, da sich der Körper schnell daran gewöhnt, Körperfunktionen herunter fährt und als Schutzfunktion jede Kalorie zuviel sofort wieder als Fettpolster für schlechte Zeiten wegspeichert. Der berühmte Jojo-Effekt. Die einzige und einfache Lösung für dieses Problem ist Sport.

Sport

  • Gut. Sport also. Sport erhöht mindestens den Stoffwechsel und verhindert so den Körper auf Sparflamme zu gehen und bringt maximal Muskelaufbau. Irgendwo dazwischen liegt die Fettverbrennung. Wo man sich selbst in diesem Graphen einsortiert, hängt von der Ernährung und der Art des Sports ab.
  • Wer keinen “richtigen” Sport machen kann oder möchte, aber die Sparflamme verhindern will, sollte sich einfach mehr bewegen. Regelmäßige Spaziergänge, Treppen anstatt Fahrstuhl, mit dem Rad zur Arbeit fahren, eine Bus-/Bahn-/Tramstation laufen bevor man einsteigt. All das sind Sachen, die man leicht in den Alltag integrieren kann, ohne viel Zeit zu investieren, oder ein Fitnessstudio aufzusuchen.
  • Das nächste ist schnödes Cardiotraining. Ob man nun gerne laufen gehen möchte, in die Pedale tritt oder eine Wasserratte ist, ist dabei völlig egal. 3-5x/Woche 30-60 Minuten wirken da schon Wunder, regen die Fettverbrennung an, bauen etwas Muskulatur auf, erhöhen Lungenfunktion und Ausdauer.
    Der Anfänger sollte dabei vor allem auf seinen Körper hören und — gerade beim Joggen — bei Anzeichen von Gelenkschmerzen aufhören und sich langsam steigern. Das Rad und Wasser sind dabei viel schonender für die Gelenke, aber auch nicht ganz so effektiv.
  • Nun muss man aber nicht immer eine Stunde durch den Wald rennen, damit der Körper anfängt Fett zu verbrennen, sondern kann auf Intervalltraining umsatteln. Die Idee dabei ist die Muskulatur mehr zu fordern, sie an ihre Grenzen zu bringen und dadurch den Stoffwechsel länger — auch noch lange nach der Trainingseinheit — erhöht zu halten. Normales Cardiotraining ist gut, aber nur so lange, wie man es auch macht, denn schon ein paar Minuten nach dem Training ist der Körper wieder im Normalzustand, da die Muskulatur nicht so stark gefordert wird. Wird die Muskualtur stark beansprucht, so arbeitet diese noch lange nach dem Training weiter.
    Beim Intervalltraining wärmt man sich zunächst ein paar Minuten auf, geht 15 Sekunden an seine maximale Grenze und ruht sich danach 45 Sekunden lang aus. Das wiederholt man dann 15 mal und ist also mit kurzer Auf- und Abwärmphase gerade mal 20 Minuten beschäftigt. Ist man Läufer sprintet man 15 Sekunden und läuft danach 45 Sekunden locker aus. Auf dem Fahrrad oder im Wasser lässt sich das genauso gut bewerkstelligen.
    Ein solches Intervalltraining ist etwa so wirksam wie ein dreimal so langes normales Cardiotraining mit dem entsprechenden Sportgerät. Das spart Zeit und ist eine schöne Abwechslung davon, eine Stunde lang im Kreis zu rennen.
  • Die dritte Möglichkeit ist Krafttraining. Krafttraining bedeutet die fokussierte Muskelgruppe mit 5-10 Wiederholungen einer Übung und drei Sätzen pro Muskelgruppe an seine Grenzen zu bringen. 30 Wiederholungen mit einer leichten Hantel bringen hier wenig und sind mit einem Cardiotraining zu vergleichen. Hier gibt es den gleichen Effekt wie beim Intervalltraining. Den sogenannten Nachbrenneffekt. Desweiteren ist Muskelaufbau alleine deshalb wichtig, weil Muskeln viel Energie benötigen und sich mit mehr Muskelmasse der Grundumsatz steigert, man also so auch schneller abnimmt.
  • Nun denken vielleicht einige, “ich will aber viel lieber Fett verbrennen, als Muskeln aufbauen”. Hier kommt die Ernährung ins Spiel. Möchte man Fett verbrennen, so muss man im Kaloriendefizit sein, möchte man Muskeln aufbauen, braucht man einen Kalorienüberschuss. Ganz einfach, denn Muskeln brauchen Nährstoffe zum wachsen. Das ist auch der Grund, warum man in der Muskelaufbauphase auch Fett zulegt und warum man immer im Wechsel trainieren sollte. Ein paar Monate Muskelaufbau mit Kalorienüberschuss und im Anschluss die Definitionsphase mit Kaloriendefizit, um das ganze eingelagerte Fett wieder abzunehmen und die antrainierten Muskeln zum Vorschein zu bringen.
    Es ist also nicht so, dass man zum Abnehmen viele Wiederholungen braucht und zum Pumpen wenige. Das Training bleibt im Wesentlichen gleich, nur die Ernährung muss angepasst werden. Sicher kann man da viel optimieren, aber als Faustregel ist das schonmal sehr gut. Damit zur Ernährung.

Ernährung

  • Offensichtlich ist es Süßes und Softdrinks wegzulassen. Es ist aber nicht so, dass Fett per se schlecht ist. Im Gegenteil. Fett ist Geschmacksträger, in Maßen gesund und essentiell dafür, dass Vitamine im Körper aufgenommen werden können.
    Fett zusammen mit Eiweiß ist gut, Fett zusammen mit Kohlenhydraten verdammt schlecht. Ein großes Rührei ist prima, Pancakes, Eiscreme oder Lasagne eher zu vermeiden.
  • Nun weiß jeder, der schonmal versucht hat zu diäten, dass das Hungergefühl am meisten nervt. Deshalb bringt es nichts, einzig und alleine Kalorien zu zählen, denn wenn man sich nen Cookie gönnt und dafür etwas anderes weglässt, hat man zwar vielleicht die gleiche Kalorienmenge zu sich genommen, aber eine vergleichsweise leeren Magen und macht sich das Leben nur schwer.
    Für das Hungergefühl ist im Wesentlichen das Gewicht im Magen verantwortlich. Rohes Gemüse und Obst haben viel Gewicht pro Kalorie und der Magen hat eine Menge zu tun, um das zu verarbeiten, der Magen ist gefüllt und das Hungergefühl dadurch weg, obwohl vergleichsweise wenige Kalorien aufgenommen wurden.
  • Wenn man trainiert ist eine effektive Diät auf Kohlenhydrate zu verzichten. Kohlenhydrate erhöhen den Insulinspiegel im Blut und das bremst den Fettstoffwechsel. Stattdessen kann man sich aber gut mit Salat und magerem Fleisch oder Fisch satt essen.
    Ich finde es ganz angenehm kohlenhydratreich zu frühstücken — das hält eine Weile vor — über den Tag etwas Obst zu essen und Abends einen ordentlichen Salat mit Bohnen, Thunfisch oder Hühnchen zu essen. Kohlenhydrate am Abend sind eher schlecht, weil sie den Magen belasten und so viel Energie liefern, wie man sie am Abend einfach nicht braucht. Das wird dann gleich alles weggespeichert und das wollen wir ja nicht.
  • Hier sind selbstverständlich Kohlenhydrate nicht gleich Kohlenhydrate und Fett nicht gleich Fett.
    Vermeiden sollte man alle Kohlenhydrate, die sehr schnell im Körper zu Zucker umgesetzt werden können und so zu einem sehr ungleichmäßigen Blutzuckerspiegel führen. Geht der Blutzuckerspiegel zu sehr nach oben, wird der Fettstoffwechsel pausiert und der Körper bekommt dann, wenn der Blutzuckerspiegel wieder fällt, Heißhunger.
    Zu den schlechten Kohlenhydraten gehört alles aus Weizenmehl, Kartoffeln, weißer Reis, Zucker und Säfte. Gut ist Vollkorn, dunkler Reis, Süßkartoffeln, Hafer, Quinoa, Bohnen, Kürbis.
    Genauso beim Fett. Gute Fettquellen sind Kokosfett, kaltes Olivenöl, Fisch, Fleisch, Nüsse, Avocados und Milchprodukte. Man sollte nur darauf aufpassen, dass man Fett nicht mit Kohlenhydraten kombiniert.
  • Beim Training spielt auch die passende Ernährung und vor allem das Timing eine wichtige Rolle. Hier ist es zuallererst wichtig, wo man mit dem eigenen Körper hin möchte und daran Training und Ernährung anzupassen. Möchte man lieber drahtig sein (z.B. wie ein Langstreckenläufer), so sollte man längere Trainingsessions (vor allem Cardio oder Training mit einer hohen Wiederholungszahl) einplanen und seinem Körper am besten direkt davor und danach nicht zu viel Brennstoff zuführen. Das führt nämlich dazu, dass mit dem eingelagerten Fett auch Muskulatur aufgelöst wird, um den Körper mit Nährstoffen zu versorgen, was zu einem sehnigen Körperbau führt. Das hat allerdings den Nachteil, dass man eben Muskelmasse verliert, die auch im Ruhezustand Kalorien verbrennt.
    Das ander Ziel ist die Sprinterfigur. Muskulös und definiert. Dazu sind kürzere und intensive Trainings angebracht, geringe Wiederholungszahlen beim Krafttraining oder Intervalltraining auf dem Sportplatz, Rad oder Schwimmbad. Um die Muskulatur zu füttern, sollte man davor und danach ein paar Kohlenhydrate oder Eiweiß (oder beides) zu sich nehmen. Eine handvoll Obst macht sich da ganz gut.
    Ich finde das Bild des Marathonläufers bzw. Sprinters hilft ganz gut dabei, um sich die Trainingsunterschiede und -ergebnisse zu vergegenwärtigen.
  • Nun kann man auch mit Supplements arbeiten, wenn man nach einem sehr stringenten Ernährungsplan vorgeht, denn die Massen an Eiweiß, die man zu sich nehmen sollte, wenn man sich in der Muskelaufbauphase befindet, sind nur schwer durch “normale” Mahlzeiten zu bewerkstelligen. Ich persönlich finde das etwas Übertrieben, aber das ist natürlich jedem selbst überlassen.

Allgemeine Tipps

  • An dieser Stelle ist es vielleicht ganz passend mit ein paar Mythen aufzuräumen und Trainingstipps zu geben.
    Man kann nicht das Fett gezielt wegtrainieren. Wenn man seine Problemzone am Bauch hat helfen keine Crunches oder ähnliches. Wo man zuerst zunimmt und zuletzt abnimmt ist genetisch bedingt. Hier heißt es einfach nur Geduld haben. Irgendwann sprechen auch die Problemzonen an.
  • Hunderte Crunches machen kein Sixpack. Das Sixpack haben wir alle schon. Die Bauchmuskulatur ist sowieso schon eine der kräftigsten des Körpers, man muss sie nur freilegen. Egal also, wie gut trainiert der Bauch ist, das Sixpack sieht man erst ab einem gewissen Körperfettanteil.
  • Dediziertes Bauchmuskeltraining ist so ziemlich die größte Zeitverschwendung der man nachgehen kann. Crunches sind nicht anstrengend genug, um den Stoffwechsel so weit zu erhöhen, dass der Fettstoffwechsel angeschmissen wird und über den gezielten Aufbau der Bauchmuskulatur kann man sich später noch Gedanken machen. Es gibt so viele Übungen in denen man seinen Bauch mittrainiert, dass man Situps getrost weglassen kann.
  • Training an Maschinen ist bei weitem nicht so gut wie Freihanteltraining. Maschinen isolieren einzelne Muskelpartien, indem sie Bewegungsabläufe stark einschränken. Mit Freihanteln kann man sich freier bewegen, muss seinen Körper und die Bewegungsabläufe stabilisieren und trainiert so größere Muskelgruppen und das Körperzentrum, wie Bauch, Rücken und Po.
    Wichtig ist dabei die Übungen kontrolliert und nicht zu überhastet auszuführen. Lieber etwas weniger Gewicht, dafür saubere Bewegungsabläufe.
  • Komplexe Übungen sind besser als isolierte. Wie bereits angesprochen gibt es viele Übungen, die eine Muskelgruppe isolieren. Das ist natürlich ganz gut, wenn man in der Muskelaufbauphase ist und einen speziellen Muskel herausarbeiten will, aber um abzunehmen ist es besser größere Muskelgruppen auf einmal auszupowern. Das spart eine Menge Zeit und ist gut für allgemeine Fitness.
    Sehr gut geeignet dazu sind Übungen, die mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten, wie Liegestütze, Burpees, Kniebeugen, Klimmzüge oder solche Dinge wie Kreuzheben und Bankdrücken.
  • Wenn man das Krafttraining hinter sich hat, ist es eine gute Idee, im Anschluss daran ein Cardiotraining dranzuhängen. Beim Krafttraining werden die Fettzellen angegriffen und das Blut mit Unmengen von Fettsäuren überschwemmt, um die Muskulatur zu versorgen. Nach dem Training schwimmen diese Fettsäuren noch immer durchs Blut und werden wieder in die Fettzellen eingelagert. Ein Cardiotraining schwemmt diese Fettsäuren aus dem Blutkreislauf.
  • Und was macht man jetzt am besten für einen Sport? Das ist wohl vor allem vom gesetzten Ziel, der verfügbaren Zeit und Lust jedes einzelnen abhängig.
    Möchte man nur seinen müden Popo bewegen und einen gesunden Stoffwechsel bekommen, kann man sich öfter mal aufs Rad schwingen oder spazieren gehen, möchte man was für die allgemeine Fitness tun, kann man 3-5x/Woche für 30-60 Minuten durch den Wald rennen und sportliche Bahnen schwimmen und soll es schneller gehen, sollte man es mit Krafttraining und einer anschließenden kurzen Cardioeinheit versuchen. Krafttraining ist dabei nicht auf das Fitnessstudio beschränkt. Es gibt auch viele tolle Übungen, die man daheim oder im nächsten Park machen kann. Hier geht es darum möglichst unterschiedlich mit dem eigenen Körpergewicht zu trainieren. Es gibt dazu verschiedenste Programme und Trainingskonzepte, die von 4-Minute-Workout-Apps über 100 Pushups-Trainings und Trainings aus Fitnesszeitschriften bis hin zu augeklügelten, lang bewährten und abwechslungsreichen Fitnessprogrammen wie P90X oder Freeletics gehen.
    Hier kann sich jeder das aussuchen, was in den persönlichen Tagesablauf passt, nur sind zwar 4 Minuten besser als nichts, aber besondere Ergebnisse sollte man damit nicht erwarten.
    Ein gutes und effektives Training sollte wenigstens zweimal pro Woche jede Muskelgruppe ansprechen, möglichst viele komplexe Übungen enthalten (also mehr als nur einen Muskel beanspruchen), so konzipiert sein, dass man pro Satz nicht unbedingt mehr als 15 Wiederholungen schafft (hier stößt man mit Körpergewichtsübungen schnell an die Grenzen, werden die doch zu leicht. Es lonht sich dann die Pausen möglichst kurz zu halten oder die Übungen anderweitig zu erschweren.) und den Körper mindestens 20 Minuten lang maximal belasten.

Und ich so?

Was meine Ernährung betrifft frühstücke ich reich an Kohlenhydraten und Eiweiß (Entweder Vollkornbrot mit Hüttenkäse oder Hühnerbrust oder Porride mit Obst und etwas griechischen Joghurt). Das hält lange vor und macht gut satt.
Tagsüber esse ich dann etwas Obst (ein paar Äpfel oder eine Banane) und griechischen Joghurt (da kann man wunderbar einen Löffel Ernussbutter dranmachen) und zum Abend dann viel Rohkost, einen großen Salat mit Bohnen, Avocado, Thunfisch oder Hühnchen oder asiatisch gewoktes ohne Kohlenhydrate.
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist das wirklich super. Ich muss nicht hungern, habe meine großen Protionen und bin trotzdem immer locker unter meiner grob angepeilten Kalorienaufnahme. Auf süßes verzichte ich an 6/7 Tagen, auf Softdrinks und Säfte komplett und Alkohol vermeide ich auch (wobei ich da nicht besonders eisern bin. Das Leben soll ja trotzdem Spaß machen.).

Zum Training habe ich mir Freeletics ausgesucht und gehe regelmäßig laufen. Ich trainiere 4-6 mal pro Woche, ersetze manche Freeletics-Sessions durch lange Läufe (weil ich einfach gerne laufen gehe) und bin mit der Mischung sehr zufrieden.
Freeletics gibt mir das ausgewogene Krafttraining für den ganzen Körper und das Jogging tut sein übriges. Ab und zu hänge ich an die Freeletics-Übungen noch ein Intervalltraining auf dem Sportplatz dran, aber nicht öfter als 1 mal wöchentlich.

Damit habe ich bisher (in Woche 10) etwa 10kg abgenommen, sichtbar Muskulatur aufgebaut (also Netto mehr als die 10kg Fett abgenommen) und bin extrem zufrieden, wie sich das alles entwickelt.
Ich habe mittlerweile wieder eine Liebe zum Laufen entwickelt, merke, wie sehr ich mich darauf freue, wenn ein Lauf auf dem Programm steht, wie sehr es mich entspannt und locker macht.
Das Freeletics-Training ist genauso super. Es ist mit 30-45 Minuten angenehm kurz, immer abwechslungsreich, sehr anstrengend und durch den Wettkampf gegen die Uhr immer motivierend.

Da sich bei mir das Gewicht konstant nach unten bewegt, werde ich mein Programm genauso weitermachen, denn 10kg sollen noch runter. Was danach passiert, weiß ich noch nicht. Vielleicht verringere ich auf 3 Trainingstage pro Woche, vielleicht melde ich mich mal wieder im Fitnessstudio an. Mal schauen.

Halt and Catch Fire

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AMC hat wieder was neues am Start. Halt and Catch Fire ist ein historisches Drama in den frühen 80ern, bei dem es darum geht, dass ein Ex-Mitarbeiter von IBM bei einer anderen Computerfirma einen IBM PC zu reverse-engineeren.

Die Idee ist gut, die Besetzung auch und das Drama, das aus der ganzen Situation entsteht auch. Nur sind alle persönlichen Beziehungen so kindisch und voller Klischees, dass es schon nervt. Ich werde wohl noch zwei Folgen weiter schauen und sehen, ob die guten oder schlechten Seiten überwiegen werden.

Mindestens ist die Serie und das Thema interessant und es gibt sicher einiges nettes, was man daraus machen kann.

5 Bücher Für 2014

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Ich habe Ende letzten Jahres mal wieder angefangen zu lesen und in diesem Jahr bisher immerhin so viele Bücher gelesen, wie in den letzten 5 Jahren zusammen. Passend zum neu gewonnenen Enthusiasmus kam ein Stöckchen geflogen und obwohl diese etwas aus der Mode gekommen sind, interessiert mich das Thema ausreichend.

Meine Leseliste hat keine besondere Priorität und ändert sich am laufenden Band, je nach Empfehlungen und Tagesform. Also hier meine aktuellen Buchpläne für dieses Jahr.

5 for 2014

Dennis Lehane – Gone, Baby, Gone (Kenzie & Gennaro, #4)

Die ersten zwei Bücher dieser pulpigen Detektivreihe waren schon verdammt unterhaltsam und düster und eigentlich habe ich mit denen nur begonnen, weil ich Gone, Baby, Gone lesen wollte. Dies wird entweder über den Umweg des dritten Buchs – Sacred – oder ohne geschehen.

Kurzbeschreibung

The tough neighborhood of Dorchester is no place for the innocent or the weak. A territory defined by hard heads and even harder luck, its streets are littered with the detritus of broken families, hearts, dreams. Now, one of its youngest is missing. Private investigators Patrick Kenzie and Angela Gennaro don’t want the case. But after pleas from the child’s aunt, they open an investigation that will ultimately risk everything—their relationship, their sanity, and even their lives—to find a little girl-lost.

Goodreads | Gone, Baby, Gone (Kenzie & Gennaro, #4) by Dennis Lehane

Chuck Klosterman – Sex, Drugs, and Cocoa Puffs: A Low Culture Manifesto

Etwas clever beobachtende Litertur über Pop- und Musikkultur kann nicht schaden.

Kurzbeschreibung

Countless writers and artists have spoken for a generation, but no one has done it quite like Chuck Klosterman. With an exhaustive knowledge of popular culture and an almost effortless ability to spin brilliant prose out of unlikely subject matter, Klosterman attacks the entire spectrum of postmodern America: reality TV, Internet porn, Pamela Anderson, literary Jesus freaks, and the real difference between apples and oranges (of which there is none). And don’t even get him started on his love life and the whole Harry-Met-Sally situation.

Whether deconstructing Saved by the Bell episodes or the artistic legacy of Billy Joel, the symbolic importance of The Empire Strikes Back or the Celtics/Lakers rivalry, Chuck will make you think, he’ll make you laugh, and he’ll drive you insane — usually all at once. Sex, Drugs, and Cocoa Puffs is ostensibly about art, entertainment, infotainment, sports, politics, and kittens, but — really — it’s about us. All of us. As Klosterman realizes late at night, in the moment before he falls asleep, “In and of itself, nothing really matters. What matters is that nothing is ever ‘in and of itself.’” Read to believe.

Goodreads | Sex, Drugs, and Cocoa Puffs: A Low Culture Manifesto by Chuck Klosterman

John Green – Paper Towns

Vor Kurzem habe ich The Fault in our Stars gelesen und war ganz hin und weg. Mal sehen, was der Mann sonst noch so drauf hat.

Kurzbeschreibung

Quentin Jacobsen has spent a lifetime loving the magnificently adventurous Margo Roth Spiegelman from afar. So when she cracks open a window and climbs back into his life — dressed like a ninja and summoning him for an ingenious campaign of revenge — he follows.

After their all-nighter ends and a new day breaks, Q arrives at school to discover that Margo, always an enigma, has now become a mystery. But Q soon learns that there are clues — and they’re for him. Urged down a disconnected path, the closer he gets, the less Q sees of the girl he thought he knew.

Goodreads | Paper Towns by John Green

Evan Wright – Generation Kill

Die Serie habe ich bereits zweimal gesehen und das Buch liegt hier auch schon ewig rum. Da muss ich nur mal die Muße zu finden. Ich hoffe, das klappt dieses Jahr.

Kurzbeschreibung

Within hours of 9/11, America’s war on terrorism fell to those like the 23 Marines of the First Recon Battalion, the first generation dispatched into open-ed combat since Vietnam. They were a new breed of American warrior unrecognizable to their forebears-soldiers raised on hip hop, Internet porn, Marilyn Manson, video games and The Real World, a band of born-again Christians, dopers, Buddhists, and New Agers who gleaned their precepts from kung fu movies and Oprah Winfrey. Cocky, brave, headstrong, wary, and mostly unprepared for the physical, emotional, and moral horrors ahead, the “First Suicide Battalion” would spearhead the blitzkrieg on Iraq, and fight against the hardest resistance Saddam had to offer. Generation Kill is the funny, frightening, and profane firsthand account of these remarkable men, of the personal toll of victory, and of the randomness, brutality, and camaraderie of a new American war.

Goodreads | Generation Kill by Evan Wright

Andy Weir – The Martian

Ein bei einem Sturm verletzter und totgeglaubter Astronaut wird von seiner Crew auf dem Mars zurückgelassen und muss sich nun alleine durchschlagen.
Ich habe gerade damit begonnen und bin begeistert. Der umgangssprachliche Stil, das Format und die cleveren Problemlösungsstrategien sind unheimlich unterhaltsam.

Kurzbeschreibung

Six days ago, astronaut Mark Watney became one of the first men to walk on the surface of Mars. Now, he’s sure he’ll be the first man to die there.

It started with the dust storm that holed his suit and nearly killed him, and that forced his crew to leave him behind, sure he was already dead. Now he’s stranded millions of miles from the nearest human being, with no way to even signal Earth that he’s alive—and even if he could get word out, his food would be gone years before a rescue mission could arrive. Chances are, though, he won’t have time to starve to death. The damaged machinery, unforgiving environment, or plain-old “human error” are much more likely to get him first.

But Mark isn’t ready to give up yet. Drawing on his ingenuity, his engineering skills—and a relentless, dogged refusal to quit—he steadfastly confronts one seemingly insurmountable obstacle after the next. But will his resourcefulness be enough to overcome the impossible odds against him?

Goodreads | The Martian by Andy Weir